Enorme Chancen

Franz Kahr, Geschäftsführer beim Fleischhof Raabtal, zu den großen Chancen des mit China abgeschlossenen „Schweineabkommens“.

NEUES LAND: Beim großen China-Staatsbesuch unseres Bundespräsidenten und der Regierung mit rund 180 mitgereisten österreichischen Unternehmensvertretern konnte ein Abkommen unterzeichnet werden, das in den Medien als ,Schweineabkommen‘ gefeiert wurde. Um was geht es dabei?

Franz Kahr: Dabei geht es um eine Exportzulassung der Veterinärbehörden, die uns autorisiert, Schweinefleisch nach China zu exportieren.

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NL: Warum ist das Abkommen so wichtig?

Kahr: Der Markt in China verlangt vor allem die sogenannten Nebenprodukte. Das sind Schweinsohren, Kopf, Haxen, Magen, Bauchknochen, vordere Stelze und vieles andere mehr. Für die Chinesen sind das die Hauptprodukte. Das Fleisch neben dem Knochen ist den Chinesen das liebste Fleisch. Und das ist genau jenes Fleisch, das bei uns immer weniger wert wird.

NL: Warum ist dafür bei uns so wenig Bedarf?

Kahr: Eine der Ursachen dafür ist, dass die Menschen kaum noch Zeit zum Kochen haben. Der Trend geht in Richtung Halbfertigprodukte und schnelle Küche. Aber all diese Nebenprodukte brauchen Zeit zum Kochen. Viele Konsumenten sind aber auch der Meinung, dass Nebenprodukte minderwertig sind. Karree und Schnitzel gelten vielfach als Zeichen des Wohlstandes.

NL: Wie wichtig ist dieses Abkommen für Schlachthöfe und Bauern?

Kahr: Für diese Nebenprodukte haben wir in Europa kaum Märkte und wir können sie nur zu einem niedrigen Preis verkaufen. Aber sie sind ein wichtiger Teil der Wertschöpfung, denn das sind 20 bis 30 Prozent vom Schwein. Aber nur, wenn wir diese Teile gut verwerten können, kriegt der Bauer einen guten Preis.

NL: Wie lange wurde dafür im Vorfeld verhandelt?

Kahr: Das war strategisch angelegt und zog sich über mehrere Jahre. China ist jetzt die Krönung der Bemühungen, die südostasiatischen Märkte zu erobern. Nach dem Russland-Embargo mussten wir uns nach neuen Märkten umsehen. In Japan, Korea, Singapur, Philippinen, Vietnam, Taiwan oder Hongkong konnten wir bereits Fuß fassen. In dieser Sammlung hat nur noch China gefehlt. Der frühere Landwirtschaftsminister Andrä Ruprecht war der Motor des Ganzen. Er hat sich darum sehr bemüht.

NL: Warum spielt China für Sie so eine entscheidende Rolle?

Kahr: Gerade China ist der absolut wichtigste Markt in Südostasien, denn er ist mit 1,3 Milliarden Menschen  der bevölkerungsreichste. Da tun sich für uns nun neue Chancen auf. Unser Fleischhof exportiert jetzt schon 35 bis 40 Prozent unseres Schweinefleisches. Davon geht die Hälfte in gefrorener Form nach Asien. Das sind 120 bis 150 Tonnen pro Woche – wohlgemerkt Nebenprodukte.

NL: Was sind nun nach diesem Abkommen die nächsten Schritte?

Kahr: Üblich ist jetzt ein dreistufiges Verfahren. In der ersten Stufe sind alle Teile von Schweinehälften mit Ausnahme von Kopf und Fuß zugelassen. In der zweiten Stufe kommen Füße und Kopf hinzu und in der dritten Stufe dann auch noch die inneren Organe.

NL: Wie groß ist die Konkurrenz auf diesen neuen Märkten durch andere große Schweinefleisch-Exporteure? Kahr: Für uns ist es vor allem wichtig, dabei zu sein. Wir wollen unsere Produkte zu vernünftigen Preisen verkaufen können.

Zur Person:

  • Franz Kahr kommt aus Feldbach.
  • Zusammen mit Johann Kaufmann und Heribert Pratscher errichtete er 1994 in Kirchberg an der Raab den Fleischhof Raabtal.
  • Der Fleischhof Raabtal und fünf weitere österreichische Schlachthöfe dürfen künftig Schweinefleisch nach China liefern.

 

Foto: Brodschneider Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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