Den Schweinen geht es “saugut”

Das Schicksal der verendeten Schweine aufgrund des Blitzschlages hat bei den Medien und Konsumenten in Österreich eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Diskussion über Tierwohl und Größeneinheiten in der tierischen Veredelungswirtschaft wurde neu entfacht. Kaum ein anderes Thema wird von derart vielen Emotionen begleitet.

Bauernbund-Landesobmann Agrarlandesrat Hans Seitinger hat in den Medien versucht, den Spagat zwischen den Wünschen der Konsumenten und der Gesellschaft und den Bedürfnissen der Produzenten aufzuzeigen. In der Schweinebranche hat vor allem der Titel der Kleinen Zeitung für Irritationen gesorgt, wobei wir wissen, dass Titel und Wiedergabe eines Interviews in der journalistischen Freiheit des Schreibers liegen. Inhaltlich hat sich Landesobmann Hans Seitinger ganz klar positioniert, dass der bäuerliche Familienbetrieb im Vordergrund steht und Großstallungen von Kapitalgesellschaften oder Größeneinheiten, die nicht mit der eigenen und zugepachteten Fläche übereinstimmen, ein gesamtheitliches Gesellschaftsproblem darstellen, das letztlich ein Negativimage für die gesamte Schweinewirtschaft verursacht. „Lebensmittel müssen wieder mehr an Wert gewinnen, um mit überschaubaren Einheiten ein Familieneinkommen erwirtschaften zu können. Immer größere Einheiten und trotzdem immer weniger Einkommen in bäuerlicher Hand kann wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wiewohl ich auch weiß, dass uns der harte Wettkampf am internationalen Markt stark beeinflusst“, gibt Seitinger die Richtung vor.

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„Fleisch soll kein Schleuderprodukt mehr sein.“ Landesobmann LR Hans Seitinger

 

Image verbessern

Die Schweinewirtschaft ist ein sehr bedeutender Produktionszweig in der Steiermark. Schweine und Mais haben erst eine Wohlstandsentwicklung im sogenannten Maisgürtel der Steiermark ermöglicht, von der Arbeitnehmer, Bauern, Wirtschaft und Tourismus gleichermaßen profitieren. Leider hat die Schweinewirtschaft vermehrt mit Imageproblemen zu kämpfen. Da steht auf der einen Seite das Geruchsproblem. Durch modernste Technik und große Bemühungen der Bauern konnten die Geruchsemissionen drastisch reduziert werden. Die verbleibenden Restemissionen erzeugen trotzdem häufig Konfliktsituationen mit Nachbarn, die durch das steirische Baugesetz, welches gegen die Stimmen der ÖVP und trotz massiver Protestbewegungen des Bauernbundes mit den Stimmen aller anderen Fraktionen im Landtag beschlossen wurde, mit der Ausdehnung der Nachbarschaftsrechte und der Einführung der Geruchskreise verschärft wurden. Auf der anderen Seite wird durch den Aktionsmus radikaler Tierschützer zur Spendenoptimierung die Tierhaltung in den heimischen Schweineställen in Misskredit gebracht. Manche Tierschutz-organisationen arbeiten mit Bildern von echten Tierfabriken irgendwo auf der Welt und schalten geschickt steirische Bauern dazwischen, sodass der Eindruck entsteht, steirische Bauern sorgten für Tierleid und Massentierhaltung. Auch bei den illegalen Stalleinbrüchen werden Filmmitschnitte und Fotoaufnahmen zu Ungunsten der Tierhalter manipuliert. An einer gesetzlichen Handhabe gegen Stalleinbrüche wird gearbeitet.

Schon die nackten Zahlen zeigen, dass es in der Steiermark keine Massentierhaltung gibt. Von den rund 700 Schweinemastbetrieben haben gerade einmal 26 Betriebe mehr als tausend Mastplätze, und die zählen im internationalen Vergleich noch absolut zu Kleinbetrieben.

Das Bild, das die Öffentlichkeit von unseren Betrieben hat, ist ausschlaggebend für das Kaufverhalten der Gesellschaft. Ethik und Tierwohl entscheiden meist, ob Fleisch gegessen wird oder nicht.

Handel einbinden

„Aufklärung, Bewusstseinsbildung und auch eine Darstellung der Wirklichkeit insbesondere in der Werbung sind genauso wichtig, wie eine Richtungsänderung unserer Handelsketten in Bezug auf ständige Lockangebote mit Fleischprodukten. Fleisch soll kein Schleuderprodukt mehr sein – eine klare Forderung, die ich aufgestellt habe. Und es gibt zum Glück gute Anzeichen unserer Handelspartner, diesbezüglich einen Umkehrschub einzuleiten. Jedenfalls werde ich unermüdlich dazu auffordern. Es kann uns nur gemeinsam gelingen, diese zwei wesentlichen Gefühlsebenen der Konsumenten wieder ins richtige Lot zu bringen. Das alles schaffen wir nur, wenn wir auch unseren Blick über den Betrieb hinaus auf die Wahrnehmung der Gesellschaft, die Sensibilität der Konsumenten und letztlich die Stärke einer gemeinsamen Vermarktung richten“, so Seitinger abschließend.

Heimische Bauern sorgen dafür, dass sich Tiere wohlfühlen. Nur dann ist auch eine hohe Qualität in der Produktion erreichbar. Die Konsumenten wissen das zu schätzen, der Handel auch?

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Der bäuerliche Familienbetrieb ist Zielrichtung der steirischen Agrarpolitik.

Schweinewirtschaft in Zahlen und Fakten

  • 7000 schweinehaltende Betriebe gibt es in der Steiermark.
  • 1700 Betriebe produzieren
    für den Markt.
  • 700 Schweinemastbetriebe haben durchschnittlich 350 Mastplätze
  • 26 Mastbetriebe haben mehr als tausend Mastplätze.
  • 63 % Schweinefleisch, 17,9 % Rindfleisch und Kalbfleisch essen die Österreicher, der Rest verteilt sich auf Geflügel, Lamm und sonstiges.
  • 66,4 kg beträgt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch in
    Österreich, davon 40 kg Schweinefleisch.
  • 80 Prozent der steirischen Mastschweine werden über die Vermarktungsgemeinschaft Styriabrid abgesetzt.
  • 1500 Betriebe in 20 dezentralen Erzeugerringen sind in der Styria­brid organisiert.
  • 90 Prozent der Mastschweine der Styriabrid werden von neun steirischen Schlachthöfen durch exklusive Abnahmeverträge übernommen.
  • Drei wichtige Aufgaben der Styriabrid: Ferkelvermittlung – Transport – Vermarktung.
  • Zusätzlich werden Beratung und persönliche Betreuung in Bezug auf Qualität, Stallbau und Steuern angeboten.

 

 

 

 

 

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