Es gärt kräftig bei den Biogas-Betreibern

Die Bundesregierung hat einen Nachfolgetarif für Strom aus Biogas angekündigt. Die Zeit drängt, die ersten Biogasanlagen schließen.

Johannes Hauptmann ist Sprecher der Biogasanlagenbetreiber.

Die Anspannung bei den meist bäuerlichen Biogasanlagenbetreibern ist groß. Ohne einen vertraglich gesicherten Ökostrom-Einspeisetarif geht bald nichts mehr. Von den insgesamt 37 steirischen Biogasanlagen mussten bis jetzt schon 10 vom Netz genommen werden. Die gleiche Anzahl dürfte in den nächsten Monaten folgen. Der geförderte Einspeisetarif gilt nämlich nur für 13 Jahre und den Nachfolgetarif gibt’s noch nicht. „Ohne Ökostrom-Tarif müssen wir den Strom um 2,7 Cent pro kWh verkaufen“, klärt Johannes Hauptmann als Sprecher der steirischen Biogasanlagenbetreiber auf, „und das ist absolut unwirtschaftlich!“

Hoffnung setzt Hauptmann in das neue Arbeitsübereinkommen der Bundesregierung, in dem man schon für März 2017 die kleine Ökostromnovelle ankündigt. Für hocheffiziente und wärmegeführte Biogasanlagen soll es endlich Nachfolgetarife geben, für andere eine „Abwrackprämie“.

Ökostromnovelle

„Eine Ökostromnovelle bringt nur was, wenn sie ausreichend budgetiert ist“, sagt Christian Metschina, der Leiter des Referats Energie und Biomasse in der Landwirtschaftskammer, und nimmt die im Arbeitsübereinkommen genannte Summe von fünf Millionen Euro pro Jahr kritisch unter die Lupe. Er ist mit Hauptmann auf derselben Linie: „Alle effizienten Anlagen mit einem Wirkungsgrad von 60 und mehr Prozent müssen einen Nachfolgetarif bekommen. Denn es wäre volkswirtschaftlich ein Blödsinn, wenn man Biogasanlagen nach 13 Jahren wieder abdrehen würde, obwohl sie effizient sind.“


Christian Metschina: „Alle effizienten Anlagen fördern!“

Von einer effizienten Anlage spricht man dann, wenn sie nicht nur Ökostrom, sondern auch Wärme liefert. Die Familie Hauptmann versorgt zum Beispiel verschiedene öffentliche Gebäude, Wohnhäuser und ein Alzheimer-Zentrum mit behaglicher Wärme. Laut Hauptmann werden dadurch über 200.000 Liter Heizöl ersetzt. Und er macht auf einen weiteren Umstand aufmerksam: „In Bad Blumau führen die Bauern die Gülle zu mir und bringen in weiterer Folge die geruchlose Gülle auf ihren Feldern aus. Das ist für eine Tourismusgemeinde ganz wichtig.“

Billiger Importstrom

Dass die insgesamt 300 österreichischen Biogasanlagenbetreiber überhaupt in eine so schwierige wirtschaftliche Situation gekommen sind, hat nicht nur mit dem fehlenden Nachfolge-Einspeisetarif zu tun, sondern auch mit den europaweit nach unten purzelnden Energiepreisen. „Österreich importiert nach wie vor Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken“, macht Landesrat Hans Seitinger aufmerksam. „Für mich stellt sich die Frage, wie wir das Klimaschutzabkommen von Paris einhalten wollen, wenn wir nicht alle Hebeln in Bewegung setzen, die zu einer Verbesserung der bedrohlichen Situation führen können, so auch die der Biogasanlagen.“  Und er blickt auf eine Zukunfts-chance, die man nicht leichtsinnig verspielen soll: auf den Bauern als Energiewirt!

Biogasanlagen

Landesrat Hans Seitinger: „Alle Hebeln in Bewegung setzen!“

Eine Biogasanlage dient der Erzeugung von Biogas durch Vergärung von Biomasse. Als Substrat werden tierische Exkremente wie Schweine- oder Rindergülle sowie Energiepflanzen und Zwischenfrüchte, aber auch Bioabfall eingesetzt. Der ohne Sauerstoff verlaufende Abbau des eingesetzten Substrats erfolgt durch Mikroorganismen. Das entstehende Biogas wird zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.

In Österreich gibt es rund 300 Biogasanlagen. Davon befinden sich 37 in der Steiermark. Die meisten von ihnen wurden zwischen 2003 und 2006 gebaut. Den Betreibern wurde damals für 13 Jahre ein fixer Ökostrom-Einspeisetarif angeboten. Die steirischen Biogasanlagen versorgen 27.000 Haushalten mit Ökostrom. Zehn Anlagen in der Steiermark liefern wegen des ausgelaufenen Ökostrom-Einspeisetarifs nicht mehr ins Netz, sondern sind schon stillgelegt.

 

 

 

Fotos: mediendienst.com/Furgler, Archiv

 

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