Jedes Mittel recht, um Erster zu sein

von Siegfried Soritz

Das Wissen um die blutgetränkte Geschichte im eigenen Land ist vielen jungen Indonesiern nicht bekannt. Sie stellten die Mehrheit der Wahlberechtigten bei der in dieser Woche in Indonesien stattgefundenen Präsidentschaftswahl. Von den 205 Millionen Wahlberechtigten machten die 17- bis 39-Jährigen mehr als die Hälfte der Wählerschaft aus.

Bei der Wahl in der drittgrößten Demokratie der Welt – nach Indien und den USA – profitierte der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat Subianto Prabowo am meisten von diesem fehlenden Wissen. Seine unrühmliche Vergangenheit als früherer Schwiegersohn des Diktators Suharto ist vielen unbekannt. Vor 25 Jahren galt Prabowo noch als einer der am meisten gefürchteten Männer des Landes. Der General soll in Osttimor ein Terrorregime geführt und Demokratieaktivisten entführt, gefoltert und getötet haben. Diese Zeiten kamen jetzt in den Wahlauftritten des 72-jährige Prabowo natürlich nicht vor. Stattdessen präsentierte er sich auf den Bühnen als lustiger Tänzer und in den sozialen Medien als niedlicher Großvater, der vor allem Katzen liebt.

Prabowo machte einen weiteren bemerkenswerten Schachzug. Als Vizepräsident nominierte er den Sohn des bisherigen Staatspräsidenten Widolo, der laut Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl antreten durfte. Damit überraschte er alle, schließlich hatte er bei der Wahl vor fünf Jahren noch erbittert gegen Widolo gekämpft. Aber ihm ist anscheinend jedes Mittel recht, um zum mächtigsten Mann in Indonesien aufzusteigen.

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