Brennende Themen in der Geflügelmast

von Robert Matzer

Markus Lukas, Obmann der GGÖ-Geflügelmastgenossenschaft, über brennende Zukunftsthemen der steirischen Geflügelmast.

NEUES LAND: Wie ist die Stimmung bei den steirischen Geflügelmast-Betrieben?

Markus Lukas: Im Grunde nicht schlecht. Der Konsum von Hühnerfleisch ist leicht steigend. Es ist gesund, fettarm und eindeutig ein Trendprodukt. Leider trüben mehrere Entwicklungen die Stimmung aber beträchtlich.

Markus Lukas im Porträt vor seinem Hühnerstall

GGÖ-Obmann Markus Lukas. Foto: Privat

NL: Welche sind das?

Lukas: Wir befinden uns leider in einer negativen Preisspirale im Lebensmitteleinzelhandel. Wenn man im Supermarkt ein Kilo Hühnerfleisch für 2,79 Euro kaufen kann und ein großes Mineral Zitrone in Wien fünf Euro kostet, stimmen die Verhältnisse einfach nicht mehr. Durch enorme Fortschritte bei der Genetik der Masttiere konnte man zwar immer günstiger produzieren, gleichzeitig stiegen aber die Lohn- und Baukosten. Auch ein steigender Aufwand in der Aufzeichnung bei den Geflügelmast-Betrieben, die weltweit höchsten Tierwohl-Standards und stark schwankende Futterpreise erhöhen die Kosten beträchtlich. In Summe gab es in den letzten 15 Jahren keine Preiserhöhung für die Produzenten. Und in Zukunft steht uns noch einiges bevor!

NL: Meinen Sie damit internationale Entwicklungen?

Lukas: Genau. Dabei sind vor allem der Brexit, das Mercosur-Abkommen und Schummel-Importe aus der Ukraine zu erwähnen. Beginnen wir mit der Ukraine: Der Geflügelmast-Großkonzern MHP umgeht durch einen Trick die geltende EU-Quote für Hühnerbrüste und bringt damit den europäischen Markt unter Druck. Das ist deshalb möglich, weil er beim Zerlegen der Hühner in der Ukraine einen Knochen am Fleisch lässt und es so als minderwertiges Produkt importieren kann. In konzerneigenen Betrieben in der Slowakei und Holland wird dann einfach der Knochen entfernt und es gilt wieder als höherpreisige Hühnerbrust. Zusätzlich kann es als EU-Produkt zollfrei in Drittländer, beispielsweise Südafrika, exportiert werden. Wie es dabei mit Tierschutzrichtlinien aussieht, kann man sich denken.

NL: Und wie könnte sich das Mercosur-Abkommen auf die heimische Geflügelbranche auswirken? Trifft es hier die Rinderbauern nicht stärker?

Lukas: Was viele nicht wissen ist, dass uns bei einem Mercosur-Deal eine Verdoppelung des zollfreien Imports von Hühnerfleisch bevorsteht. Bei den Rinderbauern geht es etwa um eine Erhöhung von 30 Prozent. Das ist immer noch viel, bei Hühnerfleisch würde dieses Abkommen aber zu totalen Dumpingpreisen führen.

NL: Und der Brexit?

Lukas: In England ist der Fleischkonsum hoch und ungefähr die Hälfte ist Hühnerfleisch. Etwa 40 Prozent davon werden importiert. Durch Zollbestimmungen nach dem Brexit würde sich der Import aus der EU verteuern und gleichzeitig Fleisch aus Übersee günstiger werden. Die größten EU-Produzenten wie Deutschland, Polen und Holland würden ihre Ware wiederum innerhalb der EU verkaufen müssen.

Positiv bleiben

NL: Trotz dieser Horrorszenarien herrscht in der Branche keine Weltuntergangsstimmung. Woran liegt das?

Lukas: Die Themen sind sehr ernst. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass es ein vernünftiges Abkommen mit England geben wird und auch der Mercosur-Deal scheint am Veto Österreichs zu scheitern. Das sind positive Aussichten. Die steirischen Geflügelmast-Betriebe sind technisch gut aufgestellt und wir arbeiten mit dem österreichischen Lebensmitteleinzelhandel sehr gut zusammen. Bei manchen Ketten kommen bis zu 95 Prozent heimisches Hühnerfleisch in die Regale. Auch Tierwohlprogramme werden durch den Handel unterstützt. Österreich hat neben der Schweiz mit maximal 30 Kilogramm pro Quadratmeter Stallfläche die geringsten Besatzdichten. Moderne Ställe haben Wintergärten, Bodenheizung, Sprühnebelkühlung, Klimatisierung, ständig Frischwasser und die Hühner werden von den Familienbetrieben dreimal täglich kontrolliert. Im Sommer bin ich wirklich lieber im Stall als im Freien. Außerdem verwenden Mäster in Österreich unglaublich wenig Antibiotika. Es gibt auch keine prophylaktischen Anwendungen und die Produktion unterliegt ständigen Kontrollen durch Tierärzte. Wir merken auch, dass Österreicher verstärkt zu heimischem Hühnerfleisch greifen. Hier werden wir mit gutem Marketing weiter dranbleiben und unsere Stärken noch besser kommunizieren.

NL: Wie könnten der Handel und die Politik diese positive Entwicklung noch unterstützen?

Lukas: Ich verstehe die Situation des Handels und die Konkurrenz der Ketten untereinander sehr gut. Trotzdem würde ich mir mehr Preisdisziplin wünschen und keine permanenten Aktionen mit Fleisch höchster Qualität. Bei der Politik gibt es einen sehr großen Hebel: die Herkunftskennzeichnung. Gerade in der Außer-Haus-Versorgung wird oft billigstes Fleisch verwendet. Vor allem in Kindergärten, Seniorenheimen und Krankenhäusern sollten nur noch heimische Produkte verwendet werden.

 

Zur Person

Markus Lukas ist Obmann der GGÖ-Geflügelmastgenossenschaft und Obmann Stellvertreter der ZAG – Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft, wo er für die Mastgeflügelbranche zuständig ist. Er führt selbst einen Mastbetrieb mit 50.000 Masthennen in Gosdorf in der Südoststeiermark. Er ist Tischlermeister und landwirtschaftlicher Quereinsteiger. Modernste Stalltechnik prägen seinen beruflichen Alltag. Egal ob Wintergarten, Bodenheizung oder Klimatisierung – bei ihm haben Masthennen ein wunderbares Leben.

 

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