Heilende Kräfte im Wald

Die Waldmedizin rückt immer mehr ins Rampenlicht und könnte sich zu einem kraftvollen Impuls für die Steiermark entwickeln.

Die Wälder erwachen aus der Winterruhe und damit sorgt auch wieder ein Thema für großes Interesse, das zuletzt vielfach Schlagzeilen gemacht hat – deren heilenden Kräfte. Interessanter Weise ist es eine internationale Bewegung, die nun auch in unsere Breiten immer stärker Fuß fasst. In Japan hat man für die aktive und leidenschaftliche Beziehung zum Wald sogar einen eigenen Begriff – „Shinrin Yoku“ – und es gibt dort lange Listen von wissenschaftlich bestätigten, positiven Wirkungen des Waldes. Korea hat mittlerweile sogar Gesundheitswälder geschaffen und weltweit werden regelmäßig neue Forschungserkenntnisse zu all dem präsentiert.

Biophilia-Effekt

Im deutschen Sprachraum hat der in Graz lebende Agrarbiologe und Biobauer Clemens G. Arvay mit seinem Bestseller „Der Biophilia-Effekt“ für große Aufmerksamkeit gesorgt. Wie erklärt er all das? „Der Wald wirkt auf vielfache Weise. Zum Beispiel aktiviert Waldatmosphäre nachweislich den Parasympathikus. Das ist der Nerv der Ruhe, der für Entspannung und Regeneration bis auf Zellebene zuständig ist. Besonders faszinierend finde ich den Zusammenhang zwischen Waldluft und Immunsystem. Bäume geben gasförmige bioaktive Substanzen ab, die in die Gruppe der Terpene gehören. Der Waldmediziner Qing Li aus Tokyo konnte nachweisen, dass einige dieser Terpene beim Einatmen unser Immunsystem stärken. Es vermehren sich die natürlichen Killerzellen, die Krankheitserreger aus unserem Körper entfernen. Terpene lassen aber auch mehr von den drei Anti-Krebs-Proteinen in unserem Blut entstehen, die potenzielle Krebszellen abtöten und bestehende Tumore bekämpfen.“

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Clemens Arvay, Autor, Biobauer und Agrarwissenschaftler.

Clemens Arvay, Autor, Biobauer und Agrarwissenschaftler. (Foto: lukasbeck.com)

Welche Bäume sind diesbezüglich hervorzuheben? „Von den Terpenen sind die Pinene und Limonene am wirksamsten auf unser Immunsystem. Sie werden vor allem von Nadelbäumen, besonders von Kiefern abgegeben. Die Rotkiefer ist bei uns Spitzenreiterin. Aber auch Laubbäume geben Terpene ab, ja sogar Pilze und Bodenorganismen.“

Und wie oft muss man im Wald sein, um die positive Wirkung zu nutzen? Der Agrarbiologe: „Man kann gar nicht zu oft im Wald sein. Studien zeigen, dass Menschen, die nicht in der Nähe eines Waldes wohnen, mindestens zwei volle Tage pro Monat in einem Waldgebiet verbringen sollten. Dann bleibt die immunsystemstärkende Wirkung dauerhaft aufrecht.“ Wobei Mischwälder, in denen auch Nadelbäume wachsen, wie Arvay sagt, am gesündesten seien, weil dort die Vielfalt an Substanzen in der Waldluft am höchsten ist.

Therapieform

Waldmedizin sei, betont der Autor, eine wissenschaftlich abgesicherte, ergänzende Therapieform: „Der Wald eignet sich als Raum für Psychotherapie, zur Erholung von psychischen Belastungen sowie wegen der Terpene in der Waldluft als Unterstützung bei allen Krankheiten, die auf eine Schwächung des Immunsystems zurückgehen.“ Man darf aber, betont Arvay, den Wald nie als Ersatz für medizinische Behandlungen sehen.

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