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Der eigene Strom vom Stalldach

von Karl Brodschneider

Immer mehr Bauern beziehen den Strom für den eigenen Betrieb aus Photovoltaikanlagen, die auf den Stalldächern installiert werden.

 

Die Photovoltaik soll in Österreich bis zum Jahr 2030 mit zusätzlich 11 TWh ausgebaut werden. Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. In den Jahren von 2017 bis 2019 sind jährlich im Schnitt „nur“ 200 MW PV-Leistung dazugekommen. Es ist aber schon klar erkenntlich, dass bei der Ökostrom-Herstellung vieles in Bewegung ist. Das sieht man vor allem auf den Dächern von landwirtschaftlichen Gebäuden, wo immer mehr Photovoltaik-Anlagen sind. Dabei geht es den Landwirten vor allem darum, beim Strombedarf für ihren eigenen Betrieb unabhängiger zu werden und Kosten zu sparen.

Das Strohschwein

Die Familie Käfer in Hinteregg im Naturpark Pöllauer Tal legt in ihrem Betriebskonzept großen Wert auf die Nachhaltigkeit. In den 1980er Jahren spezialisierten sich Josef und Hannelore Käfer auf die Direktvermarktung. Die damalige Obstbaufläche von zehn Hektar hat sich seither mehr als halbiert, die Rinderhaltung gab man auf. Stattdessen wurde im Jahr 2000 ein Schweinestall mit 300 Mastplätzen errichtet, in dem man großes Augenmerk auf das Tierwohl legt („Strohschwein“). 

Die Familie Käfer

Die Familie Käfer betreibt in der Marktgemeinde Pöllau einen Direktvermarktungsbetrieb. LAbg. Hubert Lang stattete der tüchtigen Bauernfamilie einen Besuch ab.

Alle Schweine werden im eigenen Betrieb geschlachtet und zerlegt. Die Vermarktung der selbstzeugten Produkte erfolgt am Bauernmarkt in Hartberg und ab Hof. „Wir machen das alles selbst und können so den Kunden am besten erklären, was drinnen ist und wie wir produzieren“, berichtet Josef Käfer. Viele Faktoren garantieren auch eine stressfreie Schlachtung: Beruhigungsraum, Berieselung von oben, warmer Boden, frisches Wasser.

Wärmerückgewinnung

Der Dampfstrahler läuft am Betrieb täglich einige Stunden lang. „Durch die Wärmerückgewinnung der Kühlanlagen haben wir immer genug heißes Wasser und nutzen dafür die Abwärme“, betont der Bauer. Vor fünf Jahren erfolgte der nächste große Schritt. Eine Photovoltaik-Anlage mit 30 KWp wurde am Dach installiert. Vor einigen Monaten erweiterte die Familie die Anlage, ein Stromspeicher kam dazu.

LAbg. Hubert Lang, der Agrarsprecher der Steirischen Volkspartei, weist darauf hin, dass die Direktvermarkter-Familie mit dieser Investition den am Betrieb benötigten Strom nicht nur selbst produziert, sondern dass sie im Hinblick auf einen längeren Strom-Totalausfall unabhängig ist. „Für uns wäre ein Blackout sonst die totale Katastrophe“, sagt Josef Käfer. „Unsere Kühlanlagen müssen immer laufen!“

Rudolf und Resi Mandl

Den elektrischen Hoftrac würden Rudolf und Resi Mandl aus Hohenau an der Raab nicht mehr hergeben.

Auch Rudolf und Resi Mandl in Hohenau an der Raab haben sich auf ihrem Nebenerwerbsbauernhof der Strom-Eigenversorgung verschrieben. Vor fünf Jahren stand man vor der entscheidenden Frage: aufhören oder den Stall neu bauen? Die beiden entschieden sich für den Neubau des Stalls für die Mutterkühe und legten sich dabei die Latte hoch. Rudolf Mandl dazu: „Der Stall muss für die Tiere, für uns Menschen und für die Umwelt passen. Eine Person muss mit den Arbeiten im Stall leicht zu Rande kommen.“

Elektrischer Hoftrac

Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des 2017 errichteten Stalls produziert nicht nur Strom für den landwirtschaftlichen Betrieb (inklusive Heubelüftung im Sommer), sondern dient ebenso zur Beladung des e-Hoftracs. Mit einer Batterieladung sind bis zu fünf Einsatzstunden möglich. Auf diesen elektrischen Hoftrac würden beide nie mehr verzichten. Dieses Fahrzeug setzen sie für sämtliche Arbeiten am Betrieb und im Stall ein – das alles geschieht geräuschlos und schadstofffrei.

 

Beitragsfotos: Brodschneider

 

 

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