Lustige Begebenheiten aus dem Leben von Peter Rosegger und Landeshauptmann Josef Krainer I. sowie eine unbeabsichtigte Werbeaktion eines Wanderzirkus im Ennstal. Gesammelte Anekdoten von Herbert Blatnik.
Ein Meistererzähler für außergewöhnliche und lustige Geschichten war der steirische Dichterfürst Peter Rosegger. Hielt er einen seiner begehrten Vorträge, so beendete er diese oft mit einer Anekdote. Eine seiner Lieblingsanekdoten durfte er selbst am Grazer Murkai erleben. In seinen letzten Lebensjahren hielt er sich zur kalten Jahreszeit am liebsten in seiner Grazer Wohnung auf. Da er an einer Lungenkrankheit laborierte, empfahl ihm sein Arzt, ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen. Also spazierte er täglich schon früh am Morgen am Murkai entlang.
Oft kam ihm dort ein Mann entgegen, im Eilschritt und mit einer Aktentasche unter dem Arm. Vermutlich ein Beamter, dachte sich Rosegger. Stets lächelte ihm der Mann schon von weitem entgegen, zog höflich den Hut und begrüßte ihn überschwänglich. Rosegger wurde neugierig und fragte den Mann eines Morgens: „Sie begrüßen mich immer so freundlich, kennen wir uns von irgendwo?“ Der Mann antwortete: „Nein, ich glaube nicht, aber ich freue mich immer, wenn ich sie sehe, weil sie unserem berühmten Dichter Rosegger so ähnlich schauen.“
Wahlveranstaltung in Eibiswald
Einige lustige Begebenheiten sind von unserem 1971 verstorbenen Landeshauptmann Josef Krainer überliefert. Im April 1965 gab es wieder einmal eine Gemeinderatswahl. In Eibiswald, wo die ÖVP seit Jahrzehnten den Bürgermeister stellte, konnte man einige Wochen vor der Wahl auf den Gesichtern der ÖVP-Gemeinderäte deutliche Sorgenfalten erkennen, wenn von der Wahl die Rede war. Ohne Genaues zu wissen, denn Meinungsbefragungen vor einer Wahl waren noch nicht üblich, schien ein beträchtlicher Teil der Bürgerschaft diesmal sozialdemokratisch zu wählen. Daher bat die ÖVP-Fraktion Josef Krainer zu einem Wahlabend nach Eibiswald zu kommen.
Etwa eine Woche vor der Wahl kam der Landeshauptmann wirklich und hielt im Eibiswalder Kinosaal Hasewend einen Vortrag über die Leistungen der Volkspartei. Der Saal war gerammelt voll, auch Mandatare anderer Parteien waren unter den Zuhörern. Nachdem er mit seinen Ausführungen zu Ende gekommen war, ermunterte er die Gastgeber der Volkspartei, positiv zu denken. Unter anderem sagte er: „Ihr müsst´s so denken wie die Maus, die von einer Katze g´fangen worden ist. Wie die Katz die Maus über die Stiegn hinauf´tragen hat, hat die Maus g´sagt, mir kommt vor, es geht eh schon wieder aufwärts!“[1]
Der ausgebüxte Löwe
In Liezen passierte im Herbst 1935 etwas, das allgemein als gefährliche Werbeaktion eines Zirkusdirektors galt, hätten nicht Recherchen der Gendarmerie eindeutig auf ein Unglück hingewiesen. An einem Vormittag kam der ungarische Zirkus Lajos mit mehreren Pferdegespannen für ein Gastspiel in Liezen an.[2] Da stürzte plötzlich in einer scharfen Kurve ein Käfigwagen mit einem Löwen, einem Bären und zwei Wölfen um. Die Tür ging auf und der Löwe war der erste, der aus dem Wagen heraussprang. Mit sichtlicher Freude über die neue Freiheit hechtete er über einen hohen Gartenzaun und lief in eine Villa, stieg die Treppe bis zum Hochparterre hinauf und schlug mit seinen Pranken gegen eine Tür, die zum Glück fest verschlossen war und nicht nachgab.
Die Gendarmerie machte sich mit schussbereiten Gewehren auf die Raubtierjagd, denn inzwischen liefen auch der Bär und die beiden Wölfe im Ort umher. Der Marktplatz war für eine halbe Stunde wie ausgestorben. Die Zirkusleute konnten den Löwen bald mit einem Stück Fleisch wieder in den Wagen zurücklocken und auch die Wölfe mit Seilschlingen fangen, nur der Bär gebärdete sich wie verrückt und wollte von einer Gefangennahme nichts wissen. Doch mit viel Geschick konnte auch er in seinen Zwinger zurückgebracht werden. Dass dieser Vorfall so glimpflich endete, war ein Wunder, denn einigen Passanten war es nicht mehr gelungen, in ein Haus zu flüchten, weil die Tore schon alle versperrt waren, mit Ausnahme der Kirche, wohin sie schließlich fliehen konnten.
Ein neuer Frauenchor
Eine „herrliche“ Anekdote erfuhren wir von der jüngsten Tochter des Schulleiters und Schriftstellers Karl Reiterer, der in einem seiner Ennstaler Dienstorte einen Frauenchor gründen wollte.[3] Einige Sängerinnen gehörten dem Kirchenchor an, wollten aber wegen einer Kontroverse mit der Pfarre ihren Dienst aufkündigen und einen eigenen Chor gründen. Reiterer, der sie alle kannte, sollte ihnen dabei helfen. Jedoch erfuhr er, dass die Neugründung auf heftigen Widerstand der Obfrau des Kirchenchores stieß, die mit dem Bürgermeister verheiratet war und von der man munkelte, dass sie im Ort weit mehr zu reden hatte als der Bürgermeister selbst. Man riet Reiterer, die Sache mit der Dame zu besprechen. Also begab er sich in Begleitung seiner Tochter Nelli, die dem neuen Chor gerne beigetreten wäre, in das bürgermeisterliche Haus. Die Besprechung begann ruhig und sachlich. „Frau Bürgermeister“ meinte, die abtrünnigen Sängerinnen seien die besten des Chores, wenn die weggingen, würde der Chor auseinanderfallen usw. Reiterer konterte, ein neuer Chor wäre eine Bereicherung für den ganzen Ort. Nun wurde die Frau plötzlich ausfällig und riet Reiterer, sich in die Sache nicht einzumischen. Aufgeregt rief sie laut, „Was wolln´s denn mit so an Frauenchor, des is jo nix, do müss´n Männer dabei sein. Wenn Frauen allan singen, des hört sich so an, wie wenn man die Kotz mit´n Schwanz bei da Tür einklemmt!“ Der Chor kam nicht zustande.
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[1] Mitteilung vom „Landesredner“ der ÖVP Otto Hofmann-Wellenhof.
[2] Grazer Volksblatt, 11. 10. 1935, „Löwe, Bär und Wolf in den Straßen von Liezen“.
[3] Sammlung Blatnik, Protokoll der Befragung von Nelli Reiterer, Graz.