Zwischen Hochwasser und Dürre

Nichts beeinflusst die Arbeit der Bauern unter freiem Himmel so stark wie das Wetter. NEUES LAND beleuchtet in den nächsten Wochen die Häufung von Unwettern, deren Vorhersage und Auswirkungen.

Man kann davon ausgehen, dass die meisten Steirerinnen und Steirer heute schon über das Wetter gesprochen haben. Umso interessanter ist es, hinter die Kulissen des Klimawandels zu blicken sowie die Themen Unwetterkatastrophen, Wetterregeln, Lostage und Prognosen näher zu beleuchten. Gerade schwere Unwetter aufgrund des Klimawandels stellen die heimischen Landwirte vor immer größere Herausforderungen.

Schadenssituation

Die Zahlen sind alarmierend: In der Steiermark beläuft sich der heurige Gesamtschaden, verursacht durch Hagel, bereits auf rund 3,5 Millionen Euro, über 6000 Hektar landwirtschaftliche Flächen sind betroffen. Die Österreichische Hagelversicherung berichtet von einem starken Hagelunwetter am vergangenen Samstag in Graz-Umgebung. Rund 1600 Hektar Ackerflächen waren betroffen. Sepp Kurz, Landesleiter der Österreichischen Hagelversicherung, dazu: „Wir sind mitten in der Schadens-erhebung, bereits 85 Prozent aller Schäden werden online gemeldet. Dies ermöglicht es uns, den betroffenen Landwirten rasche Hilfe anzubieten. Bei einigen Kulturen wie Mais und Kürbis ist es aus fachlichen Gründen nötig, zwei bis drei Wochen mit der Feststellung abzuwarten, damit der Schaden optimal festgestellt werden kann.“

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Die Österreichische Hagelversicherung verspricht rasche Hilfe im Schadensfall. Foto: hagel.at

Landesrat Hans Seitinger, zuständig für den Katastrophenschutz, zeigt ein weiteres düsteres Bild: „Das 21. Jahrhundert entpuppt sich zunehmend als das Jahrhundert der Naturkatas-trophen, die sich nicht nur in der Zeitfolge verdichten, sondern auch immer brutalere Ausmaße annehmen. Der dadurch verursachte Schaden betrug alleine in der Steiermark in den letzten zehn Jahren knapp zwei Milliarden Euro.“ Auch auf die Tatsache, dass solche klimabedingten Naturkatastrophen nicht nur Hagel, Hochwasser, Dürre und Stürme mit sich bringen, sondern auch die Schädlingsproblematik verschärfen, weist Seitinger hin.

Wettervorhersage

Eine besondere Rolle in der Prognosenerstellung sowie in der Klimaforschung kommt der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, kurz ZAMG, zu. Experte Christian Pehsl von der ZAMG relativiert manches: „Wetterextreme hat es immer schon gegeben. 1916 gab es den größten und einzigen Tornado in Österreich. Extreme lassen somit auf keine verlässliche Tendenz für die Zukunft schließen.“

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Meteorologe Christian Pehsl sieht die große Gefahr im Temperaturanstieg. Foto: ZAMG

Eindeutig ist, laut Pehsl, dass die Temperaturen im Land kontinuierlich zunehmen. Tage mit Temperaturen über 30 Grad werden mehr. Eine auffällige Beobachtung im Südosten der Steiermark ist die Häufung der Phasen mit sehr wenig Niederschlag. Experten gehen hier in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von ex-tremer Dürre aus.

Natürlich zeigt Meteorologe Christain Pehsl auch die Grenzen der Vorhersage auf. „Bei sonniger Großwetterlage auf weite Sicht, ohne Wolken und Regen, können Meteorologen locker sieben Tage das Wetter ohne Risiko vorhersagen. Bei labilen Luftmassen ist eine seriöse Berichterstattung für den Experten schwierig.“

Die Bedeutung der Wetterereignisse der letzten Jahre unterstreicht auch die Tatsache, dass die Österreichische Hagelversicherung auch ein eigenes Kompetenzzentrum für Meteorologie und Klimatologie eingerichtet hat. Seit 2006 ist dieses Wetterservice unter www.hagel.at abrufbar, bereits 25.000 Landwirte nutzen es. Holger Starke, Meteorologe in der Hagelversicherung: „Einzigartig in Europa sind dabei die individuell einstellbaren Wetterwarnungen. Die ständige Verbesserung und Weiterentwicklung ist eine der Hauptaufgaben unseres Kompetenzzentrums.“

Übrigens: Auch Bauernregeln sind laut Christian Pehsl ernst zu nehmen, denn sie sind durch jahrelange Aufzeichnungen entstanden. So berufen sich zum Beispiel die Wetterexperten in der Kaltwetterphase nach den ersten schönen Maitagen immer wieder auf die „Eisheiligen“.

Nächste Folge: Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die tägliche Arbeit der Bauern.

Extreme 2014
  • Erstes Halbjahr zu warm, stellenweise extrem trocken.
  • Sturm: März und April, Schäden in der Ost- und Obersteiermark
  • Unwetter/Hagel/Eisregen: Juni, großräumige Überflutungen im ganzen Land
  • Hagelschäden im Bezirk Leibnitz
  • Hochwasser/Überflutungen: Grazer Becken, Mitte Mai
  • Trockenheit: Oststeiermark, Mitte April bis Anfang Mai, extrem wenig Niederschlag im Norden
Hagel

Im ersten Halbjahr 2014 hatte es bereits viele Extrem-Wetterlagen gegeben.

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