Erle ist Baum des Jahres

von Karlheinz Lind

Die Erle ist Baum des Jahres 2020. In Österreich wird bereits seit 1994 jedes Jahr ein Baum des Jahres gewählt.

Um den Wert des Baumes in der Gesellschaft hervorzuheben, wird in vielen Ländern ein Baum des Jahres vorgestellt. Von der UNO im Jahr 1951 beschlossen, wird in Österreich seit 1994 ein Baum des Jahres gekürt. Ausgesucht wird dieser vom Kuratorium Wald und dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus. Die Erle ist Baum des Jahres 2020.

Lebensraum schwindet

In Österreich gibt es drei heimische Erlenarten: Schwarz-, Grün und Grauerle, alle drei stehen mehr oder wenig mit Fließgewässern in Verbindung. Vor allem die Schwarz- und Grauerle, die in Auen zu finden sind, verlieren zusehends an Lebensraum. Die Schwarzerle findet sich in hochdynamischen Auensystemen des Flach- und Hügellandes. Dort wächst sie oft direkt an Flussläufen und benötigt fast ständige Überschwemmungen, um ihre Konkurrenzstärke zu beweisen. Denn keine heimische Baumart verträgt mehr stagnierende Nässe als die Schwarzerle. In Aubereichen, in denen es weniger feucht wird und die meist höher gelegen sind, ist die Grauerle Zuhause. Beide Bäume benötigen einen „freien“ Fluss, Verbauungen hingegen stören die Dynamik– dadurch können keine Überschwemmungsereignisse mehr auftreten und die Erlen verlieren ihren Lebensraum. Die Grünerle wächst hingegen nur buschförmig oberhalb der Waldgrenze und ist zur Hangsicherung oberhalb von Siedlung und Straßen wichtig.

Ökologisch wertvoll

Die Erlen selbst sind zwar noch nicht gefährdet, jedoch steht ihr Lebensraum, der Auwald europaweit unter Druck. Über 70 Prozent der Flüsse und Bäche in Österreich sind verbaut oder gestaut. Damit geht ein wichtiger Lebensraum zusehends verloren, nicht nur für die Schwarzerle, sondern auch für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die dynamischen Flusslandschaften angepasst und darauf angewiesen sind!

Mittlerweile gibt es in Österreich nur mehr weniger als 100.000 Hektar Auwald, während es 1970 noch das dreifache war. Laut Schätzungen sind in den letzten Jahrzehnten rund zwei Drittel des heimischen Aubestandes durch Rodungen, Flussregulierungen und Wasserkraftwerksbau verschwunden. Doch gerade mit ihren Eigenschaften als Stickstofffixierer kann die Erle karge Böden mit Nährstoffen anreichern und wird damit zur ökologisch besonders wertvollen Art für eine Vielzahl von weiteren Pflanzen und Tieren. Die Erle bietet direkt oder indirekt Lebensraum für über 150 Insektenarten – darunter alleine 75 Schmetterlingsarten – sowie Nahrung für mehrere Dutzend Vogelarten und über 70 Großpilzarten.

Kohlendioxid-Speicher

Auwälder sind nicht nur eine Schatzkammer der Biodiversität, sondern tragen auch wesentlich zur Speicherung von Kohlendioxid bei. Auwälder sind eine deutliche Kohlenstoffsenke und können weit mehr Kohlendioxid aufnehmen als andere Nutzwälder. Ein durchschnittlicher Wald kann rund 13 Tonnen C02 pro Jahr und Hektar speichern, ein Auwald etwa 20 Tonnen. Doch dieser Speicher in den Auböden funktioniert nur, wenn die Böden zeitweise überschwemmt werden – dazu benötigt der Fluss „Bewegungsfreiheit“.

Eigenschaften
  • Die Erle ist ein Splintholzbaum, das heißt es gibt farblich keinen Unterschied zwischen Splintholz und Kernholz.
  • Die Grauerle ist immer etwas heller und feiner als die Schwarzerle, das gilt sowohl für die Farbe als auch für die Maserung.
  • Gerade im Möbelbau, und auch bei Stühlen, wird Erlenholz häufig als Ersatz für teure Edelhölzer (vor allem Nußbaumholz) verwendet.
  • Auch im Musikinstrumentenbau findet Erlenholz heute noch häufig Anwendung.

Beitragsfoto: kk

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