Vorsorgen ist das Um und Auf

von Karl Brodschneider

Welche Erkenntnisse man aus dem langen Stromausfall in den Bezirken Murtal und Murau zieht und was jeder Haushalt machen soll.

 

Das Ereignis liegt jetzt knapp zwei Wochen zurück und hat einen Vorgeschmack auf ein mögliches Blackout gegeben. Schwerer, nasser Schnee und umgestürzte Bäume haben im Raum Weißkirchen einen Mast der 110 KV-Leitung umknicken lassen. Die Stromversorgung von 20.000 Haushalten in den Bezirken Murtal und Murau ist deshalb für mehr als 24 Stunden ausgefallen.

Gemeinsam mit Medienvertretern wurde dieses Ereignis in der Landeswarnzentrale analysiert. „Es war eine in dieser Form einmalige Einzelstörung“, stellte Franz Strempfl von der Energienetze Steiermark GmbH klar. „Es war kein Blackout, sondern ein regionaler Stromausfall.“ Trotzdem ließen sich daraus viele Schlüsse für ein Blackout-Szenario ziehen. „Am wichtigsten sind die Eigenverantwortung und Vorsorge. Wir appellieren daher an alle, sich für einen solchen Fall zu rüsten“, betonte Landeshauptmann Christopher Drexler. Und Stellvertreter Anton Lang ergänzte: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass derartige Naturereignisse zunehmen und dass es zum Beispiel nach schweren Unwettern mit Starkregen und Sturm oder extremen Schneefällen zu partiellen Stromausfällen kommen kann.“  

Alles unter Kontrolle

Dass die Lage in den betroffenen Gebieten am ersten Dezember-Wochenende immer unter Kontrolle blieb, war auch dem Umstand geschuldet, dass die Einsatzorganisationen im Bezirk Murtal erst drei Tage vorher eine große gemeinsame Blackout-Übung abgehalten hatten. „Daher waren alle gut vorbereitet und wussten sofort, was zu tun war“, erklärte Harald Eitner, Leiter der Fachabteilung Katastrophenschutz. „Wir haben allerdings auch gesehen, dass es in der Kommunikationsweitergabe keine Engstellen geben darf, denn wenn das nicht funktioniert, leidet alles darunter“, sagte Eitner und kündigte an: „Daher werden wir alle Feuerwehrkommandanten bei solchen Ereignissen mit Push-Nachrichten informieren.“ 

Aber nicht nur Privathaushalte müssen Eigenvorsorge betreiben, sondern auch Betriebe. „Die Firmen müssen sich fragen, wie sie die Produktion aufrechterhalten können, denn in einem Ernstfall brechen die klassischen Lieferketten zusammen. Es muss trotzdem alles unternommen werden, um die Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigen zu gewährleisten“, so Eitner. 

Landesweiter Maßnahmenplan

Auf Landesebene wird jetzt an einem detaillierten gesamtsteirischen Maßnahmenplan gearbeitet, der noch in der ersten Jahreshälfte 2024 vorliegen soll. Darin werden alle Risiken und Problemfelder analysiert und zusammengefasst, damit die Steiermark mit allen bisherigen Erfahrungen bestmöglich auf einen Ernstfall vorbereitet ist.

Gruppenbild

Heribert Uhl vom Zivilschutzverband, Harald Eitner vom Katastrophenschutz, LH Christopher Drexler, LH-Stellvertreter Anton Lang, Bezirkshauptfrau Nina Pölzl und Franz Strempfl von der Energienetze Steiermark GmbH.

Zum Schluss des Pressegesprächs appellierte Heribert Uhl, Landesgeschäftsführer des Zivilschutzverbandes Steiermark, noch einmal an die Eigenvorsorge. Sein Tipp: „Schalten Sie bei sich zu Hause probeweise den Strom ab und überlegen Sie dann, wie lange Sie ohne Elektrizität auskommen. Wie lange reichen die Vorräte an Nahrungsmitteln und Trinkwasser? Habe ich ausreichend Kerzen, ein kurbel- oder batteriebetriebenes Radio? Die Antworten darauf zeigen, ob man jetzt schon ausreichend vorgesorgt hat oder nicht.“

 

 

Fotos: Land Steiermark/Robert Binder; Energienetze Steiermark

 

 

 

 

 

 

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