Der Mensch braucht Schlaf!

Schlafstörungen sind weit verbreitet. Quantität und Qualität der Bewusstseinspause bestimmen, ob man sich nachts gut erholt.

Ein Mann braucht sieben bis acht Stunden Schlaf. Eine Frau acht bis neun Stunden. Manfred Walzl, Leiter der Schlafmedizin am LKH Graz Süd-West, lässt keinen Zweifel daran, dass an diesen Werten nicht zu rütteln ist. Auch wenn die meisten Menschen hierzulande auf nicht viel mehr als sechs Stunden Bewusstseinspause pro Nacht kommen. Fakt ist aber, dass bereits jeder dritte Österreicher Schlafstörungen hat, gibt der Experte zu bedenken. Gerade in der Landwirtschaft sind lange Arbeitstage Standard – und damit oft auch chronischer Schlafmangel.

Warnt vor Schlafdefiziten: Der Neurologe Manfred Walzl.

Warnt vor Schlafdefiziten: Der Neurologe Manfred Walzl.

Wesentlich für einen gesunden Schlaf ist nicht nur seine Quantität, sondern auch seine Qualität. Dabei geht es um den strukturierten Wechsel von Tiefschlaf- und Traumphasen in Zyklen von 60 bis 90 Minuten. „Der Organismus befindet sich tagsüber in einem relativ chaotischen Zustand, in der Nacht wird er neu geordnet. Das Gehirn wird praktisch chemisch gereinigt. Schlaf ist ein hochaktiver Prozess“, sagt Schlafforscher Maximilian Moser vom Human Research Institut für Gesundheitstechnologie und Präventionsforschung in Weiz. In den Traumphasen werden Tagesereignisse verarbeitet. Die Muskulatur ist in dieser Zeit übrigens wie gelähmt.

Stille Entzündungen

Eine niedrige Herzfrequenz und eine hohe Aktivität des Hirnnervs Vagus sind verantwortlich für einen guten Erholungswert. Faktoren wie Stress, Reizüberflutung und ein für den Organismus zu hoher Blaulichtanteil am Abend und nachts reduzieren die Vagus-Aktivität jedoch. Es ist möglich, dass im Körper unbemerkt stille Entzündungen entstehen, die zu chronischen Erkrankungen führen können. Schlechter Schlaf schwächt die Immunabwehr und macht anfälliger für gesundheitliche Probleme.

Beim Einsatz von Schlafmitteln ist allerdings Vorsicht geboten. Sie können eine hohe Schlafqualität nicht gewährleisten. Lieber sollte man, so rät Walzl, auf Wirkstoffe aus der Natur wie Melisse, Hopfen, Baldrian und Johanniskraut setzen. Ein bewährtes Mittel ist auch Milch mit Honig. Milch enthält die Aminosäure Tryptophan, die die Bildung des Schlafhormons Melatonin unterstützt.

Kann man über den Zeitraum von einem Monat entweder drei Mal pro Woche eine halbe Stunde lang nicht einschlafen oder plagen einen nachts drei Mal Wiedereinschlafschwierigkeiten, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Schlaf-Tipps

Schlafarchitektur als Forschungsfeld: Chronobiologe Maximilian Moser.

Schlafarchitektur als Forschungsfeld: Chronobiologe Maximilian Moser.

Den Schlafbedarf, den der Körper signalisiert, sollte man laut Schlafmediziner Manfred Walzl decken. Sonst drohen gesundheitliche Folgen physischer oder psychischer Natur. Ein Schlafritual ist wichtig: Es ist ratsam, immer zur ungefähr gleichen Zeit schlafen zu gehen und aufzustehen.

Die Schlafumgebung sollte nicht überhitzt, frei von elektronischen Geräten und nächtlichen Lichtquellen sein. Schwere Arbeit, sportliche Betätigung und Stress sind spätabends zu vermeiden.

Ernährungstechnisch sind Kohlehydrate wie Reis, Nudeln oder Fisch die richtige Wahl bevor die Verdauung um 19 Uhr Dienstschluss macht. Achtung bei Nikotin, Koffein und Alkohol: zu viel davon wirkt sich negativ aus.

 

 

 

Fotos: fotolia.com/jottess, fotolia.com/Edler von Rabenstein, fotolia.com/Andrey Popov, Jauschowetz, Martin Steinthaler

 

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