Weichberger

Fernsehstar am Volksaltar

von Karl Brodschneider

Abgesegnet: Der ORF ernennt den Oststeirer Josef Reisenhofer zum neuen TV-Pfarrer. Im Netz streamt er bereits wöchentlich seine Messen.

Die Drohnenkamera an der Orgel ist aktiviert, die Mikrofone im Altarraum stehen auf „On“. Er beginnt: „Grüß Gott an alle Gläubigen zuhause vor den Bildschirmen!“ Für den Hartberger Stadtpfarrer Josef Reisenhofer sind Messfeiern vor laufenden Kameras nichts Neues. Seit zehn Jahren gibt er Menschen, die nicht den Gottesdienst besuchen können, hier die Möglichkeit, jeweils sonntags über das Internet bei Messfeiern dabei zu sein. „iGod.at“ hat der Pfarrer seine Webseite für multimediale Gottesdienste übrigens getauft: „Manche Menschen wollten Weihnachten einmal in der Karibik verbringen, aber dennoch kirchlich mit ihrer Heimat verbunden bleiben. Das war ein Ansporn für mich“, erinnert sich der Stadtpfarrer an seinen Beginn als „Online-Priester“. Auch kranke Menschen, welche die Kirche nicht mehr besuchen konnten, feierten begeistert via Live-Übertragung mit.

Der aktuelle Kampf gegen das Coronavirus schränkt bekanntlich nun auch das religiöse Leben in der Öffentlichkeit deutlich ein. Kirchen und Religionsgesellschaften müssen Besucherzahlen massiv reduzieren. „Während des ersten Lockdowns im März war unsere Internetleitung regelrecht überlastet, durch Corona bekommt ,Kirche‘ eine völlig neue Dimension“, freut sich der innovative Geistliche.

Ehrenamt

Sogar Begräbnisse und Hochzeiten werden auf Wunsch der Angehörigen auf diese Weise im Internet gefeiert, um vielen so die Teilnahme zu ermöglichen. Auch in Pflegeheimen und Krankenhäusern trifft die neue Form der Messfeier auf hohen Anklang. Auf den „Fern-Segen“ des oststeirischen Pfarrers ist nunmehr auch das ORF-Fernsehen aufmerksam geworden. Seine Allerheiligenmesse wurde bundesweit auf ORF 3 übertragen; 65.000 Gläubige aus ganz Österreich waren vor den Fernsehgeräten und im Internet mit dabei.

„Besonders dankbar macht mich, dass wir die Messe ganz in Eigenregie produzieren durften und der ORF das 1:1 übernommen hatte“, erzählt Reisenhofer stolz. Acht ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren im Einsatz – vom drohnenfliegenden Kameramann bis zur Lichttechnikerin.

Überraschung

Sehr überrascht war das Team, als nun der ORF Wien um weitere TV-Messen gebeten hat. Am 6. Dezember soll der nächste Gottesdienst – eine Nikolaus–Familienfeier – im Fernsehen übertragen werden. Aufgeregt ist Reisenhofer aber nicht: „Ich freue mich, nun so etwas wie ein ‚Gott-Spot‘ zu sein. Passiert einmal ein Hoppala im Internet, dann rede ich mich einfach auf meine Verbindung nach oben aus“, lacht der Pfarrer. Am kommenden Sonntag wird er eine Martinimesse für Kinder feiern.

Beitragsfoto: Gerti Toth

 

 

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