Droge oder Heilpflanze?

Der Konflikt um das Thema Hanf könnte bald Geschichte sein. CBD heißt die große Hoffnung, die auch eine Chance für die Landwirtschaft wäre.

Hanf, auch Cannabis genannt, ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Erde. Das liegt sicher daran, dass das einjährige, krautige Gewächs für eine Vielzahl an Produkten verwendet wird. So nutzt man beispielsweise Hanfstroh heutzutage gerne als Dämmmaterial, aus Blättern werden Tee oder Nahrungsergänzungsmittel gemacht. Die Samen, auch Hanfnüsse genannt, gelten als besonders gesund und werden gerne zu Speiseöl gepresst. Die Nutzung der Blüte als Heilmittel ist jedoch umstritten, da sie eine „psychoaktive“ Wirkung entfaltet und als Einstiegsdroge gilt.

Medizin

Doch gibt es in der Hanfpflanze über 100 verschiedene Cannabinoide – so werden diese medizinisch relevanten Inhaltsstoffe genannt, die hauptsächlich in der Blüte vorkommen. Verantwortlich für den klassischen Marihuana-Rausch ist das sogenannte THC – eine Abkürzung für die chemische Verbindung Tetrahydrocannabinol. In medizinischen Studien gut nachgewiesen ist die positive Wirkung in der Schmerztherapie. Auch bei Epilepsie, Schlafstörungen, Stress und zahlreichen anderen Krankheiten kann es positiv wirken. In Österreich ist laut AGES derzeit ein THC-haltiges Präparat als Arzneimittel zugelassen. Eine freie Nutzung von THC-haltigen Hanfblüten ist jedoch verboten.

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Der laut Experten medizinisch sogar weitaus interessantere Wirkstoff heißt CBD – diese Abkürzung steht für Cannabidiol – das auch einen großen Vorteil hat: es wirkt nicht psychoaktiv. Anbau, Verkauf und Konsum sind daher in Österreich derzeit legal, wenn der THC-Gehalt der Blüte unter 0,3 Prozent liegt. Welche Stoffe in welcher Menge vorhanden sind, ist eine Sortenfrage. Gerade bei gewöhnlichen Faser- und Körnerhanfsorten ist der THC-Gehalt nachweislich niedrig. Parallel können aber erhöhte Gehalte des „guten“ CBDs festgestellt werden.

Anbauversuche

Beim Versuchsreferat des Landes Steiermark reagierte man auf diesen Trend und plante in diesem Jahr einen Anbauversuch ein. Ziel war es herauszufinden, ob Sorten, mit denen es bereits Erfahrung gibt, auch für die CBD-Gewinnung verwendet werden können. Referatsleiter Johannes Schantl dazu: „Wir haben sechs Typen auf je 2,5 mal 100 Meter gesät. Die unterschiedlichen Cannabinoide analysierte ein Labor in Lebring.“

Schantl zu den Ergebnissen: „Dabei war ersichtlich, dass die THC-Gehalte nicht über dem erlaubten Grenzwert lagen. Gleichzeitig wurden CBD-Gehalte von 0,5 bis 1,2 Prozent gemessen. Speziell die beiden Faserhanfsorten Felina 32 und Fetora 17 brachten die besten Erträge.“ Rein rechnerisch käme man, laut Schantl, auf etwa 40 kg CBD pro Hektar. Zusätzlich fand man heraus, dass mit fortschreitender Blühdauer der Ertrag höher ist. Schantl weiter: „Bei den von uns getesteten Sorten wäre wahrscheinlich eine Doppel- oder sogar Dreifachnutzung möglich. Blütenstände für die CBD-Gewinnung, Blätter für Tees und die restliche Pflanze für die Faserproduktion.“ Im kommenden Jahr ist eine Intensivierung der Anbauversuche geplant.

Beitragsbild: nik0.0kin – stock.adobe.com Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

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