In der Heimat der Alpakas

von Gernot Zenz

Altiplano heißt die riesige Anden-Hochebene zwischen Peru und Bolivien. Genau aus dieser unwirtlichen, aber faszinierenden Gegend kommen die Alpakas.

Grasbedeckte Hügel so weit das Auge reicht. Der Altiplano – eine Hochebene ist Südost-Peru und West-Bolivien zwischen den Hochgebirgsketten der West-Anden – ist riesig. Sie ist mehr als doppelt so groß wie ganz Österreich und reicht von dreieinhalb bis fünftausend Metern Seehöhe. Hier ist die Luft dünn, das Wasser knapp und das Klima unwirtlich. Jährliche Durchschnittstemperaturen zwischen zwei und zehn Grad Celsius sind nicht die beste Voraussetzung für üppige Vegetation. Folglich wächst hier so gut wie kein Baum, auch Sträucher sieht man nur selten. Die einzige Pflanze die dennoch hier gedeiht, ist das Ichu-Gras.

Der Altiplano, eine Hochebene in den Anden, ist die Heimat der Alpakas. Foto: Pötsch

Dieses hohe Federgras ist auch die Nahrungsgrundlage der Alpakas. Und diese wiederum die der wenigen Menschen, die hier leben. In ihren einfachen Steinhäusern fristen die Bauern der Altiplano ein sehr bescheidenes Dasein. Sie leben mit und von ihren Alpaka-Herden. Die Tiere sind ihr wertvollster Besitz und Lebensgrundlage, liefern Fleisch und feinste Wolle. Was sie selbst nicht selbst verbrauchen, versuchen die Bauern am Markt von Macusani zu verkaufen. Das Zentrum der Alpakazucht ist ein Ort mit etwa 6.000 Einwohnern. Die Großstädte Juliaca, Puno oder Arequipa sind für diese Menschen so gut wie unerreichbar. Nicht nur, weil die Infrastruktur schlecht ausgebaut ist und nur die wichtigsten Straßen asphaltiert sind. Hier am Altiplano leben die Menschen in einer anderen Welt. Es ist die Welt der Alpakas.

Am Altiplano leben die Menschen in bescheidenen Verhältnissen. Foto: Pötsch

Weltweiter Siegeszug

Nahezu jedes Alpaka, das bei uns lebt, stammt mehr oder weniger aus der Accoyo-Farm in der Nähe von Macusani. Hier hat Don Julio Barreda in den 1940er-Jahren damit begonnen, aus der Alpaka-Zucht seiner Familie, die schon seit dem achtzehnten Jahrhundert bestand eine rein weiße Herde herauszuzüchten. Infolgedessen setzte diese wegen der hervorragenden Faserqualität und -quantität ihrer Wolle neue Standards und wurde so der Stamm für nahezu alle weiteren Alpaka-Züchtungen bis zum heutigen Tag. Und Don Julio quasi der “Vater” unserer Alpakas. Von der Accoyo-Farm aus begann das entfernt mit dem Kamel verwandte Tier seinen Siegeszug um die ganze Welt.

Die ersten Stationen des Alpakas waren ab den 1980er-Jahren die USA, Australien und Neuseeland. Heute sind diese genügsamen und verträglichen Tiere über Großbritannien kommend auch in Europa weit verbreitet. Inzwischen haben auch  hierzulande viele die wirtschaftlichen Möglichkeiten erkannt, die das Alpaka vor allem durch seine Wolle bietet. Und so gibt es in Österreich mittlerweile mehr als 500 Alpaka-Halter. Die Nachfrage nach Alpaka-Wolle und deren Produkte ist aufgrund ihrer Feinheit und den günstigen thermischen Eigenschaften stark steigend und so ist auch kein Ende des Alpaka-Booms abzusehen.

Beitragsbild: Pötsch

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