Alles klar im Freiluftlabor

Für die Meteorologen sind keine Minusgrade mehr zu erwarten, aber die Frostschutz-Versuche in Haidegg machen dennoch Sinn.

Vor einem Jahr packte viele steirische Obst- und Weinbauern das blanke Entsetzen: In den frühen Morgenstunden des 21. April 2017 fiel das Thermometer mancherorts auf verheerende minus neun Grad Celsius. Trotz großen Einsatzes konnte das Unheil nur teilweise abgewendet werden – die Schadensbilanz der Frostkatastrophe lag bei rund 40 Millionen Euro. Und das, obwohl es ein Jahr zuvor viele sogar noch wesentlich härter getroffen hat – Schäden im Ausmaß von 210 Millionen Euro wurden beklagt. Für dieses Jahr lässt die aktuelle Einschätzung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Graz Hoffnung aufkommen: „Es deutet nichts darauf hin, dass in diesem Frühjahr noch ein Frostereignis auftritt“, sagt Albert Sudy von der ZAMG.

Albert Sudy von der ZAMG. (Foto: mediendienst.com/Furgler)

Versuche in Haidegg

Dennoch ist man im Landesversuchszentrum für Obst- und Weinbau in Haidegg – wie berichtet –gerüstet, eine Vielzahl von Frostschutzsystemen zu testen. Bei einem Lokalaugenschein sehen wir zunächst hinter blühenden Obstbäumen die kürzlich errichtete Windmaschine aufragen. Eher unscheinbar und dennoch immens wichtig sind die Heizsysteme für den Weinbau und die bodennahen Temperatursensoren – man erkennt sie erst auf den zweiten Blick. Leonhard Steinbauer, Leiter der Versuchsstation, führt uns durch dieses einzigartige Freiluftlabor und erklärt das umfangreiche Programm auf insgesamt fünf Standorten: „Wir testen drei verschiedene Windmaschinen, sechs Typen von Frostschutzkerzen, zwei Heizsysteme und unterschiedliche Produkte zur Austriebsverzögerung.“

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Leonhard Steinbauer, Leiter der Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau in Haidegg (Foto: mediendienst.com/Furgler)

Leonhard Steinbauer, Leiter der Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau in Haidegg (Foto: mediendienst.com/Furgler)

Inversionswetterlage

Doch brauchen wir dazu jetzt eine neuerliche Frostkatastrophe? Steinbauer: „Wir benötigen eine typische Inversionswetterlage, also warme Luftschichten über kälterer, bodennaher Luft. Das kann natürlich auch ohne Frostschäden ablaufen.“ Im Idealfall gibt es also wichtige Erkenntnisse ohne nennenswerte Schäden.

Diese Versuche zu verschiedenen Systemen sind für die Steiermark von ganz großer Bedeutung, wie Steinbauer hervorhebt: „Nur mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Maßnahmen werden wir für die verschiedenen Kulturen in den teilweise schwierigen Lagen erfolgreich Frostschutz betreiben können.“

Beitragsbilder: Matzer, Haidegg Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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