“Wir führen ein Kuh-Hotel”

Die Bio-Milchbäuerin Maria Kopper aus Anlass des Weltmilchtages über schlechte Preise, Aktionismus und Herkunftsbezeichnungen.

NEUES LAND: Wie sind Sie denn Milchbäuerin geworden?

Maria Kopper: Wenn man’s ganz genau nimmt, durch die Landjugend – dort haben mein Mann und ich zusammengefunden. Wir waren gemeinsam im Bezirksvorstand und konnten uns dabei gut beschnuppern. Ich war damals in einer Bank tätig, die Landwirtschaft kannte ich nur von meinen Großeltern. Ich habe eingeheiratet und die Milch war sozusagen schon da.

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NL: Und da haben Sie dann gleich losgelegt?

Kopper: So schnell ging’s nicht, weil ich ja keinen landwirtschaftlichen Hintergrund hatte. Damit ich überhaupt mitreden kann, besuchte ich einen einjährigen Sonderlehrgang und absolvierte auch die Ausbildung zur Landwirtschaftlichen Facharbeiterin. Die ersten zehn Jahre waren dann von der Zusammenarbeit mit den Schwiegereltern geprägt, bei der ich auch viel Erfahrung sammeln konnte.

NL: Und wie läuft es jetzt?

Kopper: Mein Mann und ich bewirtschaften den Betrieb mit 60 Milchkühen und etwas Wald im Vollerwerb. Wir liefern BioMilch an die Molkerei und unregelmäßig bin ich auch in der Direktvermarkung tätig. Meine Spezialität ist Weichkäse mit Kräutern, aber es gibt auch andere gängige Sachen.

NL: Zum Weltmilchtag ist auch immer wieder das große Nachdenken angesagt. Wie sieht Ihre Situation aus?

Kopper: Als der Milchpreis so extrem schlecht war, sind wir auf die Bio-Schiene umgestiegen und betrachteten das als letzten Versuch, alles zu erhalten. Wir haben in einen Kompoststall investiert und schaffen es damit seither, den natürlichen Kreislauf sehr gut zu schließen. Unseren Tieren geht es gut – wir führen quasi ein kleines ‚Kuh-Hotel‘ – und auch wir sind zufrieden.

NL: Sie sehen also auch optimistisch in die Zukunft?

Kopper: Nicht so ganz. Die Preise machen uns nach wie vor große Sorgen und es sieht immer so aus, als würden die Milchbauern an der kurzen Leine gehalten werden. Wir können es deshalb nicht verantworten, weiter in Milch zu investieren. Einer unserer Söhne möchte als Raumberg-Absolvent Bauer werden und baut gerade seinen eigenen Betrieb auf. Schon demnächst wird seine Halle fertig, mit der er sich ganz auf Bio-Masthühner konzentriert. Das wird Erfolg haben.

NL: Was sind für Sie die Problemzonen in Sachen Milch?

Kopper: Der Aktionismus der Handelsketten mit Milchprodukten gefällt mir überhaupt nicht, weil er dieses kostbare Lebensmittel entwertet. Damit entsteht großer Schaden am Image des Produktes – für den Handel genauso wie für uns Milchbauern. Ich ärgere mich auch sehr über fehlende Herkunftsbezeichnungen. Ich sehe selbst beim Einkaufen, wie gar nicht wenige Konsumentinnen und Konsumenten nicht beachten, was sie da kaufen. Erst, wenn man sie anspricht, kommen viele erst drauf, dass es um ein sehr wichtiges Thema geht.

NL: Warum bedeuten Ihnen Herkunftsbezeichnungen so viel?

Kopper: Es geht darum, einem Produkt voll und ganz zu vertrauen. Letztlich geht es aber auch beim Einkauf um unser Land, wir sitzen doch alle in einem Boot!

NL: Was hätten Sie aus heutige Sicht bei Ihrem Betrieb anders gemacht?

Kopper: Die Umstellung auf Bio hätten wir ruhig ein paar Jahre früher machen können. Wir haben das Gefühl, dass damit alles runder läuft am Betrieb.

 

Foto: Lind Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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