Bauer der Woche: Wolfgang Hofer

von NEUES LAND

Dass Wolfgang Hofer einmal den Bauernhof seines Onkels übernehmen wird, war von langer Hand vorbereitet. 2021 war es dann so weit, die enge Zusammenarbeit hält weiter an. Eine Reportage von Roman Bruckner.

Im Jahr 2021 hat Wolfgang Hofer den Betrieb seines Onkels Franz Gruber vulgo Lindenbauer in Reinberg, Marktgemeinde Vorau, übernommen. Begonnen hat das Familienprojekt aber schon viel früher und heute sind beide mit ihrem Entschluss sehr zufrieden. Reinberg ist ein östlich liegender Ortsteil von Vorau, grenzt an Rohrbach und St. Lorenzen und ist nicht mehr weit von der burgenländischen Grenze entfernt. Auf der anderen Seite von Vorau im Westen liegt der Ortsteil Vornholz, der schon nahe der Grenze zum Bezirk Weiz liegt. Dort ist Wolfgang Hofer aufgewachsen. Beide Eltern waren berufstätig, trotzdem stark mit den Höfen ihrer Eltern verbunden. So hat der kleine Wolfgang von klein auf die Arbeit am Bauernhof kennengelernt und oft mit seiner Mutter beim alleinstehenden Onkel geholfen.

Geplante Hofübernahme

Als er zwölf Jahre alt war, ist der Gedanke entstanden, dass er den Hof des Onkels einmal übernehmen könnte. Der erste konkrete Schritt war der Besuch der Land- und forstwirtschaftlichen Fachschule Kirchberg. In diesen drei Jahren sind Onkel und Neffe schon enger zusammengewachsen und am Ende der Schulzeit im Jahr 2009 ist Wolfgang mit 17 Jahren auf den elf Kilometer entfernt liegenden Hof gezogen. Ganz allein waren die beiden dort nicht, die Mutter und eine Schwester des Bauern lebten auch am Hof. Das war sehr wichtig für die beiden, den von ihnen wurden sie bestens versorgt und so konnten sie sich voll dem Betrieb widmen. Im selben Jahr wurde auch schon mit dem Bau eines neuen Rinderstalls, den sie gemeinsam geplant hatten, begonnen.

Heute ist Wolfgang 31 Jahre alt und ein anerkannter Bauer in der Region. Der Jungbauer hat 2021 seine Isabella aus St. Lorenzen geheiratet. Sie arbeitet halbtägig als gelernte Fachkraft in der Vorauer Apotheke. Sie hat schon die Haushaltsaufgaben übernommen, hilft aber auch gerne im Stall mit. Der Onkel ist seit kurzem in Pension, aber nach wie vor voll im Betrieb dabei.

Milchviehhaltung

Gemeinsam bewirtschaften sie 39 Hektar Acker und Grünland sowie 12 Hektar Wald. Der Hauptbetriebszweig ist die Milchviehhaltung, die beide – Onkel und Neffe – mit Begeisterung und großem Fachwissen führen. Zudem hat Wolfgang 2018 die Meisterprüfung absolviert. 40 Milchkühe werden mit einer durchschnittlichen Leistung von 11.000 Kilo Milch in einem 2×4-Fischgrätenmelkstand gemolken. Die männlichen Kälber werden bereits mit zwei Wochen verkauft. Die weiblichen werden aufgezogen – zur eigenen Nachzucht und für den Zuchtviehverkauf. Pro Jahr vermarkten sie fünf Zuchttiere im Vermarktungszentrum Greinbach. Dort ist der Name Hofer/Lindenbauer geschätzt und immer gut nachgefragt.

„Mein Ziel sind langlebige und unkomplizierte Kühe. Es muss nicht immer die höchste Leistung sein“, erklärt der junge Rinderzüchter. Auf die Frage nach ihrer besten Kuh antworten beide zugleich: „Die 32er! Sie hat alles, was man sich von einer guten Kuh wünscht, und nebenbei ist sie auch recht zutraulich.“ Das Futter für die Tiere wird fast zur Gänze am eigenen Betrieb erzeugt. Beinahe die gesamte Feld- und Waldarbeit machen die beiden selbst mit eigenen Maschinen. Wenn man alles selbst macht, dann ist bei dieser Betriebsgröße die Arbeitsbelastung hoch, freie Wochenenden oder Urlaub sind daher derzeit kaum möglich.

Das ergibt auch schon die Wünsche an die Zukunft für das junge Ehepaar. Mehr Arbeitserleichterungen und ein neues Wohnhaus stehen neben dem Kinderwunsch an oberster Stelle. Der Onkel meint zum Schluss: „Ich habe großes Vertrauen in meine Jungen und freue mich, dass der Hof nun in ihren Händen liegt.“

Zur Person

  • Wolfgang Hofer (31)
  • Reinberg 33, 8250 Vorau
  • Verheiratet mit Isabella, Onkel Franz Gruber
  • 39 Hektar LN (Getreide, Silomais, Körnermais, Kleegras und Dauergrünland)
  • 40 Milchkühe plus weibliche Nachzucht
  • 12 Hektar Wald: eigene Hackschnitzel und Blochholzvermarktung
  • 30 kw Fotovoltaikanlage

Beitragsfoto: Bruckner

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