Ostern gestern und heute

Bräuche und Traditionen ändern sich. Daran sind auch Zentralheizung und E-Herd schuld.

Ein alter Osterbrauch ist das Weihfeuertragen. Mit glosendem Zunderschwamm in der Dose bringen die Kinder das Weihfeuer in jedes Haus. In einigen Gegenden der Obersteiermark hielten die Menschen Holzscheite in das Weihfeuer und nahmen sie mit nach Hause. Nur, wohin mit dem glühenden Scheit oder dem Zunderschwamm, wenn es keinen Holzherd und keinen Holzofen mehr gibt? “Auch deshalb wird heute das Weihfeuer eher an der Osterkerze entzündet und heimgetragen”, erzählt Roswitha Orac-Stipperger vom Volkskundemuseum in Graz. Viele Bräuche passen sich geänderten Rahmenbedingungen an.

Fleischweihe

Besonders die Fleischweihe wird immer beliebter. Das hat manchmal kuriose Auswirkungen. Zum Beispiel, wenn diese Segnung der Osterspeisen plötzlich im Einkaufszentrum stattfindet. Auch auf die Palmbuschen hat das Auswirkungen. Je nach Region und Vegetation sahen sie anders aus und wurden unterschiedlich geschmückt. “Diese Vielfalt geht natürlich verloren, wenn man die Palmbuschen im Baumarkt kauft”, meint Orac-Stipperger. Die gesegneten Palmbuschen behielt man das ganze Jahr und die Zweige entfalteten ihre segnende und beschützende Wirkung vielerorts: auf dem Acker, im Stall, auf Gräbern, überall wurden sie ausgebracht und bei drohendem Unwetter auch im Herdfeuer verbrannt. Drei Palmkätzchen in der Geldtasche ließen das Geld nie ausgehen und gegen Halsweh half das Schlucken derselben.

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Osterhase

Der Osterhase ist übrigens eine recht neue Erfindung. Er kam im städtischen Bürgertum des 19. Jahrhunderts in Mode und verbreitete sich durch Kinderbücher, Bildpostkarten und mit tatkräftiger Unterstützung der Zuckerbäcker. Dahingegen ist das Osterei als Symbol für Fruchtbarkeit, Leben, Hoffnung und das Grab Christi schon alt. Sein intensiver Einsatz zum Osterfest hat auch handfeste Gründe: “In der Fastenzeit waren Eier nicht erlaubt, deshalb gab es zu Ostern ein Überangebot” weiß Orac-Stipperger. Viele andere Osterbräuche wie das Ratschen, die Andacht oder Wache am Heiligen Grab werden wieder beliebter und manchmal der Zeit angepasst.

Beitragsbild: Osterhasendorf Fischbach (Foto: Steiermark Tourismus Gery Wolf) Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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