Weichberger

Anders denken

von NEUES LAND

Eine weltweite Studie mit steirischer Beteiligung zeigt auf, wie Menschen die Covid-Pandemie emotional besser bewältigen können.

Wer es schafft, schwierige Situationen bewusst neu zu bewerten, fühlt sich besser – quer durch die Kulturkreise und unabhängig vom Alter. Das ist das Ergebnis einer Studie mit über 20.000 Teilnehmenden aus 87 Ländern, an der auch Psychologen und Psychologinnen der Universität Graz beteiligt waren.

Die Versuchspersonen zwischen 18 und 90 Jahre Jahren suchten dabei nach positiven Seiten von Situationen aus der ersten Welle der Pandemie, die normalerweise als angsteinflößend, bedrohlich oder traurig empfunden wurden. Das Forscherteam zeigte ihnen Fotos von Patienten auf Intensivstationen oder von abgeschotteten Menschen zuhause oder in Heimen und verknüpfte diese mit Sätzen wie „Die medizinischen Systeme lernen jetzt, mit erstaunlichen Herausforderungen umzugehen, was sie in Zukunft viel widerstandsfähiger machen wird“ oder „Diese Situation hilft uns zu erkennen, wie wichtig sinnvolle soziale Beziehungen sind“.

Positive Aspekte

Nach einer Einübungsphase gelang es vielen erstaunlich schnell, selbst positive Umdeutungen der Szenen zu finden. „Diese Studie belegt, dass die gedankliche Neubewertung für uns alle eine einfache und wirksame Strategie ist, um mit emotional belastenden Ereignissen besser umzugehen“, erklären Gabriela Hofer und Hilmar Brohmer vom Institut für Psychologie der Universität Graz.

Positive Aspekte der Pandemie zu finden, helfe nicht allein über Schmerz und Trauer hinweg, die man etwa durch den Verlust eines geliebten Menschen oder aufgrund von Long Covid empfindet. „Aber ein emotional stabiler Zustand ist eine wichtige Voraussetzung, um Krisen gut zu bewältigen.“ Die gedankliche Neubewertung kann man trainieren und auch auf andere Situationen anwenden, dafür braucht es Übung und Kreativität. „Je einfallsreicher Menschen in alltäglichen Situationen sind, desto leichter fällt ihnen vermutlich eine Neubewertung von belastenden Situationen“, so Brohmer. Man geht davon aus, dass die positiven Effekte des „Umdenkens“ zumindest einige Tage anhalten könnten. Das ist allerdings von Einflussfaktoren wie medialer Berichterstattung abhängig.

Die Studie wurde über das kürzlich gegründete Netzwerk Psychological Science Accelerator durchgeführt, in dem die Uni Graz mit hunderten Forschungseinrichtungen weltweit kooperiert. 467 Forschende aus 389 Einrichtungen waren beteiligt.

 

Beitragsfoto: Nathakrit – stock.adobe.com

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