Kalter Mai vernichtete Blütenhonig

von Karl Brodschneider

Gedämpfte Freude bei den heimischen Imkern angesichts der heurigen Honigernte.

Ende Februar hatten die heimischen Imker die Sorge, dass die Bienen aufgrund der vorherrschenden milden Temperaturen schon ungewöhnlich früh aktiv werden würden. Aber es gab noch zu wenige Blühpflanzen . „Wenn es im März warm und im April kalt ist, wird es kritisch“, hatte zum Beispiel der Vollerwerbsimker Johannes Wieser aus Frohnleiten damals im Gespräch mit NEUES LAND formuliert. Die Monate März und April sind dann doch ganz anders gekommen als erwartet. „Die Frühentwicklung war spitze, wir waren sehr zuversichtlich“, beschreibt der Honigbauer Alois Rauch aus Oedt die damalige Situation. „Die Bienen arbeiteten fleißig. Wir hofften beim Blütenhonig auf eine traumhafte Honigernte!“ Das Mai-Wetter machte aber allen bis dahin angestellten Prognosen einen Strich durch die Rechnung. Beim Blütenhonig mussten die meisten Imker sogar einen Totalausfall hinnehmen.

Imker Alois Rauch zeigt, wie sich die Melezitose auf der Wabe darstellt.

Auch wenn es dann wieder einen beständig schönen und heißen Juni und Juli gab, was zumindest bei Wald- und Waldblütenhonig eine gute Tracht ergab, beschreiben die Bienenzüchter das heurige Jahr als mäßig. Alois Rauch nennt Zahlen: „Minus zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr und sogar minus vierzig Prozent im Vergleich zum Jahr 2015, als wir ein richtiges Traumjahr hatten.“

Festgewordener Honig

Dazu kommt ein heuer besonders stark aufgetretenes Problem, nämlich die Melezitose. Der Honig in der Wabe kristallisiert, wird fest und steht dann den Bienen nicht mehr zur Verfügung

Deutliche Auswirkungen auf den Preis wird es aber wohl nicht geben. „Wir produzieren zwar nur die Hälfte des in Österreich benötigten Honigs und könnten hier stärker auftreten“, meint Wieser, „aber es wird sich nicht viel ändern.“ Ärger überkommt ihn aber, wenn in Supermärkten auf Etiketten mit rot-weiß-roten Fähnchen für Honig geworben wird, der zwar in Österreich abgefüllt worden ist, aber zu 100 Prozent aus dem Ausland kommt.

In seinen Augen hat die heimische Imkerei aber einen großen Trumpf in der Hand, der ausgespielt werden muss: „Die Biene und der Honig verfügen über ein Top-Image. Darauf müssen wir beim Marketing und bei der Preisgestaltung stärker setzen!“

Auch Jacek Wojciechowski aus St. Lorenzen bei Knittelfeld, unser NL-Bauer des Jahres, erlebte ein durchwachsenes Honigjahr. Als Wanderimker hat er viele Völker in Niederösterreich und sagt: „Durch einen spürbaren Wandel in der Landwirtschaft werden die blütenreichen Bestände an Raps und Sonnenblume weniger. Oft werden nur noch Soja, Zuckerrüben, Getreide und Luzerne angebaut – alles keine Bienentrachtpflanzen.“ Und er bestätigt die Probleme, die viele seiner Berufskollegen hatten, wie die hohe Schwarmstimmung der Völker, hohe Melezitose-Gehalte im Honig und einen starken Druck durch die Varroamilbe. Als zumindest positiv bezeichnet er die Qualität des Honigs.

Exzellent dagegen verlief für ihn die Königinnenzucht. „Alle Serien haben sich gut begattet. Auch lokal gibt es großes Interesse und dieses zweite Standbein entwickelt sich für mich immer besser.“

Am Heiligen Berg

Auch einen weiteren Erfolg kann der Vollblutimker verbuchen. Bei seinem Aufenthalt als Berater am Heiligen Berg Athos in Griechenland – NEUES LAND berichtete darüber im April – wurde ein Video gedreht, das nun im September sogar auf der weltgrößten Imkereimesse in Kanada gezeigt wird.

 

Beitragsfotos: Heisters, Brodschneider

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