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Bäuerin und Bauer des Jahres

von Karl Brodschneider

Die Landeskammerrätin Nicole Zenz und der Gemüsebauer Stefan Strohrigl erhielten bei der traditionellen NL-Wahl die meisten Stimmen.

 

Als am vergangenen Freitag um Mitternacht das Endergebnis bei der Wahl zum „Bauer des Jahres“ feststand, stellten Freunde von Stefan Strohrigl vor seinem Haus in Wundschuh eine große Tafel auf. Darauf steht: „Stefan, unser Bauer des Jahres. Wir gratulieren!“ Rund 21.000 Votings waren bei dieser von NEUES LAND durchgeführten Wahl abgegeben worden und in der Männer-Wertung hatte sich der junge Wundschuh mit über 38 Prozent Zustimmung klar von seinen 21 Mitbewerbern abgesetzt.

Dementsprechend groß war die Freude bei dem 31-jährigen Jungbauern. „Ich habe die Wahl vom ersten Tag an aufmerksam mitverfolgt und schon einige Tage vor dem Wahl-Ende gesehen, dass ich einen großen Abstand zum Zweiten, Kurt Nistelberger, habe“, erzählt er. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich von so vielen Freunden und Bekannten eine Stimme bekommen habe und dass es für mich so gut ausgegangen ist“, strahlt Stefan und bemerkt, dass er sogar aus Rumänien Stimmen erhalten habe. „Dort wohnt nämlich das Ehepaar, welches das ganze Jahr über von der Anbauzeit bis zur Ernte in unserem Betrieb mitarbeitet. Auch sie haben für mich gestimmt und mir schon gratuliert.“ Das waren aber nicht die einzigen, die bei ihm das ganze Wochenende das Telefon klingen ließen. Die ersten Gratulanten waren aber natürlich seine Eltern Roswitha und Ferdinand sowie Freundin Alexandra.

Frost und Hagel

Mit der Kür zum „Bauern des Jahres“ ist für Stefan Strohrigl ein spannendes und arbeitsintensives Jahr erfolgreich zu Ende gegangen. 23 Hektar hat er mit Kartoffeln, 16 Hektar mit Zwiebel, vier Hektar mit Knoblauch und ein Hektar mit Rhabarber bestellt. Dabei bekam er die Wetter-Extreme voll zu spüren. „Der Frost hat uns heuer gleich zweimal erwischt, dazu kam der Hagel“, sagt der in seiner Heimatgemeinde auch als Bauernbundobmann und Gemeinderat tätige Landwirt. Besonders leid tut es ihm, dass es ausgerechnet drei Tage vor der erstmaligen Ernte des Rhabarber-Feldes gehagelt hat. „Binnen kürzester Zeit war alles wie gehäckselt.“ Auch seine Zwiebel- und Knoblauchkulturen wurden teilweise vom Hagel zerstört. „Damit müssen wir Bauern leben“, merkt er traurig an.

Seine Freude am Gemüsebau entdeckte der Absolvent der Fachschule Hatzendorf vor zehn Jahren bei einem Gemüsebaufacharbeiterkurs in Großwilfersdorf. In der Folge erlangte er sogar den Meisterbrief für Feldgemüsebau. Als Mitglied von „Die jungen WILDEN Gemüsebauern“ tauscht er sich ständig mit Gleichgesinnten aus und probiert ständig Neues. Seit dem Vorjahr bietet er in einigen Bauernläden die eigene Knoblauch-Butter und das Jungknoblauch-Pesto an und heuer begann er auch mit der Produktion des Edel-Gewürzes Safran. „Wir haben 2500 Pflanzen gesetzt. Nächstes Jahr sollen es schon mehr werden“, blickt er hoffnungsvoll in die Zukunft.

Aber nicht nur bei Stefan Strohrigl wurde gefeiert, sondern auch bei Nicole Zenz aus St. Marein-Feistritz. Die 24-jährige Obersteirerin gewann in einem spannenden Finale die Wahl zur „Bäuerin des Jahres“. Letzten Endes setzte sie sich mit über 42 Prozent Zustimmung sechs Prozentpunkte vor ihrer großen Herausforderin Nina Schweinzger durch. „Ich war überrascht, von wem alles ich schon während der Abstimmungsphase und erst recht nach meinem Sieg angesprochen und beglückwünscht wurde“, erzählt die junge Frau. „Ich bin sehr glücklich und freue mich darüber!“

Landeskammerrätin

Nicole Zenz

Nicole Zenz ist seit heuer auch Mitglied der Kammervollversammlung und die jüngste Landeskammerrätin des Steirischen Bauernbundes.

