„Es ist nun größte Vorsicht geboten!“

Geflügelreferent Anton Koller über die Problematik der Vogelgrippe, den professionellen Umgang damit und die private Hinterhofhaltung.

NEUES LAND: Seit Dienstag vergangener Woche ist ganz Österreich ein „Gebiet mit erhöhtem Geflügelpestrisiko“. Nach dem vermehrten Auftreten der Vogelgrippe, ausgelöst durch das A(H5N8)-Virus, treten nun umfassende Sicherheitsmaßnahmen in Kraft. Worauf haben Geflügelhalter ab sofort besonders zu achten?

Geflügelexperte Anton Koller: Es ist vor allem eine bundesweite Stallpflicht für unternehmerische wie auch für private Geflügelhalter, aber auch erweiterte Hygienebestimmungen. Dazu kommt das Verbot, Tiere mit Wasser zu tränken, das auch für Wildvögel erreichbar ist. Grundsätzlich sind alle Hygienebestimmungen, insbesondere bei der Fütterung, genauestens einzuhalten. Und ganz wichtig: Bei Verdachtsfällen muss sofort ein Tierarzt oder die Behörden verständigt werden.

NL: Die Vogelgrippe hat sich in den letzten Wochen in Österreich rasch ausgebreitet. Müssen wir das als bedrohlich einschätzen?

Koller: Grundsätzlich ist die Situation nicht bedrohlich. Die ersten Hinweise gab es im November vergangenen Jahres im Bodensee-Gebiet in Vorarlberg, erstmals wurde die Vogelgrippe in einem Wirtschaftsbetrieb bestätigt. Die letzten aufgetretenen Fälle bei Schwänen hatten wir erst jüngst im Raum Kalsdorf (Bezirk Graz Umgebung). Grund für die rasche Ausbreitung sind die extrem kalten Temperaturen. Einerseits kann sich das A(H5N8)-Virus unter diesen Voraussetzungen gut verbreiten und andererseits wechseln mehr Vögel von ihren Sommer- in wärmere Winterquartiere, da zum Beispiel Wasserflächen zugefroren sind.

NL: Welche Dimensionen hat die Vogelgrippe international?

Koller: Die Ausbreitung hat eine gewaltige Dimension erreicht. Mittlerweile sind nahezu alle Mitgliedsstaaten der EU vom genannten Virustyp betroffen. Am stärksten leiden die Staaten Ungarn, Frankreich und Deutrschland unter der Vogelgrippe.

NL: Immer wieder taucht die Frage auf, ob die Vogelgrippe auch Menschen gefährlich werden kann.

Koller: Bisher ist weltweit kein einziger Nachweis bekannt, bei denen Menschen durch A(H5N8)-Viren erkrankt sind. Was aber nicht heißt, dass wir das Thema auf die leichte Schulter nehmen können. Es ist größte Vorsicht geboten.

NL: Die Vogelgrippe sorgt in landwirtschaftlichen Betrieben für schwere Zeiten. Was konkret belastet die betroffenen Bäuerinnen und Bauern?

Koller: Wir haben in der Steiermark rund 14.000 geflügelhaltende Betriebe. Rund 1100 Betriebe betreiben die Geflügelhaltung im wirtschaftlichen Sinn (Voll- oder Nebenerwerb) und davon sind zwei Drittel in Stallhaltung. Die restlichen Freiland- und Biobetriebe besitzen sogenannte Wintergärten. Diese sind Überdacht und somit können die Tiere zwar nicht ganz ins Freie, haben aber frische Luft und Tageslicht. Das größte Problem haben wir bei der Hinterhofhaltung. Damit sind zum Beispiel Legehennen für die Eier-Eigenversorgung gemeint. Hier gibt es meist keinen geeigneten Winterstall.

NL: Wie lange dürften uns Ihrer Meinung nach die Sicherheitsmaßnahmen erhalten bleiben.

Koller: Dieses Virus zieht sich bei steigenden Temperaturen und höherer UV-Einstrahlung weitgehend zurück. Natürlich kann man derzeit keine realistische Prognose abgeben. Aber meiner Meinung nach könnte bei einem schönen Frühjahr die Stallpflicht ab Mitte März aufgehoben werden.

Zur Person

Anton Koller, Jahrgang 1971, ist Absolvent der Land- und forstwirtschaftlichen Fachschule Hatzendorf. Danach erfolgte die Ausbildung zum Geflügelmeister. Seit dem Jahr 2008 ist Koller Geflügelreferent der Landwirtschaftskammer Steiermark. Er ist selbst praktizierender Landwirt.

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