Lärchensterben: Ein Phänomen im Steirerwald

von Karlheinz Lind

Auch die robuste Lärche leidet unter den Folgen der extremen Sommer-Hitze der letzten Jahre. Besonders das Mürztal ist betroffen.

Seit einigen Jahren bereitet den obersteirischen Waldbauern ein mysteriöses Lärchensterben Kopfzerbrechen. Immer öfter treffen Meldungen über absterbende oder kränkelnde Lärchen von betroffenen Waldbesitzern ein. Stefan Zwettler, Forstdirektor der Landwirtschaftskammer Steiermark, dazu: „Es kommt zu einer Wipfeldürre und der Baum stirbt in der Folge ab. Über die möglichen Gründe haben wir in einer Expertenrunde mit Teilnehmern aus den benachbarten Bundesländern und Mitarbeitern von BOKU und Bundesforschungszentrum für Wald bereits diskutiert. Möglicherweise sind es die Folgen der extremen Hitze in den letzten Jahren, welche das Lärchensterben verursachen.“

Feinwurzel geschädigt

Denn genau diese Trockenheit hat anscheinend das Feinwurzelsystem der Lärchen geschädigt, sodass diese anfälliger für Schädlingsbefall und Krankheiten wurden. Somit haben Rostpilze wie etwa die Lärchenschütte leichtes Spiel. Aber auch die Lärchenminiermotte, der Lärchenwickler, der große Lärchenborkenkäfer und der Lärchenbockkäfer können dieser beliebten Baumart den Todesstoß versetzen.

Vor Ort

Der Langenwanger Forstwirt Christian Rinnhofer bestätigt diese Tatsache und ergänzt: „Seit rund fünf Jahren tritt in unserem Betrieb das Lärchensterben auf. Betroffen sind Wälder von den Tallagen weg bis rund 1000 Meter Seehöhe.“ Für heuer kann Rinnhofer, der auch Obmann vom Waldverband Mürztal ist, jedoch leichte Entwarnung geben: „In diesem Jahr ist die Situation deutlich besser. Normalerweise haben wir um diese Jahreszeit bereits einige Züge Lärche geerntet, heuer noch keinen.“ Grund dafür seien einerseits die ausreichende Wasserversorgung im Mürztal und andererseits, dass viele geschwächte Lärchen in den letzten Jahren bereits aus den Beständen entfernt worden seien, mutmaßt Rinnhofer.

Rasche Nutzung

Grundsätzlich appelliert der Forstwirt an alle Waldbesitzer: „Man muss die geschwächten Lärchen so schnell als möglich ernten, damit die Holzqualität nicht darunter leidet. Grundsätzlich sollte man aufgrund der niedrigen Fichtenrundholzpreise verstärkt in die Lärchenvermarktung gehen. Dort gibt es sehr gute Preise in allen Dimensionen.“

Durchforsten

Und genau diese intensivere Bewirtschaftung bringt auch große Vorteile mit sich, so Rinnhofer: „Werden Lärchenbestände früh genug durchforstet, wachsen sie zu wesentlich vitaleren Bäumen heran und sind somit unempfindlicher gehen Schädlings- und Krankheitsbefall.“

Saatgutproduktion

Waldbäume unterscheiden sich hinsichtlich der Vererbung nicht grundlegend vom Menschen. Auch hier ähneln die Nachkommen den elterlichen Bäumen. Daher werden für Samenplantagen nur solche Bäume anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes ausgewählt, welche aus forstlicher Sicht den Wunschvorstellungen entsprechen. Forstpflanzen, die von solchen Samenplantagen der ersten Generation abstammen, erreichen in der Regel eine Mehrleistung von ungefähr zehn Prozent im Vergleich zu ausgelesenen Saatguterntebeständen. Aber nicht jeder ausgewählte Baum einer Samenplantage muss auch ein guter Vererber sein.

Plantagen

Lärchenplantage für Saatgut

Lärchenplantage für Saatgut. Foto: BFW

Aus diesem Grund wurde für ein neues Forschungsprojekt vom Bundesamt für Wald (BFW) ein innovativer Ansatz für die Leistungssteigung von Saatgutplantagen der Lärche gewählt. Im Vergleich zu anderen Nadelhölzern ist die Saatgutbeschaffung bei Lärche schwierig. Daher wurden für die Lärche in Österreich seit den frühen 1950er Jahren Samenplantagen angelegt. Derzeit existieren in Österreich 15 zugelassene Samenplantagen, die einen Großteil des österreichischen Saatgutbedarfs decken.

Zukunftsprojekt

Im Projekt Lärche XXL soll erstmalig ein Züchtungsansatz mit neuesten Verfahren der molekularen Genetik kombiniert werden, um zwei neue Plantagen für die Wuchsgebiete 4.1 und 4.2 (Nördliche Randalpen, West- und Ostteil) aufzubauen. Ziel ist es für die Baumart Lärche neue Samenplantagen der zweiten Generation zu begründen, um so noch leistungsfähigeres Vermehrungsgut bereit zu stellen und gleichzeitig die auslaufenden Plantagen zu ersetzen. Bereits in zehn Jahren könnte das Saatgut bereitstehen.

Beitragsfoto: Krondorfer

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