Vom Feld ins Häferl

von Robert Matzer

Johannes Krois aus Feldkirchen bei Graz startet mit einem ungewöhnlichen Produkt richtig durch. Steirischer Kaffee aus Süßlupinen.

Weder wachsen noch weichen! Das ist die Devise von vielen kleinen und innovativen Betrieben. So auch von Johannes Krois aus Feldkirchen bei Graz. Er bewirtschaftet einen Ackerbaubetrieb mit 25 Hektar im Vollerwerb und hielt bis vor wenigen Jahren noch 16 Milchkühe. Jetzt hat er zwar keine Milch mehr, dafür aber Steirerkaffee. Krois erzählt: „Die Situation wurde für uns seit dem EU-Beitritt – trotzt hohem Anteil an Milch-Direktvermarktung – nicht gerade einfacher. Wachstum war für mich keine Option, schon aufgrund der Lage unseres Betriebs und fehlender Flächen. Also wollte ich eine Alternative finden und im Bereich Kaffee habe ich noch Potential gesehen.“

Renaissance

So begann er sich 2015 intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, musste aber einsehen, dass sogar die robusteste Bergsorte nicht für unsere Breitengrade geeignet ist. Ein Blick in die Geschichte des Kaffees in Europa brachte schließlich die zündende Idee. „Die Süßlupine war vor 1900 für die Herstellung eines kaffeeähnlichen Getränks, vor allem auch in Deutschland, stark verbreitet. Erst als Kaffee zunehmend erschwinglich wurde, war ihr Ende damit besiegelt. Die letzten Röstereien für Lupinen sperrten in Deutschland in den 1920er und 1930er Jahren zu“, erklärt Krois. Knapp hundert Jahre später feiert sie als regionaler Kaffeeersatz, der gluten-, koffein- und säurefrei ist, wieder ihre Renaissance. Das Problem bei jedem Ersatzprodukt ist aber, so Krois, der Geschmack. Und um diesen so nah wie möglich an das Original zu bringen, widmete er fortan seine ganze Aufmerksamkeit der Röstung der Lupinenkörner und deren weitere Verarbeitung.

Ein eigener Röstapparat für die Süßlupine

Johannes Krois mit seiner Röstmaschine. Foto: Matzer

Er suchte nach einer geeigneten Maschine dafür, weshalb ihn seine Wege unter anderem nach Prag führten. Dort konnte er mit einer speziellen Röstmaschine Erfahrungen sammeln, die für die Entwicklung von Röstvorgängen verwendet wird. Mit zahlreichen Einstellmöglichkeiten tüftelte er schließlich auf seinem eigenen Gerät – es ist das erste seiner Bauart in Österreich – so lange, bis er das optimale Röstprogramm gefunden hatte. Danach ging es noch an die Optimierung des Mahlprozesses. Das Ergebnis kann sich sowohl als Filterkaffe, in der Mokkakanne oder als klassischer Espresso schmecken lassen.

Die Süßlupine

Als Leguminose ist die Süßlupine alle vier bis fünf Jahre in der Fruchtfolge sinnvoll. Jede Schote enthält in etwa drei bis fünf Körner. Damit liefert sie einen Ertrag von bis zu drei Tonnen Körner pro Hektar. Heute gibt es zahlreiche Produkte aus Lupinen als Ersatz für Mehl, Milch oder Fleisch. Kaffee aus Lupinen gilt als sehr bekömmlich.

Alternative am Acker: Die Süßlupine

Die Süßlupine in voller Blütenpracht im Grazer Feld. Foto: Krois

Beitragsbild: Matzer

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