Zwei Nächte Frost-Angst

von Robert Matzer

Die Steiermark schrammte in diesen Tagen nur knapp an einer Frost-Katastrophe vorbei. Nun breitet sich vorsichtige Entspannung bei den Bauern aus.

Die beiden Nächte auf Dienstag und Mittwoch hätten wieder in einem Fiasko enden können. Prognostizierte Minusgrade, die verheerende Folgen für viele heimische Acker- und Dauerkulturen bedeutet hätten, traten nicht auf. Meteorologe Albert Sudy von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Graz erklärt diese glückliche Fügung: „Reichlich Restwolken sorgten in der Nacht auf Dienstag dafür, dass keine niedrigeren Temperaturen herrschten. Bei klareren Verhältnissen wären verbreitet durchaus deutliche Minusgrade möglich gewesen. Die Nacht auf Mittwoch war zwar von wärmeren Luftmassen geprägt und Zirruswolken in höheren Luftschichten sorgten zusätzlich für höhere Temperaturen, trotzdem haben wir wieder vielerorts Werte um null Grad gemessen.“

Wenig Schäden

Herbert Muster, Beratungsleiter für Kern- und Steinobst, gibt einen Überblick über die Frostnächte: „Die jungen Früchte sind derzeit sehr empfindlich und ab einem Grad minus ist mit Ausfällen und Qualitätseinbußen zu rechnen. Einzelne Schäden in exponierten Lagen traten in der Weststeiermark und der nördlichen Oststeiermark auf.“ Auch Leonhard Steinbauer, Leiter der Versuchsstation für Obst- und Weinbau in Haidegg, war mit seinem Team auf die Frostnächte vorbereitet. „Laut Prognosen wären unter zwei Grad minus möglich gewesen. Wir hatten alle Frostsysteme wie Regner, Reihenheizung oder Windrad für unsere umfangreichen Frostschutztests vorbereitet“, so Steinbauer. Auch wenn es dann schließlich doch keine richtigen Frostnächte waren, konnten in der bereits langen Frostsaison schon viele wertvolle Daten für den Vergleich der unterschiedlichen Systeme gesammelt werden.

Reihenheizung im Versuchsweingarten in Hitzendorf

Reihenheizungen für den Weinbau werden in den Versuchsweingärten von Haidegg untersucht. Foto: Haidegg

Der Wundschuher Landwirt Andreas Kainz atmet durch: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen!“ Stellenweise sind die Erdäpfel-Kräuter vom Frost angesengt, aber nicht schwer beschädigt. Auch beim Kürbis ist es sich noch ausgegangen, weil die jungen Pflanzen meistens erst in diesen Tagen „aufgehen“. Nur jene Kürbisbauern, die heuer schon sehr früh gesetzt haben, mussten einen Totalausfall hinnehmen. Auch die Gemüsebauern sind froh, dass die zwei kritischen Nächte vorbei sind. „Wir haben zum Beispiel in unserem Folientunnel über die Paprika ein Vlies gegeben, um auf Nummer Sicher zu gehen“, erzählt Markus Hillebrand aus Premstätten und ergänzt: „Wir Gemüsebauern sind durch die Wetter-Ereignisse in den vergangenen Jahren besonders sensibel geworden.“

Das Kraut der Erdäpfel wurde leicht durch den Frost beschädigt

Durch den Frost beschädigte Erdäpfelblätter. Foto: Hillebrand

Entwarnung

Für die nächsten Tage gibt der Experte Entwarnung. Sudy: „Wir erwarten kalendarisch exakt zu den Eisheiligen passend erneut einen Kaltlufteinbruch, der aber nicht so dramatisch ausfallen wird. Im Vorfeld dieser Front sind am Samstag Gewitter möglich, der Muttertag verläuft dann eher kühl und regnerisch. Erst am Montag besteht durch das Aufklaren erneut das Risiko von Frösten. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering.“

Beitragsbild: weyo – stock.adobe.com

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