Die Kultur des Alterns

von Robert Matzer

Die spannenden Ergebnisse einer Studie mit Menschen im hohen Alter sollen wegweisend für politische Entscheidungen sein.

Die Menschen werden älter und erreichen erfreulicherweise oft ein hohes Lebensalter. Die Gruppe der über 80-jährigen in unserer Gesellschaft wächst heutzutage am stärksten. Doch welche Bedürfnisse, Ängste, Wünsche und Potentiale haben Hochaltrige eigentlich? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine langjährige Studie der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Altersfragen (ÖPIA). Die Ergebnisse sind sehr interessant und sollen nun wegweisend für zukünftige politische Entscheidungen sein.

Lebensfreude

Landesrat Christopher Drexler, zuständig für Gesundheit und Pflege: „Es soll nicht nur über ältere Menschen, sondern vor allem mit ihnen geredet werden. Daher unterstütze ich diese Studie schon seit ihren Anfängen im Jahr 2013, denn mit diesen Ergebnissen haben wir eine solide Basis für eine zukünftige Optimierung der Lebenssituation von Hochaltrigen.“ Und was die Forscher herausgefunden haben, ist spannend. So leiden etwa 70 Prozent der über 80-jährigen unter mehr als zwei chronischen Krankheiten. 43 Prozent nehmen täglich fünf oder mehr Medikamente ein und 40 Prozent der Menschen stehen unter Demenzverdacht. Gut ein Drittel leidet außerdem unter fehlender Mobilität. Die Lebensfreude ist bei vielen trotzdem erhalten geblieben – 75 Prozent geben ihre Lebenszufriedenheit mit hoch oder sehr hoch an.

Die Autoren der Studie Andreas Stückler und Georg Ruppe mit Landesrat Christopher Drexler bei der Präsentation der Studie: Foto: steiermark.at/Streibl

Grund zur Sorge bereitet jedoch die Entwicklung der sogenannten „gesundheitlichen Ungleichheit“. Georg Ruppe, der Projektleiter und Hauptautor der Studie, dazu: „Ältere Menschen mit hohem Einkommen und guter Bildung sind mehr als doppelt so häufig bei guter Gesundheit.“ Damit klafft die Schere zwischen Arm und Reich bei Hochaltrigen besonders weit auseinander.

Potentiale

Wie wird die Politik in der Steiermark auf diese Ergebnisse nun reagieren? Drexler: „Wir sehen, dass wir zu viel Aufwand in die stationäre Langzeitpflege gesteckt haben. Die Ergebnisse bestätigen, dass ältere Menschen am liebstem im eigenen Zuhause bleiben möchten. In Zukunft werden wir verstärkt alternative Wohnformen, Tageszentren und mobile Dienste unterstützen. Außerdem müssen wir uns stärker vor Augen führen, dass im hohen Alter auch zahlreiche Potentiale bestehen, die es zu unterstützen gilt. Dazu müssen wir beginnen uns bereits in jüngeren Jahren aktiv mit dem Altern auseinanderzusetzen – wir brauchen eine neue Kultur des Alterns.“

Die Studie

Die Hochaltrigenstudie wird von der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Altersfragen (ÖPIA) seit 2013 in enger Zusammenarbeit mit dem Ressort Gesundheit und Pflege, unter Führung von Landesrat Christopher Drexler, durchgeführt. In der Steiermark werden mehr als 400 Menschen über 80 Jahren begleitet und regelmäßig zu ihrer Lebenssituation befragt. Die Studie ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Die zweite Phase wurde nun abgeschlossen, die dritte ist in Planung. Details und Ergebnisse finden Sie auch unter www.oepia.at.

Beitragsbild: Robert Kneschke – stock.adobe.com

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