„Viele Ideen und innovative Ansätze“

von NEUES LAND

Sabrina Dreisiebner-Lanz, Agrarexpertin bei Joanneum Research zum „Masterplan Klimarisiko“ und dessen spannenden Inhalten.

NEUES LAND: Der Klimawandel ist in aller Munde. Welche Probleme werden in Zukunft auf Bäuerinnen und Bauern in Österreich zukommen?

Sabrina Dreisiebner-Lanz: Einerseits wird die Landwirtschaft mit der schleichenden Erderwärmung konfrontiert sein. Die Anzahl an Hitzetagen, also Tagen mit mehr als 30 Grad Celsius, wird steigen. Davon wird der gesamte Wasserhaushalt beeinflusst, womit sich auch die Gefahr von Trockenheit verschärft. Andererseits werden auch zunehmende Wetterextreme wie Starkniederschläge, Spätfröste oder Hagel ein Problem darstellen. Dies führt dazu, dass Landwirte in Zukunft viel flexibler sein müssen. Auch deren Managementsysteme müssen diesen Anforderungen standhalten.

NL: Das Projekt ,Masterplan Klimarisiko Landwirtschaft‘ soll diesen Herausforderungen Rechnung tragen. Was sind dabei die Ziele?

Dreisiebner-Lanz: Ein Hauptziel ist es, alle Institutionen die etwas zur diesem Thema beitragen können, in ein Gesamtprojekt zu integrieren und bereits laufende Aktivitäten, auch international, zu koordinieren. Sämtliche Erkenntnisse daraus müssen für alle Landwirte zu Verfügung gestellt werden. Auf Basis dieser Analyse sollen die unterschiedlichen Möglichkeiten bewertet werden und müssen konkrete Handlungen im Sinne aller Betroffenen zur Folge haben. Außerdem ist dieses Projekt die Ausgangsbasis für weiterführende Vorhaben – beispielsweise zur Weiterentwicklung technologischer Bekämpfungsmaßnahmen gegen Spätfröste.

NL: Das Projekt ist im Juli 2017 gestartet und läuft nun für drei Jahre. Was wurde bisher schon erreicht?

Dreisiebner-Lanz: Bisher wurde zum Beispiel auf Basis bestehender Wetterdaten von drei verschiedenen Anbietern die Qualität der daraus resultierenden Wettervorhersagen verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass 2016 und 2017 alle die Frostgefahr deutlich unterschätzt haben – teilweise um bis zu drei Grad Celsius. In Haidegg hat man außerdem einen umfassenden Versuchsaufbau zum Thema Frostschutz im Obst- und Weinbau vorbereitet. Hier geht es darum bereits bekannten Systeme wie Bewässerung oder Frostkerzen professionell miteinander zu vergleichen. Auch neu installierte Systeme, wie ein Windrad zur Durchmischung von Luftschichten, werden bewertet. Außerdem konnten schon viele innovative Ansätze und Ideen in einen Versuchsplan aufgenommen werden.

NL: Der Klimawandel ist ein globales Phänomen. Kann der Einzelne überhaupt irgendetwas bewirken, außer zu versuchen bestmöglich seine Kulturen zu schützen?

Dreisiebner-Lanz: Wie bei einer Fachtagung von unterschiedlichen Experten betont wurde, ist das Klima der nächsten 30 Jahre bereits gemacht. Daher ist es auch so wichtig, sofort mit koordinierten Maßnahmen zu beginnen, die diesen Entwicklungen entgegensteuern. Wir sind als Gesellschaft für den Klimawandel verantwortlich, wobei die Landwirtschaft sicher die Auswirkungen überdurchschnittlich stark zu spüren bekommt. Sowohl Bäuerinnen und Bauern als auch deren Vertreter müssen auf diese veränderten Rahmenbedingungen reagieren. Die Landwirtschaft kann durch Maßnahmen wie Humusaufbau mit Sicherheit durchaus viel zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Dies muss selbstverständlich durch politische Rahmenbedingungen unterstützt werden.

Zur Person:
Sabrina Dreisiebner-Lanz (38) studierte Weinbau an der FH Wädenswil (CH) sowie Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim (D). Nun ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am LIFE – Zentrum für Klima, Energie und Gesellschaft und Expertin für Landwirtschaft am Projekt „Masterplan Klimarisiko Landwirtschaft“.

Beitragsbild: Manuela Schwarzl, Joanneum Research

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