Anzeichen für Trendwende am Schweinemarkt

von Karl Brodschneider

Die heimische Schweinebranche hat schon vor fünf Jahren auf die unfairen Wettbewerbspraktiken bei Tönnies aufmerksam gemacht. 

Vor einem halben Jahr war es noch völlig unvorstellbar, dass die Schweinebranche binnen weniger Monate in eine Krise schlittern würde. Im Jänner lag der Basispreis für Mastschweine bei 1,89 Euro, der Ferkelpreis bei 3,30 Euro je Kilo. Aktuell bewegen sich diese Preise bei 1,43 Euro beziehungsweise 2,35 Euro. 
Schon die Corona-Krise machte den Schweinebauern zu schaffen. „Zuerst kauften die Menschen Unmengen an Fleisch ein“, erinnert sich Styriabrid-Obmann Kurt Tauschmann. Aber das musste auch verzehrt werden und plötzlich brach der Absatz ein. Das Fass zum Überlaufen brachte allerdings die Corona-bedingte Schließung des größten Schweineschlachtbetriebes in Deutschland.

Lautstarke Kritik

Tauschmann rückt die Verhältnisse zurecht: „In Österreich werden in einer Woche insgesamt 40.000 bis 50.000 Schweine geschlachtet. Allein im Stammwerk von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind es 20.000 Schlachtungen pro Tag!“ Und er spart nicht mit Kritik an diesem Mega-Betrieb: „Der Erfolg beruhte auf das Ausnützen von anderen – erst durch den dramatischen Anstieg an Corona-Infektionen ist das offenkundig geworden.“ 
Dabei hat, so Tauschmann, die österreichische Schweinebranche zusammen mit den heimischen Schlachthöfen schon vor etwa fünf Jahren auf das beim deutschen Großschlachthof praktizierte und wettbewerbsverzerrende Modell mit Subunternehmern aufmerksam gemacht. „Wir haben das kritisiert, wurden aber nicht gehört“, bedauert der Styriabrid-Obmann. Unbestritten ist aber, dass die Vorgänge rund um Tönnies dem Schweinefleisch-Image und -verbrauch in den vergangenen Wochen schwer geschadet haben.

 Junge Schweinebauern

 Er selbst stellt in der Branche den Beginn einer Trendwende fest. „Wir merken das in den Gesprächen mit den jungen Schweinebauern“, sagt Tauschmann. „Sie beschäftigten sich sehr stark mit anderen Haltungsbedingungen und mit den in der Gesellschaft geführten Diskussionen.“ 
In die Zukunft blickend, hat er klare Vorstellungen. „Wenn man etwas gestalten will, müssen dafür auch die Investitionsanreize passen. In der Nutztierhaltung ist nichts starr und fix, eine Weiterentwicklung muss möglich sein“, sagt Tauschmann und fordert: „Wir müssen in Österreich eine wirksame Investitionsförderung zusammenbringen!“ 
Sorgen bereitet ihm in Hinblick auf die freie Abferkelung ab dem Jahr 2033 eine aktuelle Umfrage unter Ferkelproduzenten. „Von zehn Befragten sagten neun, dass sie diese gesetzliche Regelung nicht mehr berühren würde“, sinniert Tauschmann und merkt an: „Diese Zeichen muss man wahrnehmen!“ Weiters lobt er die große Bedeutung des AMA-Gütesiegels, will aber auch hier Weiterentwicklungen sehen.

Afrikanische Schweinepest

Angesichts der Corona-Krise und des Tönnies-Desasters ist ein anderes Problem derzeit völlig in den Hintergrund getreten. „Die Afrikanische Schweinepest macht uns massive Sorgen, wird derzeit aber nicht diskutiert. Sollte die Schweinepest bei uns auftreten, wäre das der Supergau!“, warnt Tauschmann. 
Die meisten Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) gab es im ersten Halbjahr in Ungarn, nämlich 2938. In Polen verdoppelte sich die Zahl der infizierten Wildschweine auf 2737. Aber auch in Serbien, Rumänien, Bulgarien und Moldawien verzeichnete man zahlreiche ASP-Fälle. An der deutsch-polnischen Grenze will man jetzt sogar einen 62 Kilometer langen Wildschutzzaun errichten, um die Einschleppung der Schweinepest durch Wildschweine aus Polen vorzubeugen. 

Beitragsfoto: agrarfoto.com

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