Für die Jungen offener sein!

Die neue Landesleiterin der Landjugend Steiermark im Interview über Brücken zur Heimat, Politikverdrossenheit und ihre Rolle als Sprachrohr.

NEUES LAND: Sie haben sehr jung in der Landjugend Karriere gemacht, waren bereits mit 17 Jahren Ortsgruppenleiterin. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Landesleiterin Marlies Hiebaum: Am Anfang war’s nicht ganz leicht. Wer so jung ist, wird natürlich manchmal unterschätzt. Wenn man beweisen kann, dass man was drauf hat, gibt’s allerdings dann besondere Wertschätzung.

NL: Was hat Sie in Ihrem bisherigen Leben besonders geprägt?

Hiebaum: Ganz eindeutig unsere große Familie, die Herkunft vom Bauernhof. Wenn – etwa bei der Ernte – Hilfe gebraucht wird sind wir alle da. Aber es ist auch insgesamt schön und wichtig, wenn man daheim immer ein offenes Ohr findet. Bei uns geht das besonders gut, weil wir alle im selben Ort leben.

NL: Sie haben sehr nahe von zu Hause einen Arbeitsplatz als Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester gefunden. Viele junge Frauen verlassen den ländlichen Raum, weil sie keine adäquaten Arbeitsplätze finden.

Hiebaum: Das mit den Arbeitsplätzen wird nicht so leicht lösbar sein. Ich denke, dass wir auch bei diesen jungen Frauen darauf achten sollen, dass es Brücken zu ihrer Heimat gibt, dass sie sich dem ländlichen Raum auch weiter verbunden fühlen.

NL: Man hört sehr oft von der Politikverdrossenheit junger Leute. Ist sie wirklich so groß, wie manche behaupten?

Hiebaum: Jein. Ein grundsätzliches Interesse an Politik gibt es unter jungen Leuten, wie ich immer wieder in vielen persönlichen Gesprächen merke. Allerdings sind manche junge Leute von komplexen Themen und auch von der Sprache der Politik überfordert. Ich meine, dass sich die Politik für die Jugend einfach besser verständlich machen sollte. Sie sollte sich auch jüngeren Themen zuwenden.

NL: Welchen zum Beispiel?

Hiebaum: Ich habe in meiner bisherigen Tätigkeit gelernt, dass nicht wenige junge Leute sehr gute Ideen haben, die sie gerne auch umsetzen möchten. Mit unserer Aktion „Landjugend am Wort“ ist da einiges ins Laufen gekommen. Aber speziell in der Kommunalpolitik müsste man diesem jungen Tatendrang einfach etwas offener gegenüber stehen.

NL: In den letzten beiden Jahren war „Heimat“ das Schwerpunktthema der Landjugend. Hat sich das bewährt? Wie gehen Sie damit um?

Hiebaum: Das hat sehr viel bewegt – und vor allem eines gezeigt: Junge Leute schätzen ihre Heimat und haben ganz unterschiedliche Zugänge dazu.

NL: Wie sieht Ihrer aus?

Hiebaum: Ich fühle mich sehr wohl in unserem Ort und seiner Umgebung. Und ich freue mich immer wieder, nach Hause zu kommen. Das betrifft natürlich ganz besonders meine Familie, ich weiß aber auch die vielen freundschaftlichen Gespräche zu schätzen, die sich in der Nachbarschaft ergeben. Mir ist Kommunikation insgesamt sehr wichtig.

NL: Was bezeichnen Sie als Ihre wichtigsten Aufgaben?

Hiebaum: Ich möchte Anliegen aufnehmen und sie an die richtigen Adressen weitergeben – also so etwas wie ein Sprachrohr sein. Zum Teil geht es aber auch um ganz pragmatische Dinge. Im ländlichen Raum ist Mobilität für junge Leute oft ziemlich schwierig – vor allem für die, die kein eigenes Fahrzeug oder noch keinen Führerschein besitzen. Da geht es dann ganz einfach darum, jemanden im Auto mitzunehmen.

NL: Was prägt denn neben Landjugend, Job und Familie noch ihr Leben?

Hiebaum: Da bleibt einfach kein Platz mehr. Das ist auch nicht notwendig, denn die Landjugend in all ihrer Vielfalt ist ein wunderbares Hobby.

Zur Person

Marlies Hiebaum aus Eggersdorf bei Graz ist 22 Jahre jung und schon seit dem Jahr 2007 bei der Landjugend. 2011 wurde sie Leiterin der Ortsgruppe Eggersdorf, 2013 kam sie in den Bezirksvorstand Graz-Umgebung und im Vorjahr auch in den Landesvorstand. Hiebaum – sie hat vier Geschwister – kommt von einem Nebenerwerbsbauernhof, den ihre Mutter führt. Die Schwerpunkte dort sind Beerenobst- und Getreideanbau. Beruflich ist die Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester bei der Privatklinik Laßnitzhöhe tätig.

 

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