„Die Steiermark ist richtig zweigeteilt“

von Robert Matzer

Alexander Podesser, Leiter der ZAMG Steiermark, über Gleitschneelawinen, Wetterunterschiede in der Steiermark und globale Trends.

NEUES LAND: Die starken Schneefälle der letzten Wochen bringen Freud und Leid mit sich. Wie sieht es mit der aktuellen Lawinensituation aus und wie wird sich diese entwickeln?

Alexander Podesser: Eine Besonderheit in diesem Jahr, die uns noch den ganzen Winter beschäftigen wird, ist das Problem mit sogenannten Gleitschneelawinen. Diese entstehen typischerweise dann, wenn große Schneemengen auf noch warmen Untergrund fallen. Dabei bildet sich eine rutschige Grenzfläche am Boden, die sich auch durch eine Abkühlung nicht verändert. Diese Lawinen sind sehr schwer vorherzusehen, wann und wo sie abgehen. Dieser Effekt könnte durchaus mit einer Klimaerwärmung zusammenhängen.

Alexander Podesser, Leiter ZAMG Steiermark

Alexander Podesser, Leiter ZAMG Steiermark. Foto: Furgler

NL: Während man im Norden der Steiermark teilweise fast im Schnee erstickt, waren im Süden Niederschläge in den letzten Wochen sehr selten. Wie ist diese Situation einzuschätzen?

Podesser: Die Steiermark ist seit vielen Wochen richtig zweigeteilt. Diese Rekordschneemengen kamen durch eine ungewöhnlich lange Nordstaulage zustande. Im Gegensatz dazu führt die kürzliche Südstaulage eher zu Niederschlägen in Osttirol und Kärnten, aber nicht in der Südhälfte der Steiermark. Niederschlagsdefizite von derzeit 25 bis 55 Prozent sind dort die Folge.

 

NL: Das Jahr 2018 war eines der wärmsten der Geschichte. Vor wenigen Tagen konnten in der Steiermark mehr als zehn Plusgrade gemessen werden. Setzt sich dieser Trend fort?

Podesser: Auch hier zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Während wir in den Bergen im Durchschnitt niedrigere Temperaturen haben, war der Jänner in der Südhälfte um mehr als zwei Grad Celsius wärmer als im langjährigen Mittel. Es ist noch etwas früh zu sagen, aber nach längerfristigen Prognosen könnte es das mit dem Winter in der südlichen Steiermark gewesen sein.

Globale Trends

NL: Nun zu globalen Aspekten. Die Menschen im Norden der USA erfuhren nach extremer Kälte innerhalb weniger Tage einen Temperaturunterschied von mehr als 30 Grad. Handelt es sich dabei um vermehrt auftretende Wetterextreme?

Podesser: Kaltluftvorstöße in den USA sind durchaus normal, da die Abschirmung von Gebirgen nicht so stark ist. Die kürzlichen Ereignisse waren aber sicher eine starke Ausprägung davon. Es gibt Theorien, die solche Effekte mit dem Abschmelzen der Polkappen und folglich mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Gesichert ist das aber nicht.

 

NL: Donald Trump nimmt solche Vorfälle gerne zum Anlass, Klimaveränderungen zu leugnen. Was würden Sie ihm als Experte dazu sagen?

Podesser: Wetter ist nicht Klima. Beim Wetter schauen wir auf kurzfristige Ereignisse, das Klima wird meist über einen Zeitraum von 30 Jahren betrachtet. Trotz kurzfristig auftretender Episoden an Kalt- und Warmeinflüssen ist es eine Tatsache, dass sich die Erde erwärmt.

 

NL: Überall in Europa beginnen junge Menschen zu protestieren, weil aus ihrer Sicht in der Klimapolitik zu wenig passiert. Finden Sie das gerechtfertigt?

Podesser: Wissenschaft versucht an sich immer neutral zu bleiben und Aussagen sind daher oft trocken und mit wenig Emotionen behaftet. Daher freut es mich schon, dass sich junge Leute dafür interessieren und auch besorgt darüber sind. Es ist eindeutig ein Umdenken im Gange.

 

Alexander Podesser bei der Arbeit an einer Wetterstation der ZAMG. Foto: ZAMG

Zur Person

Alexander Podesser wurde am 11. März 1960 in Graz geboren. Er studierte Meteorologie und Geographie an der Universität Graz studiert. Bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ist er seit 1999, davor war er selbstständig. Seit 2008 leitet er die ZAMG in der Steiermark, Podesser ist auch fachlicher Leiter des Lawinenwarndienstes Steiermark.

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