Für Nicole Zenz war 2021 ein ganz besonderes Jahr. Im Jänner wurde sie als jüngste Kandidatin in die Vollversammlung der steirischen Landwirtschaftskammer gewählt. Ihr Resümee als junge Landeskammerrätin brachte sie in der vorwöchigen Kammervollversammlung zum Ausdruck: „Ich habe viel gelernt, viel gesehen, viel diskutiert und bin dankbar für die Chance, dass ich in der Vollversammlung mitarbeiten darf.“

„Nici“ Zenz maturierte 2016 an der HLW Leoben und arbeitet seither beim Tunnelbauunternehmen ÖSTU-Stettin. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten am elterlichen Bergbauernhof am Fressenberg. Seit dem Jahr 2016 wird der Mutterkuhbetrieb als Bio-Hof geführt. Neben den Murbodner Rindern grasen auch Pustertaler Sprinzen auf der Weide. Und vor zwei Jahren hat Nicole Zenz von ihrem Freund Daniel, mit dem sie das derzeit leerstehende rund 300 Jahre alte Bauernhaus revitalisiert, Blobe-Ziegen als Geburtstagsgeschenk bekommen und auch an diesen Tieren ihre Freude.

Ihr landwirtschaftliches Wissen hat sie mit dem Besuch einer einjährigen berufsbegleitenden Ausbildung in der Fachschule Kobenz erweitert. Zudem hat sie die ZAR-Ausbildung zum Jungzüchterprofi absolviert. Im heurigen Sommer arbeitete sie auch führend am Jungbauernmanifest mit und lernte dabei auch die Zweitplatzierte in der Schlusswertung bei der Wahl zur „Bäuerin des Jahres“ kennen. Ihr streut sie Rosen: „Nina Schweinzger ist eine ganz herzliche und tüchtige, junge Bäuerin.“

Mit ihren Siegen trugen sich Stefan Strohrigl und Nicole Zenz in eine prominente Liste von bisherigen Gewinnern ein. Bei der von NEUES LAND im Jahr 2015 erstmals durchgeführten Wahl gab es noch keine eigene Bäuerinnenwertung. Damals siegte der Weinbauer Peter Masser aus Leutschach an der Weinstraße. 2016 freute sich der Krenbauer Franz Tappauf aus Eichkögl über die größte Zustimmung. Seit 2017 gibt es jeweils eine eigene Kategorie „Bauer des Jahres“ beziehungsweise „Bäuerin des Jahres“.

Die Sieger seit damals waren die Direktvermarkterin Hildegard Heinz (2017) aus Thannhausen, die Obstbäuerin Kathrin Haas (2018) aus Gnas, die Weinbäuerin Jacqueline Banfi (2019) aus Ilztal und die Alpaka-Bäuerin Barbara Windisch (2020) aus Kainbach bei Graz. Die „Bauern des Jahres“ waren seither der Aronia-Spezialist Christoph Reinhart (2017) aus St. Marein bei Graz, der Wanderimker Jacek Wojciechowski (2018) aus St. Lorenzen bei Knittelfeld, der Reisbauer Ewald Fröhlich (2019) aus Halbenrain sowie der Bergbauer Simon Pöllabauer (2020) aus Gasen.

Die Top Ten

Bei der diesjährigen Abstimmung platzierten sich bei den Frauen Nicole Zenz, Nina Schweinzger, Katharina Blatnik, Katrin Dokter, Katharina Glatz, Christine Neuhold, Claudia Stögerer, Bernadette Sitzwohl, Renate Emmerstorfer und Anita Suppanschitz auf den ersten zehn Plätzen. Bei den Männern setzten sich die Top Ten aus Stefan Strohrigl, Kurt Nistelberger, Andreas Pollhammer, Richard Judmaier, Kurt Kreinbucher, Andreas Hammer, Hans-Peter Herk, Manfred Kohlfürst, Peter Rossegger und Martin Lipp zusammen.

 

 

 

 

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