“Veränderung wird notwendig sein”

Rupert Gsöls

Rupert Gsöls, Obmann der Erwerbsobstbauern, zu der aktuellen Preismisere, Zusammenhängen am Apfelmarkt und Wegen aus der Krise.

NEUES LAND: Die Erzeugerpreise am Apfelmarkt sind derzeit wieder am Boden. Was bedeutet das für die steirischen Bäuerinnen und Bauern?

Rupert Gsöls: Es gibt in ganz Europa eine Vollernte, deshalb wird es sicher ein schwieriges Jahr für die Vermarktung. Wenn wir eine realistische betriebswirtschaftliche Rechnung für die Produktion von Äpfeln in der Steiermark verwenden, werden viele Obstbauern bei diesen Verkaufspreisen ihre Produktionskosten nicht decken können.

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NL: Wir sind in Österreich stark vom europäischen Markt abhängig. Wie stellt sich dieser aktuell dar?

Gsöls: Wir wissen, dass in Europa etwa zehn Millionen Tonnen Äpfel pro Jahr verzehrt werden. Bei Produktionsmengen über elf Millionen Tonnen wird es erfahrungsgemäß schwierig. Heuer belaufen sich die Erntemeldungen auf etwa 12,5 Millionen Tonnen oder mehr. Alleine Polen wird vermutlich fast fünf Millionen Tonnen produzieren.

NL: Wie sieht es mit der Produktionsmenge und der Marktsituation in Österreich aus?

Gsöls: Wir produzieren in einem Normaljahr 0,2 Millionen Tonnen und damit etwa das Doppelte der Menge, die in Österreich verzehrt wird. Im Inland haben wir aber seit Jahren ein großes Vermarktungsproblem: Drei große Handelsketten, die gemeinsam 86 Prozent der Lebensmittel in Österreich verkaufen, haben eine gewaltige Marktmacht. Demgegenüber steht eine auf drei Erzeugerorganisationen verteilte Bauernschaft, die noch dazu mit einer Vielzahl an Zwischenhändlern kooperiert. Das ist keine Begegnung auf Augenhöhe und auch kein Erfolgskonzept.

NL: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Müssen wir sowohl in Europa als auch in Österreich weniger produzieren?

Gsöls: So einfach ist das nicht, es sollten mehrere Dinge parallel passieren. Als erstes müssen wir diese Vermarktungssituation in Österreich in den Griff bekommen. Im Bio-Bereich funktioniert das: Die Preise bleiben stabil, weil es weniger Anbieter als Abnehmer gibt. In Europa muss sich außerdem die Förderpolitik ändern, weg von der Unterstützung für große Strukturen. Sie hat uns ja auch diese europaweite Überproduktion beschert. Außerdem sind die Russlandsanktionen für unseren Export nach wie vor schmerzhaft.

NL: Was kann der Landwirt selbst tun, um mit dem eigenen Betrieb die Krise zu überstehen?

Gsöls: Die Bereitschaft als Gemeinschaft aufzutreten und sich nicht gegenseitig zu bekämpfen ist essentiell. Außerdem wird für viele Betriebe eine Veränderung notwendig sein. Wir können nicht mit einfach zu produzierenden Sorten wie Jonagold und Idared weiter machen, dabei werden wir mit den Polen nie konkurrieren können. Auch Golden Delicious steht bereits stark unter Druck. Hier muss eine Umstellung in Richtung neuer Sorten erfolgen. Auch die Produktionsart kann sich verändern, beispielsweise in Richtung Bio. Die Einführung eines Labels „Rückstandsfrei“, das durch Teilaspekte der biologischen Produktion Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf null reduziert, könnte ebenfalls helfen. Eine dritte Möglichkeit wäre eine betriebliche Entwicklung in Richtung anderer Dauerkulturen wie Beerenobst oder Birnen.

Beitragsbild: LK Steiermark Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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