Im Interview: WK-Präsident Josef Herk

von Karl Brodschneider

Der steirische WK-Präsident Josef Herk über die kommende Wirtschaftskammerwahl, seine Wahlziele und die Macht des Konsumenten.

NEUES LAND: Vor den steirischen Gemeinderatswahlen gibt es Anfang März noch eine weitere große Wahl, nämlich die Wirtschaftskammerwahl. Sie treten als Spitzenkandidat des Wirtschaftsbundes an. Wie sieht die Ausgangsposition aus?

Josef Herk: Als Wirtschaftsbund haben wir eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der WK Steiermark zu verteidigen. Unser Ziel ist es, aus dieser Wahl als klare Nummer eins hervorzugehen, um wieder das gesamte Präsidium und alle Obleute in den Sparten und Fachgruppen zu stellen. Mit dem Team Herk sind wir im ganzen Land unterwegs und merken auch, dass die Stimmung gut ist.  

NL: Sie fordern Reformen für den Wirtschaftsstandort Steiermark. Wie sollen diese aussehen?

Herk: Wir fordern eine Senkung der Steuern und Abgaben, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu entlasten und so auch den Standort zu stärken. Allen, die hart arbeiten, soll mehr Netto vom Brutto bleiben. Die Online-Riesen wie Amazon zahlen in Österreich keine Abgaben und Steuern, hier braucht es einen fairen Wettbewerb für unsere Betriebe. Die Suche nach Arbeitskräften wird für die Unternehmen immer schwieriger – deshalb sagen wir auch dieser Herausforderung den Kampf an. Im Bereich Fachkräfteausbildung haben wir mit dem Talentcenter, der Einführung der Meisterprämie und den EuroSkills, die 2020 in Graz stattfinden werden, bereits unsere Hausaufgaben gemacht. Allerdings müssen wir unsere Jugend noch gezielter ausbilden und bereits bei der Berufsinformation ansetzen.  

NL: Können die Betriebe seitens der Politik Unterstützung im harten Kampf gegen Mitbewerber aus dem Ausland und gegen Schwarzarbeit erwarten?

Herk: Wie bereits angesprochen, ist der faire Wettbewerb eine unserer Kernforderungen. Durch den Jahresumsatz im Online-Handel entgehen Österreich im Jahr 600 Millionen Euro an Steuern, das entspricht 8.500 Vollzeitäquivalenten und 400 Lehrlingen. Das sind fast so viele Arbeitsplätze wie Magna in Graz hat. Hier müssen wir dagegen steuern. Wir haben erst kürzlich eine Bilanz mit der Steuer- und Zollkoordination präsentiert, wonach sich die Zahl der ausländischen Onlinehändler in unserem Land seit 2011 verachtzehnfacht hat – und zwar von 296 auf aktuell 5335. Wobei gegen neue Konkurrenz und Wettbewerb natürlich nichts einzuwenden ist, solange alle nach den gleichen Spielregeln spielen. Wir müssen alles tun, um faire Rahmenbedingungen zu schaffen und die lokale Wirtschaft vor Ort zu stärken.

NL: Wie stark nimmt man in der Wirtschaft beim Kunden die Bedeutung von Regionalität wahr?

Herk: Wir arbeiten seit Jahrzehnten daran, die heimischen Betriebe in den Fokus zu rücken und die regionalen Unternehmerinnen und Unternehmer gezielt zu unterstützen. Denn als Konsument hat man mit seiner Kaufentscheidung wesentlich mehr in der Hand als nur ein Produkt. Es geht um die Art und Weise, wie und wo etwas produziert oder angeboten wird, um regionale Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie um viele soziale, kulturelle und sportliche Initiativen, die von den Unternehmern in den Regionen unterstützt werden. Es freut uns, dass wir nun einen positiven Trend zu heimischen Produkten, vor allem im Lebensmittelbereich, erkennen.

 

Zur Person

Josef Herk, geboren 1960, ist zweifacher Meister für Karosseriebau und Kfz-Mechaniker. 1988 übernahm er den elterlichen Karosserie- und Lackierbetrieb in Knittelfeld. Seit 2011 ist er Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. Bei der Wirtschaftskammerwahl vom 3. bis 5. März tritt Herk als Spitzenkandidat des Wirtschaftsbundes Steiermark an.

Foto: WB Steiermark/Mathias Kniepeis

 

 

 

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