Weichberger

Ehrenring für das Lebenswerk von Waltraud Klasnic

von Karl Brodschneider

Die frühere Landeshauptfrau Waltraud Klasnic feierte den 75. Geburtstag und wurde vom Land Steiermark mit dem Ehrenring ausgezeichnet.

Am Dienstag, 27. Oktober, beging die ehemalige Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic den 75. Geburtstag. Einen Tag später, am Mittwoch, erhielt sie in der Aula der Alten Universität den Ehrenring des Landes. Das ist die höchste Auszeichnung des Landes. Vor ihr bekamen erst 116 Männer und Frauen diesen Ring.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer hielt die Laudatio. Er sagte: „Der heutige Festakt ist eine Feierstunde für eine Persönlichkeit, die in eindrucksvoller Weise für unser Land gewirkt und gearbeitet hat.“ Dann wurde er sehr persönlich: „Liebe Waltraud, du hast dich immer den menschlichen Schicksalen angenommen. Mit deinem Engagement hast du dich den Menschen in ganz besonderer Weise stets hilfs- und zuhörbereit gezeigt. Du hast vielerlei wertvolle Aufgaben für unsere Gesellschaft übernommen. Du hast dich mit außergewöhnlicher Initiative und unermüdlichem Engagement für deine Mitmenschen eingesetzt.“

Junge Gemeinderätin

Ehe Schützenhöfer dann zusammen mit seinem Stellvertreter Anton Lang die Ehrung vornahm, beschrieb er die wichtigsten Stationen im Leben der Jubilarin. Nach der Volks- und Hauptschule absolvierte die in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Waltraud Klasnic eine Ausbildung im Einzelhandel. Ab dem Jahr 1966 baute sie gemeinsam mit ihrem Gatten Simon ein kleines Transportunternehmen auf und widmete sich ihrer Familie. Ihre politische Karriere begann im Jahr 1970 als Gemeinderätin in Weinitzen. 1977 wurde sie Bundesratsmitglied. 1981 wurde sie Landtagsabgeordnete.

Im Jahr 1988 berief sie der damalige Landeshauptmann Josef Krainer als erste weibliche Wirtschaftslandesrätin Österreichs in die steirische Landesregierung. Zusätzlich war sie für den Tourismus zuständig, später auch für den Verkehr. Zur Landeshauptmannstellvertreterin wurde sie 1993 ernannt. Am 23. Jänner 1996 wurde sie zum ersten weiblichen Landeshauptmann in der Geschichte der Republik Österreich gewählt. Bei der Landtagswahl 2000 stellte sie sich an der Spitze der ÖVP der Wiederwahl. Dabei fuhr sie einen sensationellen Wahlsieg ein. Mit 47,29 Prozent der Stimmen und einem Plus von 11,04 Prozent war die Steirische Volkspartei unter den neun VP-Landesparteien die Nummer eins. Der Abstand zwischen der ÖVP und SPÖ stieg von 2414 auf 99.836 Stimmen.

Gegen Ende ihrer zweiten Amtsperiode zogen mit der Causa EStAG dunkle Wolken auf. Deren Ausmaße wurden erst bei der Landtagswahl 2005 so richtig sichtbar. Die Steirische Volkspartei musste eine Wahlniederlage einestecken. Nach über 70 Jahren verlor sie die Position des Landeshauptmannes. Noch am Wahlabend, dem 2. Oktober 2005, kündigte Waltraud Klasnic ihren Rücktritt an und schied im darauffolgenden Jänner aus der steirischen Landesregierung aus.

Nach der Politik-Zeit

Nach dem Rücktritt aus der Politik setzte sie sich jedoch nicht zur Ruhe. Mit ihrer sozialen Ader und ihrer Menschlichkeit fungierte sie unter anderem als Vorsitzende des Hilfswerk Austria und als Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich. Darüber hinaus übernahm sie die Aufgabe der Unabhängigen Opferschutzanwältin und setzte sich besonders für Betroffene von Missbrauch und Gewalt ein.

Am Festakt nahmen auch die Landesrätinnen Juliane Bogner-Strauß und Barbara Eibinger-Miedl, die Landesräte Christopher Drexler und Hans Seitinger, die frühere Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, VP-Klubobfrau Barbara Riener, Landtagspräsidentin Manuela Khom sowie Familienangehörige und Wegbegleiter der Geehrten teil.

 

Beitragsfoto: Land Steiermark/Foto Fischer

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