Weichberger

Im Interview: Alexandra Frewein

von Karlheinz Lind

Land- und Forstwirtin Alexandra Frewein über mehr Weiblichkeit in Vorständen, das Wunder Holz und den Wert der Handschlagqualität.

NEUES LAND: Sie sind seit kurzem die erste Dame im Vorstand vom Waldverband Steiermark. Wie fühlt man sich dabei?

Alexandra Frewein: Es ist wirklich eine große Ehre für mich. Ich darf bereits seit fünf Jahren im Waldverband Leoben als Vorstandsmitglied mitarbeiten. Vor der letzten Generalversammlung wurde ich gefragt, ob für mich ein Engagement auf Landesebene denkbar sei. Ich habe zugestimmt. Natürlich ist es für mich eine Herausforderung, aber ich freue mich bereits auf diese Aufgabe. Nun folgt für mich die Zeit des Kennenlernens.

Wirtschaftsfaktor Wald

NL: Warum ist Ihnen das Engagement im Waldverband so wichtig?

Frewein: Immer öfter sind Frauen Waldbesitzer und tragen somit auch die Verantwortung. Ich möchte einfach mehr Weiblichkeit in diese männerdominierte Welt bringen. Frauen haben oft andere Zugänge zu Problemlösungen und denken auch anders. Diese Betrachtungsweise möchte ich dem Vorstand weitergeben. Das kann bei gewissen Entscheidungen sicher Vorteile mit sich bringen. Mir ist die Waldbewirtschaftung ein großes Anliegen. Mein Vater ist leidenschaftlicher Forstwirt und genau diese Begeisterung hat er erfolgreich weitergegeben. Ich sehe den Wald nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern auch als Ort mit einem enorm hohen Erholungswert.

 

NL: In welchem Bereich wollen Sie besonders aktiv werden?

Frewein: Für mich hat die Öffentlichkeitsarbeit einen besonders hohen Stellenwert. Wir müssen noch mehr Menschen davon überzeugen, dass Holz als Baustoff eben unschlagbar ist. Wir haben auf unserer eigenen Alm erst kürzlich eine Hütte rein aus Holz fertig gestellt. Die Wohnqualität ist einzigartig. Ich denke, dass in Zukunft immer mehr Menschen auf Nachhaltigkeit im Wohnbau setzen werden. Holz hat im Sinne der Nachhaltigkeit somit noch großes Potential im Land.

 

NL: Wo sehen Sie die größten Stärken des Waldverbandes?

Frewein: Für mich ist der Waldverband eine Gemeinschaft mit besonderen Werten. Als Mitglied wird mir durch die Obmänner und Waldhelfer in den Regionen professionelle, fachliche Hilfe zur Verfügung gestellt. Das Angebot reicht von der Aufforstung über die Weiterbildung bis hin zur gemeinschaftlichen Vermarktung. Ein entsprechender Holzerlös ist die Grundlage für die Zukunft der heimischen Forstwirtschaft. Im Waldverband steht das Wohl jedes einzelnen Mitgliedes im Mittelpunkt der täglichen Arbeit.

 

NL: Wie nutzen Sie persönlich diese Dienstleistungen?

Freiwein: Bei uns am Hof hat die Zusammenarbeit mit dem Waldverband eine lange Tradition. Mein Vater ist bereits seit der Gründung des Waldverbandes Leoben im Jahre 1993 mit dabei. Heute wird unser Holz ebenfalls über die Gemeinschaft vermarktet – hier gibt es noch Handschlagqualität. Gerade für mich als Bäuerinnen ist es wichtig, dass Dienstleistungen wie etwa Kulturpflege oder Ernte angeboten werden. Derzeit bereitet uns aber der Holzpreis große Sorgen. Ich hoffe stark, dass sich das wieder ändert.

 

NL: Wie sehen Sie die Wald-Wild-Problematik?

Frewein: Ich bin selbst praktizierende Jägerin. Für mich ist es besonders wichtig, dass Waldbesitzer auch die Jagd ausüben. Dadurch hat man sehr viel selbst in der Hand. Mit einem verstärkten Abschuss von Wild, zum Beispiel auf frisch aufgeforsteten Flächen, kann man Schäden leichter verhindern.

Zur Person

  • Alexandra Frewein (46) bewirtschaftet gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Sohn einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb in Kobenz.
  • Die LFS-Großlobming-Absolventin ist seit fünf Jahren Mitglied im Vorstand vom Waldverband Leoben, seit kurzem auch Vorstandsmitglied vom Waldverband Steiermark.
  • Die zweifache Mutter ist praktizierende Jägerin.

 

Beitragsfoto: Waldverband Steiermark

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