Im Interview: Michael Englisch

von Karlheinz Lind

Michael Englisch vom Institut für Waldökologie und Boden am Bundesforschungszentrum für Wald in Wien über Tiefwurzler, strukturierte Bestände und Zukunftsstrategien im Wald.

 

NEUES LAND: Wetterextreme wie Dürreperioden oder Starkniederschläge beeinflussen die Arbeit der heimischen Forstwirte immer stärker. Sehen Sie den heimischen Wald in Gefahr?

Michael Englisch: Den heimischen Wald an sich sehe ich nicht in Gefahr – vielleicht abgesehen von einigen Beständen in Trockenlagen des Weinviertels. Was sich aber sehr wohl ändern wird, ist die Baumartenzusammensetzung. Speziell die Fichte wird in Tieflagen, dort wo die Niederschläge zwischen 500 bis 700 Millimeter betragen, massiv verlieren, da Trockenstress die direkte und Borkenkäfer die weitere Folge sind.

 

NL: Der Wasserspeicherfähigkeit unserer Waldböden kommt eine immer größere Bedeutung zu. Wie kann diese durch die Bewirtschaftung beeinflusst werden?

Englisch: Der Boden besteht etwa zu 45 Prozent aus mineralischer Substanz, dazu kommen fünf bis sieben Prozent organische Substanz, der Humus. Der Rest sind die Bodenporen, die mit Wasser oder Luft gefüllt sein können. Wichtig ist es für uns als Bewirtschafter daher, den Porenanteil des Bodens zu erhalten oder gar zu erhöhen.

 

NL: Was kann man dazu tun?

Englisch: Von der Seite des Waldbaus kann man Tiefwurzler wie zum Beispiel Eiche oder Tanne vermehrt einsetzen, die den Boden „auflockern“ und den Wasserspeicher des gesamten Bodens nutzen und nicht nur den Oberboden, wie das Flachwurzler tun. Ebenso wichtig ist es, den Humusanteil des Bodens zu erhalten. Weiters ist es wichtig, kleinräumig zu wirtschaften. Das vermeidet Bodenerosion und damit Verlust von Wasserspeicherfähigkeit, aber auch den Abbau von Humus. Entscheidend ist, flächiges Befahren mit schweren Maschinen zu vermeiden.

 

NL: Es wird zunehmend schwieriger, die richtige Baumartenauswahl für Wiederaufforstungen zu finden. Worauf müssen Forstwirte besonders achten?

Englisch: Österreich ist erfreulicherweise ein sehr vielfältiges Land. Das bedeutet für den Wald, dass wir sehr unterschiedliche Standorte und Standortseigenschaften haben. Das bedeutet, dass die Kenntniss über die Waldstandorte und deren Eigenschaften entscheidend ist.

 

NL: Klimafitte Wälder sind somit das Gebot der Stunde. Wie sehen aus ihrer Sicht solche Bestände aus?

Englisch: Sie sind – ganz allgemein gesprochen – bunter gemischt, also enthalten mehr Baumarten als heute und vom Aufbau her besser strukturiert. Tendenziell sollte kleinflächiger bewirtschaftet werden als bisher. All das dient der Minimierung des Risikos. Fällt zum Beispiel eine Baumart aus, so stehen andere zur Verfügung.

 

NL: Der Waldboden ist ja nicht nur für das Wachstum von Bäumen von entscheidender Bedeutung, er erfüllt auch viele ökologischen Funktionen. Wie kann etwa der Humusgehalt nachhaltig gesteigert werden, um diese Funktionen noch besser zu erfüllen?

Englisch: Das wird durch geschlossene, idealerweise mehrschichtige Bestände ebenso erreicht wir durch Mischwald. Hier fühlen sich die so wichtigen Bodenlebewesen wohl, die zu standortsgemäßen Humusformen beitragen. Entscheidend ist es, möglichst hohe Anteile des Schlagabraums im Wald zu belassen. Äste, Zweige und Nadeln sind ja der Humus von morgen.

 

NL: Wie sehen Sie die Zukunft der Forstwirtschaft in Österreich insbesondere in der Steiermark?

Englisch: Meine persönliche Meinung ist, dass sich einiges – speziell in der Baumartenzusammensetzung, im Bestandesaufbau und bei den eingesetzten waldbaulichen Techniken verändern wird – hier kommen einige Herausforderungen auf uns zu.

 

Zur Person:

  • Dr. Michael Englisch absolvierte das Studium der Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien.
  • Seit 1989 arbeitet Englisch am Bundesforschungszentrum für Wald in Wien, seit 1998 am Institut für Waldökologie und Boden als stellvertretender Leider.
  • Englisch ist Vater von zwei Töchtern. Zu seinen Hobbys zählen Reiten, Wandern, Lesen und Musik.
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Beitragsfoto: privat

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