Zeitreise ins Tal der Geschichte(n)

Das Österreichische Freilichtmuseum Stübing zeigt in liebevoller und kompetenter Weise das bäuerliche Leben von einst.

Das Museumsareal hier in Stübing erstreckt sich über ein gesamtes Steitental entlang der Mur nördlich von Graz – ein Naturschutzgebiet mit 65 ha Gesamtfläche – und beherbergt 97 historische Originalbauten aus ganz Österreich. Es zählt zu den 10 großen Freilichtmuseen Europas und macht die Wurzeln österreichischer Geschichte aus über sechs Jahrhunderten erlebbar. Vom Rüsthaus bis zur Greißlerei, in der sogar eingekauft werden kann, vom Bildstock bis zum Vierkanthof, von der wasserbetreibenen Säge is zum historischen Backofen sind sämtliche Bauten liebevoll und detailgetreu restauriert. Rund 130.000 Einzelobjekte zeigen ein abgerundetes Bild bäuerlicher Geschichte. Blühende Bauerngärten, weidende Tiere, arbeitende Handwerker und bewirtschaftete Felder bringen Leben in das Museumstal.

Wichtiger Wissensspeicher und Vermittler:

Zahlreiche Veranstaltungen im Jahreslauf laden zum Mitmachen, Zusehen und Eintauchen in vergangene Zeiten ein. Das Museum will nicht nur vermitteln, sondern es versteht sich auch als Wissensspeicher und Kompetenzzentrum für alte Handwerkstechniken. Über Kurse wird dieses Wissen gerne weitergegeben. In einer gesonderten Dauerausstellung wird dem historsichen bäuerlichen Leben, dem Feiern, dem Leben mit der Natur, dem Bauen und Wohnen und den bäuerlichen Fahrzeugen und Arbeitsgeräten detailreich auf den Grund gegangen.

Interessante Fakten:

Ältestes Objekt: Getreidekasten vom Silberberg aus Gro.stübing (1452)
Jüngstes Objekt: Seilerei aus Feldbach (1946)
Erstes Objekt: Rauchstubenhaus „Sallegger Moar“ aus Sallegg bei Birkfeld (1775) wurde 1963 im Österreichische Freilichtmuseum Stübing wieder aufgebaut.
Letztes Objekt: 2010 wurde das vorerst letzte Objekt die „Steffeln Hütte“ von der Blaa-Alm bei Altaussee in das Österreichische Freilichtmuseum Stübing transloziert.
Die Dachlandschaft des Österreichischen Freilichtmuseums setzen sich wie folgt zusammen:
17 Strohdächer: Die Haltbarkeit eines Strohdaches beträgt ~ 15 – 25 Jahre.
03 Ziegeldächer: Die Haltbarkeit eines Ziegeldaches beträgt ca. 50 – 70 Jahre, wobei es auch Ziegeldächer gibt die Teilweise 300 Jahre alt sind.
01 Steindach: Die Haltbarkeit ist mit der eines Ziegeldaches zu vergleichen.
76 Holzdächer: Hier beträgt die Haltbarkeit 30 – 50 Jahre.

Veranstaltungs-Tipp:

Allerheiligenstriezel-Backen im historsichen Backofen mit Bäuerin Edith Wallner. 25. Oktober, von 9 bis 16 Uhr.  Edith Wallner zeigt Große und Klein wie die Kunst des Zopfflechtens geht. 4er, 6er oder 8er Zopf wird so zum Kinderspiel.

Kontakt:

Österreichisches Freilichtmuseum Stübing
8114 Stübing, Enzenbach 32
Öffnungszeiten: 01.04. – 31.10.2014, täglich von 9 – 17 Uhr (Einlass bis 16 Uhr)
service@freilichtmuseum.at
www.stuebing.at

stübing2

 

Ein Museum zum Ausprobieren und Mitmachen für die ganze Familie. Hier wird der Sonntagsausflug zum Erlebnis.

 

 

 

 

stübing3 Greißlerei:

(Bauernhaus „Niggas“ aus Rauchegg bei Mosskirchen)
Mitte des 19. Jhs. versorgten sich noch ca. 60% der Bevölkerung mit Nahrung selbst. Stall, Acker und Garten lieferten, was der Haushalt benötigte. Das Aufkommen der Greißlerei im Dorf zu Beginn des 20. Jhs. war ein wichtiger Übergang der bäuerlichen Selbstversorgerwirtschaft zur beginnenden Marktwirtschaft. Der Greißler bot ein buntes Warensortiment von Nahrungsmit-teln über Luxusgütern wie Kaffee, Gewürzen oder Zucker bis hin zu Hausrat und Kleidung. „Während sonntags die Männer nach der Kirche im Gasthaus zusammentrafen, gingen die Frau-en einkaufen und hatten sich untereinander allerlei zu erzählen… ehe sie bedient wurden“ (G., 1902) In der Greißlerei des Museums kann man die Vielfältigkeit des Warenangebots von den Knöpfen bis zum Lampenzylinder bewundern.

 

stübing4

 

 

 

 

 

 

stübing5Schule aus Prätis bei Pöllau:

Trotz allgemeiner Schulpflicht im 19. Jh. war ein Schulbesuch für Kinder am Land oft schwierig. Viele Kinder versäumten den Unterricht, weil sie am Hof als Arbeitskräfte benötigt wurden, der Schulweg zu beschwerlich oder das Schulgeld zu teuer war. In den wenigen einfachen Dorf-schulen, wie auch die Schule aus Prätis, wurde den Kindern einfache Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen, Religion und Handarbeiten beigebracht. „Wenig Schulsachen haben wir gebraucht, eine Schiefertafel, eine hölzerne Federschachtel mit einem Griffel drinnen und ich glaub‘ ein Lesebuch und ein Rechenbuch haben wir auch gehabt. Sonst nichts.“ erinnert sich Paula (Hirschegg, geb. 1928). Wie ein Klassenzimmer einst ausgesehen hat und welche Schulutensilien den Kindern zur Verfügung standen, kann man in der alten Schule im Museum besichtigen.

 

stübing6 stübing7Kienspanhalter:

„Licht machen – das war früher eine Kunst!“ (A., 1920) Viele Arbeitsabläufe waren einst vom Tageslicht abhängig, weil das offene Feuer zumeist die einzige Quelle von Licht und Wärme beim Heizen, Kochen und Backen war. Da Kerzen für den täglichen Gebrauch zu teuer waren, war der tragbare Kienspan bis ins 19. Jh. oft einzige Lichtquelle. In einen Kienspanhalter einge-spannt, ermöglichte er auch nach Einbruch der Dunkelheit Tätigkeiten wie Spinnen, Stopfen oder diverse Reparaturen. Ein Kienspan mit einer Länge von 60 cm und einer Breite von 8 cm spendete ca. 20 Minuten schwaches, unregelmäßiges Licht. Erst im späten 19. Jh. hielten Petroleumlampen Einzug in die Bauernhäuser und mit ihnen helleres Licht.
Zu sehen gibt es so einen Kienspanhalter zum Beispiel im Rauchstubenhaus „Paule“.

 

Fotos: ÖFM Stübing / Harry Schiffer

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*