Diese Jahre sind nicht zu vergleichen

von Karlheinz Lind

Josef Kurz, Landesleiter der Österreichischen Hagelversicherung, über erste Unwetterschäden, die Wettervorhersage und große Gefahren.

 

NEUES LAND: Am vergangenen Wochenende wurde die Steiermark von den ersten Unwettern heimgesucht. Wer war betroffen und welche Schäden wurden bei der Österreichischen Hagelversicherung gemeldet?

Landesleiter Josef Kurz: Am Samstag am späten Nachmittag bauten sich im Mürztal erste kleine Gewitterzellen auf, die sich Richtung Wechsel und weiter ins Mittelburgenland sowie in die Oststeiermark verstärkten. Die Folge waren Stürme, Starkniederschläge und kleinräumige Hagelunwetter. Besonders betroffen waren in der Steiermark die Gemeinden Pinggau uns Schäffern, wo der erste Schnitt im Grünland teilweise stark zerstört wurde. In den Obstbauregionen entstanden vereinzelt Schäden an nicht durch Netze geschützten Früchten.

 

NL: Wie sieht der heurige Schadensverlauf im Vergleich zum Vorjahr aus?

Kurz: Die beiden Jahre kann man nicht vergleichen. Hatten wir im Vorjahr bereits im April und im Mai mit Überschwemmungsschäden im Ackerbau zu kämpfen, so mussten heuer die Obst- und Weinbauern wegen der drohenden Spätfröste zittern. Erinnerungen an die Katastrophenjahre 2016 und 2017 wurden wieder wach. Zum Glück sind wir – was den Spätfrost betrifft – mit einem blauen Auge davon gekommen. Lediglich in der Weststeiermark gibt es in tieferen Lagen vereinzelnd Schäden.

 

NL: Bei der Österreichischen Hagelversicherung beschäftigt man sich intensiv mit den Themen Klimawandel und Klimaextreme. Welche Schlüsse lassen sich daraus für die steirische Landwirtschaft ziehen?

Kurz: Der Klimawandel ist ein Faktum, das bestätigt auch die Wissenschaft. Die standortgebundene Landwirtschaft ist von den Folgen massiv betroffen und sehr verletzbar. Unsere Aufgabe ist es, den Landwirten, Winzern und Gärtnern einen möglichst umfassenden Versicherungsschutz anzubieten.

 

NL: Werden wir in Zukunft vermehrt mit Sturm, Hagel, Starkniederschlag oder Trockenheit rechnen müssen?

Kurz: Zum einen nehmen die Unwetter in Häufigkeit und Intensität zu, zum anderen spezialisieren sich unsere Landwirte zunehmend. Daher ist ein umfassendes Risikomanagement mittlerweile eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

 

NL: Eine präzise Wettervorhersage gewinnt ständig an Bedeutung. Wie reagiert man bei der Österreichischen Hagelversicherung darauf? Welche Angebote gibt es?

Kurz: Mit unserem Wetterservice auf www.hagel.at und über die Handy-App steht unseren Kunden ein präzises Tool für Wettervorhersagen und Analysen zur Verfügung. Mit dem Satellitenservice AgraSat können die versicherten Landwirte sogar aktuelle Satellitenbilder zu ihren Feldstücken abrufen und genaue Informationen zum Pflanzenwachstum einsehen.

 

NL: Immer öfter empfehlen Experten eine professionelle Risikovorsorge. Nehmen steirische Bäuerinnen und Bauern diese Empfehlung ernst?

Kurz: Ja, unsere Landwirte wissen um die existentiellen Gefahren rund ums Wetter Bescheid und nehmen intensiv von den Versicherungsmöglichkeiten Gebrauch. Auch die Gefahr durch Tiersuchen ist den Landwirten absolut bewusst. All diese Risikovorsorgen werden durch Bund und Länder unterstützt, sodass Landwirte nur mehr 45 Prozent der Prämie bezahlen. Das ist in Europa einzigartig.

Info: www.hagel.at

Beitragsbild: Österreichische Hagelversicherung

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