Eine “Heizdecke” für den Weinstock

Zwei Oststeirer mit bäuerlichem Hintergrund wollen mit einem beheizbaren Kunststoff den Frostschutz im Weinbau revolutionieren.

Wolfgang Matzer aus St. Ruprecht a. d. R. und Michael Lamprecht aus St. Margarethen möchten einen entscheidenden Beitrag zum Schutz gegen die Folgen von Klimakatastrophen im Weinbau leisten. Sie können mit Hilfe eines sogenannten intelligenten Textils mit integrierter Heizung und Temperaturmessung in Zukunft Reben vor den gefürchteten Spätfrösten schützen.

Dieses System umschließt die gefährdeten Pflanzenteile der Rebe und sorgt so für eine gleichmäßige und ungefährliche Innentemperatur (Siehe Infografik oben). Ein solches Material speichert Wärme nach innen, hält Kälte nach außen ab und bleibt trotzdem atmungsaktiv. Außerdem wird ein zu starkes Erhitzen des Innenbereichs durch Sonnenstrahlung verhindert.

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Die beiden Oststeirer vergleichen die Energiebilanz dieses intelligenten Materials mit den bekannten Frostschutzkerzen und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: „Der Heizwert einer Kerze beträgt in etwa 53 Kilowattstunden. Mit 350 Kerzen pro Hektar werden ungeheure Energiemengen verschwendet. Im Weinbau ist das weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Mit unserem System brauchen wir nur die Energie von etwa drei bis vier Kerzen pro Hektar“, so Lamprecht und Matzer.

Wirkprinzip

Das Prinzip dahinter leuchtet sofort ein. Anstatt den gesamten Luftraum der Anlage zu beheizen, wird nur der abgeschlossene Bereich um die empfindlichen Pflanzenteile erwärmt. Die Heizung erfolgt elektrisch mit kleinen Dieselaggregaten und kann per Smartphone geregelt werden. Das System erzeugt weder ohrenbetäubenden Lärm noch unglaubliche Rauchmengen. Dadurch werden Ausnahmeregelungen oder aufwändige Genehmigungsverfahren vermieden.

Dieses Material umschließt die gefährdeten Pflanzenteile der Rebe und sorgt so für eine gleichmäßige und ungefährliche Innentemperatur (rechts). Graphik: Wolfgang Matzer

Dieses Material umschließt die gefährdeten Pflanzenteile der Rebe und sorgt so für eine gleichmäßige und ungefährliche Innentemperatur (rechts). Graphik: Wolfgang Matzer

Durch eine lange Nutzungsdauer soll es im Sinne langfristiger Kalkulation für jeden Winzer erschwinglich bleiben. Nach erfolgreicher Projektierung mit Joanneum Research und weiteren Tests in diesem Jahr wird das intelligente Textil voraussichtlich im Frühjahr 2019 erstmals kommerziell zum Einsatz kommen.

Beitragsbild: Privat Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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