„Wir sind einfach noch viel zu leise“

von Karlheinz Lind

Paul Lang, Obmann vom Waldverband Steiermark, über den Klimawandel, spannende Forschungsprojekte und mehr Öffentlichkeitsarbeit.

NEUES LAND: In dieser Woche fand der Steirische Waldbauerntag 2019 unter dem Motto „Forstwirtschaft im Umbruch“ in St. Peter am Ottersbach statt. Warum hat man dieses Thema gewählt?

Paul Lang: Die Menschen in unserer Gesellschaft spüren, dass sich beim Klima etwas ändert. Wetterextreme wie Starkniederschläge, Stürme oder lange Trockenphasen häufen sich. Laut Experten befinden wir uns mit St. Peter am Ottersbach in einer Region, die in Zukunft noch stärker vom Klimawandel betroffen sein könnte. Das alles hat großen Einfluss auf die Arbeit der steirischen Forstwirte.

NL: Wie müssen Waldbesitzer darauf reagieren?

Lang: Wir werden in Zukunft einige Punkte weit stärker beachten müssen als bisher. Große Bedeutung kommt sicherlich der standortgerechten Baumartenzusammensetzung zu. Deshalb wurde das Projekt ‚Dynamische Waldtypisierung‘ vom Land Steiermark mit Projektpartnern ins Leben gerufen. Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse können in Zukunft konkrete Tipps für die Waldbewirtschaftung angepasst an den Standort gegeben werden. Weiters sollten wir Waldbauern auch Vorbilder in der Verwendung von Holz als Baumaterial oder Heizstoff sein. Jeder von uns kann somit selbst zum Holzbotschafter werden.

NL: Stichwort Baumartenzusammensetzung. Wird es somit in unserem Bundesland in Zukunft keine flächigen Fichtenbestände mehr geben?

Lang: Das muss man wesentlich differenzierter sehen. Ich bin nach wie vor ein Fan der Fichte und sie wird auch in Zukunft unser Brotbaum bleiben. Wir werden jedoch noch größeres Augenmerk auf die Bewirtschaftung legen müssen. Rechtzeitige Dickungspflege und Durchforstung sind besonders wichtig. Einzig und allein in tieferen Lagen mit geringen Niederschlagsmengen werden die Fichten nicht mehr so häufig vorkommen.

NL: Wie verändert sich die Arbeit im Waldverband Steiermark durch die Klimawandelproblematik?

Lang: Wir werden uns in Zukunft noch stärker bei Forschungsprojekten zum Thema klimafitte Bestände einbringen. Dies wäre dem einzelnen Waldbesitzer nicht möglich. Weiters wollen wir in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer und der Forstbehörde die Beratung verstärken. Unser Hauptaugenmerk legen wir weiterhin auf die Vermarktung. Gerade nach Katastrophen mit hohen Schadholzanfall muss gewährleistet werden, dass Kalamitätsholz so schnell als möglich aus dem Wald kommt. Das ist die große Stärke des Waldverbandes.

NL: Die Gesellschaft fordert von der Land- und Forstwirtschaft Nachhaltigkeit ein. Ist diese Branche nicht schon seit Generationen das beste Beispiel für diese Wirtschaftsweise?

Lang: Da erkennt man unser Dilemma. Wir leben in der Land- und Forstwirtschaft bereits seit Jahrhunderten Nachhaltigkeit und keiner spricht davon. Wenn ein modernes Unternehmen medienwirksam einige hundert Bäume pflanzt, wird groß darüber berichtet. Wir setzen jedes Jahr hunderttausende junge Bäume und bleiben unentdeckt. Wir sind einfach viel zu leise. In diesem Bereich müssen wir wieder die Themenführerschaft übernehmen.

NL: Beim Waldbauerntag erhielt die Familie Rosa und Alois Groß aus Fehring den steirischen Waldwirtschaftspreis. Wodurch zeichnet sich dieser Betrieb besonders aus?

Lang: Am Betrieb Groß wird auf 17 Hektar Forstwirtschaft betrieben. Das Besondere daran ist, dass die Betriebsführer die ganze Forstfläche wilddicht eingezäunt haben und somit auf die Wald-Wild-Problematik aufmerksam machen wollen. Der Betrieb Groß steht für Exkursionen auch gerne zur Verfügung.

 

Zur Person

Seit 2007 ist Paul Lang Obmann des Waldverbandes Steiermark und Landeskammerrat. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und bewirtschaftet einen Bergbauernbetrieb im Almenland auf einer Seehöhe von 1200 Meter mit Schwerpunkt Biomilchproduktion und Forstwirtschaft. Ausgleich findet Lang beim Theaterspielen im Brandluckner Huab`n Theater.

Beitragsbild: Waldverband Steiermark

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