Gemeinsam macht stark

Nur kraftvolle Erzeugergemeinschaften können dem konzentrierten Handel auf Augenhöhe begegnen. Lesen Sie in den kommenden Wochen mehr in dieser NEUES LAND Artikelserie.

In den letzten 30 Jahren haben sich die Marktkräfte aufgrund verschiedener Entwicklungen neu verteilt. Zum einen haben sich enorme Marktmächte bei den Handelsketten gebildet, zum anderen war es in Österreich bisher nicht möglich, auf Bauernseite eine gleichwertige Angebotsmacht aufzubauen. Zu viele Anbieter aus den verschiedenen Sparten geben den Handelsketten die Möglichkeit, die Preisbildung eigennützig zu bestimmen.

Macht der Märkte

Handelsketten haben ihre Marktmacht zusätzlich mit Eigenmarken verstärkt. Die Besonderheit dieser “Eigenmarkenphilosophie” besteht darin, dass Produktlieferanten jederzeit ausgetauscht werden können, ohne dass es die Konsumenten tatsächlich merken.

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Agrar-Landesrat Hans Seitinger: „Es gibt nur eine einzige Antwort auf diese Entwicklung:  Starke Marken und Gütesiegel in Bauernhand, eine hohe Disziplin und Finanzmittel für entsprechende Werbemaßnahmen“.  Ein gutes Beispiel dafür ist das AMA-Gütesiegel.  Von mäßigem Erfolg sind kurzfristig aufgebaute Markensymbole, da diese oftmals keine echte Kundenbindung nach sich ziehen und nur zur Verwirrung beitragen.

Qualität und eine kontinuierliche Marktbeschickung sind die unumstrittenen Herzstücke des Marktes. Ihre Bedeutung übertrifft oftmals sogar die des Preises. So gibt es für Verkäufer nichts Schlimmeres, als Kunden erklären zu müssen, dass ein Produkt zur Stunde nicht verfügbar ist. Der größte „Feind“ der Kontinuität ist die Saisonalität. „Gerade in diesem Zusammenhang braucht es mehr Konsumentenbewusstsein, um natürliche Jahreskreisläufe zu verstehen, damit saisonale und regionale Produkte gewürdigt werden“,  so Seitinger.

 

Starke Marken

Im Zeitalter des globalen Handels spielen internationale Markteinflüsse, wie zum Beispiel die Überproduktionen von Fleisch und Milch eine maßgebliche Rolle. Gerade in diesem Zusammenhang ist es deutlich erkennbar:  Wo es starke bäuerliche Produktmarken gibt, sind Preisschwankungen überschaubar, wo keine vorhanden sind, gibt es den Preisverfall und auch den sofortigen Austausch mit Billigprodukten aus dem Ausland (zum Beispiel bei Verarbeitungsfleisch und Wurstprodukten).

 

Geschlossenheit

Bleibt noch eine wichtige Frage: Ist es überhaupt noch möglich, den Bauern mehr Kraft am Markt zu verleihen? Seitinger: „Da bin ich mir sicher. Aus meiner insgesamt fast 30-jährigen Erfahrung als Geschäftsführer einer Erzeugergemeinschaft und meiner agrarpolitischen Tätigkeit meine ich doch, die Zusammenhänge des Marktes und seine Schalthebel recht gut zu kennen. So ist die dem Bauernstand zustehende Marktkraft nur dann realisierbar, wenn es in Zukunft eine starke Geschlossenheit gibt, die Bedeutung der in Bauernhand befindlichen Marken erkannt wird und wenn wir rechtzeitig auf Markt- und Konsumententrends reagieren. Nur damit kann es möglich sein, die Preisbildung und das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern maßgeblich zu verbessern. Eine klare Produktkennzeichnung und mehr Bewusstsein für regionale Lebensmittel muss höchste Priorität haben. Wir sollten daher unsere ganze Kraft dafür einsetzen und alles andere hintanstellen.“

Die Erzeugergemeinschaften

Lesen Sie in der NEUES LAND Artikelserie mehr zu den einzelnen Erzeugergemeinschaften der Steiermark.

Schaf- und Ziegenzuchtverband

1300 Betriebe
Vermarktung: 17.000 Lämmer und Schafe
800 Zuchttiere

Erzeugerorganisation Steirisches Gemüse

70 Betriebe
Fünf Millionen Euro Umsatz

Verein Steirisches Kürbiskernöl

3100 Betriebe
130 Millionen Euro Umsatz
2,8 Millionen Liter Kernöl

Geflügelmastgenossenschaft

310 Betriebe
84 Millionen Geflügel

Rinderzucht Steiermark

5800 Mitgliedsbetriebe
Vermarktung: 27.000 Rinder
19 Millionen Euro Umsatz

Erzeugergemeinschaft Steirisches Rind

5000 Mitglieder
Vermarktung: 25.500 Rinder

Styriabrid

1300 Betriebe
200 Millionen Euro Umsatz
Vermarktung: 800.000 Mastschweine
680.000 Ferkel und Babyferkel

Drei Erzeugergemeinschaften Obst:
OGS Obst-Gemeinschaft-Steiermark GmbH, OPST Obst Partner Steiermark GmbH, EOS Erzeugergemeinschaft Obst Steiermark GmbH

900 Betriebe
180 Millionen Kilogramm Äpfel und Beerenobst

Landgenossenschaft Ennstal

1800 Betriebe
1300 Mitarbeiter
312 Millionen Euro Umsatz

Berglandmilch

11.000 Betriebe
1,3 Milliarden Kilogramm Milch
910 Millionen Euro Umsatz

Obersteirische Molkerei

1550 Betriebe
180 Mitarbeiter
112 Millionen Euro Umsatz
160 Millionen Kilogramm Milch

Beitragsbild: fotolia.com/REDPIXEL

 

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