Es fehlen die Alternativen

von Karlheinz Lind

Einmal mehr hat sich Mais als zuverlässige Kulturart im Ackerbau bewährt und wird auch 2019 gefragt sein. Der Sojaboom ist vorbei.

In diesen Tagen finden landauf und landab wieder zahlreiche Ackerbautage statt. Immer wieder stellen dabei die steirischen Bäuerinnen und Bauern die gleichen Fragen: Wie plane ich meinen Frühjahrsanbau? Wie soll man auf etwaige Wetterextreme reagieren? Wie kann die gesetzlich geregelte Fruchtfolge am besten eingehalten werden?

Johann Posch, Abteilungsleiter für Saatgutproduktion bei der Raiffeisen Ware Austria (RWA) in Lannach, dazu: „Im vergangenen Jahr haben die Erträge bei Getreide unter den enormen Niederschlagsmengen besonders stark gelitten. Hier ist es im Herbstanbau auch zu keiner Ausweitung der Flächen gekommen.“ Zufrieden war man hingegen mit der Maisernte. Hohe Hektarerträge und minimale Maiswurzelbohrer-Schäden führten zu einem erfolgreichen Jahr 2018. Posch: „Hier rechne ich mit einem leichten Anstieg der Anbaufläche in der Steiermark“.

RWA-Abteilungsleiter für Saatgutproduktion, Johann Posch. Foto: Lind

Maisanbau

Diesen Trend bestätigt auch Karl Mayer, Ackerbauexperte der Landwirtschaftskammer Steiermark: „Gerade bei Mais ist derzeit mit einer konstanten Preisentwicklung ähnlich dem Vorjahr zu rechen. Weiters schwanken die Erträge weit nicht so stark wie bei anderen Kulturen. Somit wird es zu einer Ausweitung der Anbaufläche von einigen Prozent kommen.“ Sorgen bereitet ihm jedoch der heimische Sojaanbau: „Der Soja-Boom wird voraussichtlich vorbei sein“, sagt Mayer. Schuld daran ist ein rund 20-prozentiger Preisverfall, denn dieser ist innerhalb von einem Jahr von 360 Euro auf 300 Euro pro Tonne gefallen. Mayer: „Da müsste der Durchschnittsertrag von 3500 Kilogramm auf mindestens 4000 Kilogramm steigen, um wirtschaftlich gleich gut auszusteigen.“ Und das ist laut Mayer nach Rekorderträgen im letzten Jahr kaum möglich, denn „wir hatten 2018 ein super Soja-Jahr“.

Ackerbauexperte Karl Mayer sieht ein Ende des Sojabooms. Foto: Archiv

Preisverfall bei Soja

Der Grund für den Preisverfall ist übrigens der Handelskrieg zwischen der USA und China, so der Ackerbauexperte. „Aufgrund fehlender Exportmöglichkeiten unterstützt Präsident Trump den amerikanischen Sojaanbau in Milliardenhöhe. Und dieser Soja gelangt dann nach Europa und drückt die Preise“, erklärt Mayer. Somit sind die Alternativen im Ackerbau massiv geschrumpft, denn auch beim Ölkürbis sorgen volle Lager für extrem niedrige Preise und machen mit Ausnahme der Direktvermarkter den Anbau wirtschaftlich uninteressant.

Hirse

Besonders für Veredelungsbetriebe könnte jedoch auch die Hirse eine wichtige Alternative in der heurigen Anbauplanung sein. Mayer: „Hirse ist am Markt nicht handelbar, aber sie eignet sich gut für die Schweinefütterung.“ Körnerhirse verwertet Stickstoff hervorragend, ist sehr standfest und übersteht Trockenperioden am besten. Daraus ergibt sich ein gut gesicherter, hoher Ertrag. Sowohl in der Schweinemast als auch in der Ferkelaufzucht kann Körnerhirse bis zu 70 Prozent eingesetzt werden.

Ackerbau am Prüfstand

Beim Ackerbautag im Rahmen der diesjährigen Wintertagung des Ökosozialen Forums stellten Agrar-Experten den Ackerbau auf den Prüfstand. Klimatische Veränderungen und steigende Produktionsansprüche verschärfen die Situation für Ackerbaubetriebe in Österreich. Fakt ist, dass die Relation von im Inland erzeugten Nahrungsmitteln zum Verbrauch abnimmt. Die Bevölkerung nimmt zu, die Fläche wird weniger und das Klima bedingt stark schwankende Ernte-Erträge. Zugleich will man aber einen hohen Selbstversorgungsgrad bei stabilen Preisen. Künftig sind Wissenschaft, vor allem aber auch die Zivilgesellschaft und die NGO’s gefordert, sich beim Thema Pflanzenschutz vermehrt mit denjenigen zu beschäftigen, die die Arbeit am Acker verrichten. „Wir Bäuerinnen und Bauern müssen uns in den gesellschaftlichen Dialog mehr einmischen, damit die Bevölkerung uns wieder besser versteht. Eine Lebensmittel-Produktion im Inland ist bei weitem nicht selbstverständlich. Vielen Kritikern ist nicht bewusst, dass die vom Ausland importierten Erdäpfel mit mehr Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden als heimische Erdäpfel“, so der Österreichische Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

Beitragsbild: agrarfoto.com

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