Das Klima ändert alles

Nicht nur die Land- und Forstwirtschaft, auch der Tourismus oder Wildtiere werden von steigenden Durchschnittstemperaturen oder geänderten Niederschlagsmengen beeinflusst.

Dass sich unser Klima verändert, ist eine Tatsache. Um die Auswirkungen auf eine zuverlässige Informationsgrundlage zu stellen, wurden im Auftrag der Steiermärkischen Landesregierung vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz umfassend Klimaszenarien für die Steiermark erarbeitet. Professor Andreas Gobiet vom Wegener Center dazu: „Die Zukunft des Klimas unseres Landes ist in vielen Bereichen, etwa für Landwirtschaft, Tourismus, Gesundheitswesen, Energieversorgung und Energieverbrauch, Wasserversorgung, Artenvielfalt sowie Schutz vor Naturgefahren, von Bedeutung. Insbesondere wenn es darum geht, langfristige Investitionen zu tätigen, sollten die klimatischen Rahmenbedingungen der nächsten Jahrzehnte bekannt sein.“

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Professor Gobiet prognostiziert steigende Temperaturen.

Temperaturanstieg

Und diese Rahmenbedingungen regen zum Nachdenken an: Die Ergebnisse zeigen, dass eine weitere Temperaturzunahme in der Steiermark bis 2050 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eintreten und einen Trend von etwa 0,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt aufweisen wird. Insbesondere im Winter wird eine stärkere Erwärmung erwartet. Professor Gobiet weiter: „In Bezug auf Niederschlag sind die Aussichten sehr unsicher. Von Herbst bis Frühling wird eher mehr Niederschlag erwartet. Im Sommer und vor allem im Süden der Steiermark ist auch eine Niederschlags-abnahme möglich.“

Schädlingsaufkommen

Diese Einflüsse wirken sich auch auf die Landwirtschaft vielfältig aus. Landesrat Hans Seitinger gibt zu bedenken: „Im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels auf das Schädlingsauftreten ist zu beachten, dass es einerseits zu Verschiebungen bei den bereits heimischen Schadorganismen kommen wird, dass aber andererseits neue – wegen bisher für sie ungünstiger klimatischer Bedingungen nicht heimische – Schadorganismen auftreten und zunehmen werden.“ Ein Beispiel dafür sei der Maiswurzelbohrer. Für Wildbiologen Armin Deutz sind auch Wild- und Weidetiere von der Erwärmung betroffen: „Gab es früher Krankheitsübertragungen durch Zecken nur bis 1000 Meter Seehöhe, so sind sie nun bis 1500 Meter Seehöhe bekannt. Sowohl Weidevieh als auch heimisches Schalenwild können infiziert werden.“ Weiters breite sich die Hasenkrankheit Tularämie vom Südosten stärker auf die Steiermark aus. Landesforstdirektor Michael Luidold zeigt die Folgen für die Forstwirtschaft auf: „Studien zufolge werden durch den Klimawandel auf drei Viertel der steirischen Waldflächen Veränderungen der natürlichen Waldgesellschaft stattfinden. Eichen- und buchendominierte Wälder werden deutlich gewinnen, Fichtenwaldgesellschaften werden hingegen an Konkurrenzfähigkeit deutlich verlieren.“

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Landesforstdirektor Luidold: für standortgerechte Baumarten

Tourismus

Steiermark-Tourismus-Geschäftsführer Erich Neuhold: „Das Wetter spielt gerade beim Thema Urlaub eine sehr wichtige Rolle. Einerseits ist im Tourismus seit Jahren die Tendenz zu kurzfristigen Buchungen deutlich spürbar. Wenn das Wetter passt, verreist man auch gerne spontan für ein (verlängertes) Wochenende. Andererseits wissen wir aus unseren regelmäßigen Gästebefragungen, dass sich die Wettersituation auf die Zufriedenheiten der Urlaubsgäste auswirkt.“ Den Klimawandel betreffend stehe man insbesondere im Winter vor der Herausforderung, dass es keine Alternativen zum klassischen Skiurlaub gebe, auch wenn neben dem Skifahren zunehmend Winterwandern, Langlaufen, Schneeschuhwandern und Skitourengehen an Bedeutung gewinnen“.

Klimastudie

Das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz hat umfassend Klimaszenarien für die Steiermark erarbeitet. Die Auswirkungen des Klimawandels, die stark von der Temperaturzunahme abhängen, werden in den nächsten Jahrzehnten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit spürbar werden. So ist unter anderem mit einer Zunahme des Energiebedarfs für Kühlung und mit einer starken Abnahme der Tage mit Schneedecke zu rechnen.

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Ausgetrocknete Felder könnten in Zukunft viel häufiger in der Steiermark zu finden sein. Die Landwirtschaft wäre Hauptbetroffener. Fotos: fotolia.com

 

Nächste Woche: Moderne Techniken in der Wetterprognosen
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