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Dünger so teuer wie nie zuvor

von Karl Brodschneider

Die in den letzten Monaten extrem gestiegenen Düngemittelpreise bringen die Landwirte zum Verzweifeln. Was ist die Ursache dafür und gibt es Aussicht auf eine Verbesserung der Lage?

 

Die schon seit Monaten vorherrschende Preissituation bei den Düngemitteln sorgt unter den Bauern für große Verunsicherung. Noch nie zuvor waren Stickstoffdünger so teuer wie jetzt. Der Preis für eine Tonne Kalkammonsalpeter, den wichtigsten stickstoffhaltigen Dünger, liegt derzeit an den deutschen Importhäfen deutlich über 600 Euro je Tonne. In den vergangenen fünf Jahren war dieser Wert aber nie über 250 Euro gelegen. Und da es sich um einen weltweiten Rohstoff handelt, ist diese Preissituation auch für Österreich schlagend.

Unsichere Zukunft

So wie LAbg. Gerald Holler, Landwirt in Wildon, geht es vielen. „Keiner weiß so recht, wie es weitergeht und was er tun soll. Auf der einen Seite sind die Schweinepreise schlecht, auf der anderen Seite weiß man nicht, wie es im Getreidebereich weitergeht und dazu kommen jetzt diese hohen Düngerpreise.“ In die gleiche Kerbe schlägt der Kammerobmann von Hartberg-Fürstenfeld, Herbert Lebitsch. „Man hat im Frühjahr mit Anbau und Düngung schon sehr hohe Fixausgaben und weiß nicht, ob man das nach der Ernte überhaupt zurückbekommt. Ich hoffe, dass der Düngerpreis in der Anbauzeit wieder heruntergeht, aber ob Dünger dann überhaupt verfügbar ist, bleibt offen.“

Andreas Hochgerner

Andreas Hochgerner, RWA-Abteilungsleiter Düngemittel, sieht in den hohen Gaspreisen den Hauptgrund für die hohen Düngemittelpreise.

Andreas Hochgerner, RWA-Abteilungsleiter Düngemittel, zerstreut diese Hoffnungen: „Ich rechne frühestens Ende April, Anfang Mai mit einem Preisrückgang.“ Und er rät: „Wenn man für Ende Februar, Anfang März noch Dünger braucht, dann soll man sofort zum Lagerhaus beziehungsweise Händler gehen und eine fixe Bestellung machen.“ Die Gefahr ist nämlich groß, dass der Dünger sonst gar nicht verfügbar ist, wenn man ihn benötigt.

Das heißt, dass den Bauern gar nichts anderes übrig bleibt, als mit den Preisen zu leben oder weniger davon einzusetzen. Aber für die Qualitätsweizenproduktion, den Körnermais und Rapsanbau sowie andere Feldfrüchte sind vor allem beim Anbau ausreichende Stickstoffgaben erforderlich, um gute Voraussetzungen für ein entsprechendes Wachstum zu schaffen.

Hohe Gaspreise

Was ist der Grund für die extrem hohen Düngemittelpreise, unter denen die Landwirte in ganz Europa leiden? Andreas Hochgerner hat eine klare Antwort parat: „Schuld daran sind die Gaspreise!“ Der Stickstoffdünger wird durch das Haber-Bosch-Verfahren gewonnen. Der Stickstoff wird dabei unter hohem Energieeinsatz der Luft entzogen. In Europa dient dabei vor allem Erdgas als Energiequelle. Aber in den letzten eineinhalb Jahren begannen die Gaspreise in Europa rasant zu steigen. Die Industrie schraubte ihre Produktion zurück. Manche Stickstoffproduzenten legten ihre Werke sogar völlig still. Das betrifft vor allem jene in Rumänien und Kroatien. Der Handel legte keine Lager an. Die Landwirte zögerten mit Bestellungen.

Schon im vergangenen Oktober begann sich die derzeitige Misere abzuzeichnen. „Ende 2021 lag die Düngemittel-Einlagerung in Österreich deutlich hinter den letzten Jahren“, berichtet Hochgerner und ergänzt: „In der Steiermark machte diese Einlagerungsrate Ende Dezember sogar weniger als 50 Prozent aus.“

Dünger

Die Preisrekorde betreffen nicht nur die Stickstoffdünger, sondern auch die Phosphor- und Kalidünger.

Die Preisrekorde betreffen aber nicht nur Stickstoff-, sondern auch Phosphor- und Kalidünger. Hierbei beginnt auch die Weltpolitik eine wichtige Rolle zu spielen. Wie der deutsche Analyst Olaf Zinke in seinem jüngsten Marktkommentar auf „agrarheute“ festhält, liegen die Hintergründe für die stark angezogenen Kalidüngerpreise beim Handelsembargo und den Sanktionen der USA gegen Belarus. Das hat auch dazu geführt, dass der wichtigste europäische Stickstoffhersteller Yara aus Norwegen angekündigt hat, seine Käufe von weißrussischem Kali zu reduzieren. Dabei ist das staatliche weißrussische Unternehmen Belaruskali einer der größten Kaliproduzenten der Welt. Vor diesem Hintergrund sind die Kalipreise in Deutschland – die Lage in Österreich ist ähnlich – auf aktuell 392 Euro je Tonne gestiegen. Das sind 160 Euro mehr, als die Landwirte noch vor einem Jahr bezahlen mussten.

Drohender Krieg

Wie sich der immer mehr zuspitzende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine auf die europäische Gasversorgung, die Gaspreise und damit auch auf die Düngemittelproduktion auswirken wird, ist noch offen. Aber sogar die Olympischen Winterspiele in China spielen in das aktuelle Marktgeschehen hinein. In China sind zum Beispiel Harnstoff-Fabriken angehalten worden, die Produktion einzustellen oder zu drosseln, um die Luftverschmutzung vor Beginn der Winterspiele zu begrenzen.

 

 

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