Parktherme

Gefahr Fenstersturz

von NEUES LAND

Fensterstürze können für Kinder schwerwiegende Folgen haben. Versperrbare Fenstergriffe retten Kinderleben.

Vergangene Woche ist ein siebenjähriges Mädchen vor den Augen seiner zwei- und vierjährigen Geschwister in Wien aus dem Fenster gestürzt. Seitdem liegt es im Koma. Die Eltern waren einkaufen gegangen, die Kinder versuchten ihnen durch das Fenster „nachzukommen“. Der Verein „Große schützen Kleine“ an der Uni-Klinik Graz appelliert eindringlich an Eltern: „Übertragen Sie Ihrem Kind in diesem jungen Alter niemals die Verantwortung für jüngere Geschwister und montieren Sie versperrbare Fenstergriffe.“

Holger Till, Vereinspräsident und Vorstand der Grazer Uni-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie, warnt: „Fenster üben für Kinder eine große Faszination aus. Sind sie geöffnet, ist der Drang die Welt da draußen zu entdecken groß. Bei einem Kleinkind ist der Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper doppelt so groß und schwer wie bei einem Erwachsenen. Es besteht also die große Gefahr, dass das Kind über alles, das niedriger als auf Nabelhöhe ist, leicht vornüberkippen kann“.

Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins weiß: „Laut langjähriger Betrachtung sind die Kinder zumeist unter fünf Jahre alt – das betrifft drei Viertel der Stürze – und in 65 Prozent der Fälle männlich. Allein im 2. und 3. Lebensjahr geschieht jeder zweite Fenstersturz. Rund jeder sechste Fenstersturz endet tödlich.“ Die Unfälle passieren dabei das ganze Jahr hindurch, besonders häufig aber von Mai bis September. Gerade in der „Corona-Zeit“, in der die Kinder fast immer zu Hause sind, ist die Gefahr noch größer.

Im Gegensatz zum Fenstersturz, der vorwiegend bei Kleinkindern passiert, betreffen andere Stürze aus der Höhe vor allem ältere Kinder und Jugendliche. Diese verunfallen beim Erklettern von Balkongeländern und Fabriksdächern. Das mangelnde Gefahrenbewusstsein bei den Jüngsten und die Risikolust bei den Älteren sind die Hauptunfallursachen.

Sicherheitstipps

  • Versperrbare Fenstergriffe montieren oder Fensterriegel aus Plastik oder Metall am Fensterrahmen anbringen.
  • Kinder sollten sich beim Lüften nicht allein im Raum aufhalten. „Aufstiegshilfen“ wie Sessel, Couch und Spielkisten sollten nach Möglichkeit nicht direkt an Fenstern stehen.
  • Insektengitter und Katzennetze bieten keinen Schutz vor Fensterstürzen. Kinder dürfen sich niemals gegen diese lehnen.

Foto: yuliiapedchenko – stock.adobe.com

Zum Thema passend

Einen Kommentar abgeben

Diese Website benutzt Cookies. Wenn sie die Website weiter nutzen, gehen wir von ihrem Einverständnis aus. Ich stimme zu Datenschutzerklärung