Die Kühe sind nicht lila

von Karl Brodschneider

Auf den „Schule am Bauernhof“-Betrieben erfahren die Kinder, dass die Äpfel nicht im Supermarkt wachsen und Ferkel nicht sprechen können.

Die Aktion „Schule am Bauernhof“ gibt es seit 20 Jahren. Dabei zeigen pädagogisch geschulte Bäuerinnen und Bauern den Kindern, wie es auf einem landwirtschaftlichen Betrieb zugeht. „Ein Besuch am Bauernhof war noch nie so wichtig wie heutzutage. Es fragen sich doch immer mehr Menschen, woher unsere Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden“, sagt Landesbäuerin Auguste Maier. Sie freut sich, dass in den vergangenen 20 Jahren rund 80.000 Kindergarten-Kinder, Schüler und Jugendliche in einem Bauernhof-Klassenzimmer waren. „Dort lernen sie, dass die Kühe nicht lila sind,. Sie lernen, was die Bienen mit den Apfelblüten machen und dass Erdäpfel nicht auf den Bäumen wachsen“, sagt die Landesbäuerin. Von den Bäuerinnen und Bauern erfahren die Kinder auch mehr über die Bauernhof-Tiere, über den Obst-, Acker- und Gemüsebau, über die Honigproduktion oder über die Verarbeitung von Schafwolle. Die Kinder können auch selbst Hand anlegen, Butter schütteln und beim Herstellen von Joghurt und Käse sowie beim Brotbacken live dabei sein.

Tausende Kinder

Die „Schule am Bauernhof“-Initiative der Landwirtschaftskammer wird von den Lehrern und Schuldirektoren sehr gerne und mit steigender Tendenz angenommen. „Im vergangenen Schuljahr waren rund 6500 steirische Kinder und Jugendliche auf den Höfen“, sagt Franz Greinix, Vorsitzender des Ländlichen Fortbildungsinstitutes (LFI), der Bildungseinrichtung der Landwirtschaftskammer, die die Bäuerinnen und Bauern pädagogisch für diese Aufgabe vorbereitet.

Und Greinix kündigt an: „Nächstes Jahr wird es auch die Schule auf der Alm geben!“ Dabei wird den Kindern und Jugendlichen das verantwortungsvolle Verhalten auf der Alm vermittelt. Alle „Schule am Bauernhof“-Betriebe können mit einem Aufbaulehrgang diese Zusatzqualifikation erwerben. Und selbstverständlich findet im kommenden Bildungswinter wieder ein „Schule am Bauernhof“-Zertifikatslehrgang statt.

Zu Besuch in Wettmannstätten

Eine „Schule am Bauernhof“-Bäuerin ist Maria Haring-Weigl aus Wettmannstätten. „Mir liegt besonders am Herzen, den Kindern die Milchwirtschaft in all ihren Facetten näher zu bringen. Die Kinder und Jugendlichen dürfen sogar leichte Tätigkeiten am Hof wie Kühe-Füttern ausführen, können unsere Kälber streicheln und lernen den Weg der Milch von der Kuh ins Supermarktregal kennen. Wichtig ist, dass sie daran Freude und Spaß haben. So entsteht Wertschätzung für die bäuerliche Arbeit und die bäuerlichen Produkte.“ Und weiter: „Schule am Bauernhof schafft auch die Möglichkeit eines weiteren betrieblichen Standbeines, allerdings gehört viel Idealismus dazu. Das Strahlen in den Augen der Kinder, wenn sie ein Kalb sehen oder streicheln, ist unbezahlbar.“

Wer mitmachen darf

Als Voraussetzung, um „Schule am Bauernhof“-Betrieb zu werden, dient eine umfassende Ausbildung, die das Ländliche Fortbildungsinstitut Steiermark anbietet. Es wird methodisches und pädagogisches Rüstzeug vermittelt, um den Kindern und Jugendlichen die produzierende Landwirtschaft auf spielerische Art und Weise näher zu bringen. Die hohe Qualität der Bauernhof-Programme wird durch eigene Qualifizierungsmaßnahmen der Bäuerinnen und Bauern und durch die Überprüfung der Höfe in Bezug auf betriebliche Eignung und Sicherheit gewährleistet.

Anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums werden 20 Bauernhof-Besuche für Schulklassen in der Steiermark verlost. Dazu können teilnehmende Klassen einfach das Online-Formular unter http://stmk.lfi.at/sab ausfüllen. Die Gewinner werden via Mail informiert.

 

Beitragsbild: INBILD/Anna Pailer

 

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