Bierige Zeiten

Hopfen, Malz und Bierbraukunst. Private Kleinbrauereien erleben derzeit einen starken Aufwind. Damit wird auch hier der Ruf nach regionalen Rohstoffen wieder lauter.

Unter dem Namen „Craft Bier“ werden in ganz Europa derzeit sehr spezielle, oft stark gehopfte Biere vermarktet. Beginnend in den USA der 1970er Jahre, gilt dieser Trend als Gegenentwicklung zu hoch industrialisierten Großbrauereien und vermittelt Qualität, Geschmack und ein neues Lebensgefühl. „Craft“ bedeutet ja nichts anderes als „Handwerk“ und bezeichnet damit die Braukunst von Klein- und Kleinstbrauereien. Dadurch werden auch Hopfen und Malz als regionale Rohstoffe wieder interessant.

Steiermarkbier

Alois Gratzer aus Obertiefenbach, Mitglied von „Steiermarkbier“ – einer Vereinigung von zehn steirischen Kleinbrauereien – zeigt, dass steirische Bauern mit Rohstoffen in Top-Qualität viel zum Gelingen heimischer Biere beitragen können: „Wir arbeiten mit sechs Landwirten auf 28 Hektar im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld am Anbau von Braugerste, um unsere Rohstoffe aus der Region beziehen zu können. Diese lassen wir bei der Firma Stamag, der größten Mälzerei in der Steiermark, in unsere wertvolle Braumalz umwandeln.“

Advertisements

Der Schlüsselfaktor für diesen Erfolg sei die vernünftige Preispolitik, wie Gratzer betont. Denn schließlich müsse es sich für alle Beteiligten rechnen. Johann König (36) aus Tiefenbach bei Kaindorf baut nun schon seit fünf Jahren Braugerste an und ist mit der Kooperation sehr zufrieden. „Anders als bei Weltmarktfrüchten wissen wir schon vor dem Anbau, dass der Preis in Ordnung ist. Bei Braugerste ist das besonders wichtig, da im Korn ein ausgeglichener Eiweißgehalt notwendig ist, wir daher nur mit moderaten Düngergaben arbeiten und deshalb keine Höchsterträge erwarten können.“

Bio-Kooperation

Nicht unweit in der Oststeiermark gibt es eine weitere Kooperation zwischen Bauer und Brauer. Toni Hofer aus Kainbach bei Hartberg hat schon 1992 seine Kleinbrauerei “Toni Bräu” in Betrieb genommen und sie mittlerweile an Sohn Martin übergeben. Sie haben gemeinsam mit Fritz Loidl aus Kopfing, Bio-Obstbauer der ersten Stunde, den Anbau der Brau-Rohstoffen selbst in die Hand genommen. Seit 2014 wachsen bei Fritz Loidl am Betrieb Braugerste und mehrere Sorten von Aroma- und Bitterhopfen in kontrolliert biologischer Qualität. Martin Hofer dazu: „Wir möchten unseren Kunden den gesamten Entstehungsprozess unserer Biere näherbringen und dazu gehört auch der Hopfenanbau. Wenn man bei unserem Hopfen-Erntefest die fruchtig herben Noten der reifen Dolden erlebt und danach ein frisch gezapftes Glas Bier trinkt, ist das mit Worten kaum zu beschreiben.“

Fritz Loidl und Martin Hofer mit dem Ergebnis ihrer Bio-Kooperation

Fritz Loidl und Martin Hofer mit dem Ergebnis ihrer Bio-Kooperation. (Foto: Privat)

Beitragsbild: Gerstenanbauer und Bierbrauer: Gerhard Gratzer, Martin Müller, Alois Gratzer, Thomas Windhaber, Johann König und Peter Prem. (Foto: Rene Strasser) Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*