„Wann immer man Lust darauf hat“

Eva-Maria Hois leitet das „Büro für Weihnachtslieder“ und freut sich, dass es auch im Internetzeitalter stets Hochbetrieb hat.

NEUES LAND: Warum bietet das Steirische Volksliedwerk in der Sporgasse 23 in Graz die Dienste eines „Büros für Weihnachtslieder“ an?

Eva-Maria Hois: Die Idee ist aus dem Wissen entstanden, dass Menschen, die das ganze Jahr nicht singen, das einmal im Jahr aber sehr wohl tun – nämlich zu Weihnachten. Und so geht’s einem halt wie mit allem, was man nicht regelmäßig trainiert, es entstehen Lücken. Meistens sind die Melodien vertraut, aber die Texte nicht. Und dazu bieten wir eben eine Hilfestellung an.

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NL: Wie sehr hat das Internet ihre Tätigkeit verändert?

Hois: Eigentlich gar nicht – und dies, obwohl dort so unglaublich viel angeboten wird. Die Leute mögen es offenbar, etwas in der Hand zu haben. Wohl auch gerade in der Weihnachtszeit, weil es sinnlicher ist. Bei uns kann man stark spüren, dass viele Menschen ohne Buch und Papier nicht auskommen können, so wie ich selbst übrigens auch. In diesem Sinne bieten wir unter anderem Liederblätter mit 13 jener Weihnachtslieder an, die praktisch jeder kennt. Man kann sie bei uns abholen, aber wir versenden sie auch gerne per Post.

NL: Wie stark werden ihre Dienste angenommen?

Hois: In den letzten Jahren lag die Zahl der Anfragen konstant bei etwa 50 pro Tag, im letzten Jahr hatten wir sogar rund 70 täglich. Rund die Hälfte der Besucher in unserem Büro kommt mit einem Spezialwunsch. Oft geht es darum, Lieder aus der Kindheit wieder zu finden. Dabei kann das Internet kaum helfen.

NL: Eine zentrale Rolle rund ums weihnachtliche Singen spielt das weltberühmte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ das heuer sein 200-Jahr-Jubiläum feiert und sogar als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO ausgezeichnet worden ist. Bleibt da überhaupt noch Raum für andere Werke?

Hois: Es ist ein besonderer Hype, der nicht sein müsste, weil es sehr viele andere schöne Weihnachtslieder gibt. Mir selbst bedeuten beispielsweise „Maria durch ein Dornwald ging“ und „O liebstes Jesulein“ sehr viel.

NL: Bleiben wir noch bei „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ Zu seinem besonderen Zauber gehört auch die angebliche Regel, dass man es nur am Heiligen Abend singen darf. Stimmt das?

Hois: Ich finde, es muss geübt werden – schon deshalb sollte man es singen, wann immer man Lust darauf hat!

NL: Wie groß ist denn das Repertoire einer Weihnachtsliedforscherin?

Hois: Statt zu zählen, lerne ich gerne immer wieder neue. Es gibt nicht wenige Komponisten der Volksmusik, die ständig gutes Neues produzieren und es gibt auch sehr gefragte mediale Hits wie Last Christmas, die speziell bei jüngeren Leuten häufig in Gebrauch sind.

NL: Singen die Jungen Last Christmas unterm Weihnachtsbaum?

Hois: Zuerst kommt schon immer noch „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, aber nicht so selten folgt es gleich danach.

NL: Wie geht es Ihnen in Geschäften, die rund um die Uhr Weihnachtslieder trällern lassen?

Hois: Ich meide sie. Noch lästiger empfinde ich das in Lokalen, weil es für mich furchtbar aufdringlich wirkt.

NL: Singen lebt vom Gemeinschaftserlebnis. Was raten Sie einsamen Menschen, die Lust am Lied haben?

Hois: Für solche Leute haben wir eine CD ganz speziell zum Mitsingen produziert. Wir laden sie aber auch ganz herzlich zum offenen Singen ein. Die Termine dazu gibt es unter www.steirisches-volksliedwerk.at.

 

Zur Person

Eva-Maria Hois ist studierte Musikwissenschaftlerin, Volksmusikforscherin und stellvertretende Geschäftsführerin des Steirischen Volksliedwerkes sowie Leiterin des Liederdienstes, der seit nunmehr 27 Jahren in der Vorweihnachtszeit zum „Büro für Weihnachtslieder“ wird. Die Mutter einer 17-jährigen Tochter ist Teil eines Dreigesangs und auch Mitglied in einem Chor.

Beitragsbild: Barbara Mang Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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