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Schule in Corona-Zeiten

von Karl Brodschneider

Wie die Landwirtschaftsschulen den Lockdown bewältigen und warum die Schülerzahlen in den 23 steirischen Fachschulen hoch sind. 

 

Im Schuljahr ist die Zeit vom September bis Dezember die ertragreichste. „Daher tut es uns allen in den landwirtschaftlichen Fachschulen sehr weh, dass diese intensive Lernzeit heuer im Herbst durch den zweiten Lockdown unterbrochen wurde“, bedauert Landesschulinspektor Hannes Hütter. Schon im November wurde wieder auf Heim-Schule umgestellt. Aber im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr hatte man diese Situation in den Landwirtschaftsschulen nun viel besser im Griff – und das nicht nur bezüglich der Technik. „Im Frühjahr ging es vor allem um die Lernstoff-Festigung. Jetzt ist es kein Problem mehr, neue Lerninhalte zu vermitteln“, sagt Hütter. „Auch die Leistungsbeurteilung und Dokumentation der Mitarbeit funktionieren viel besser.“ Er macht aber kein Hehl daraus: „Man kann diese Situation nicht mit dem Präsenzunterricht vergleichen!“ Im landwirtschaftlichen Schulwesen kommt hinzu, dass die Ausbildung sehr praxisorientiert abläuft. Hier gab es im Herbst zumindest die Möglichkeit, dass die Schüler tageweise in Kleingruppen Praxisunterricht erfahren konnten. 

Fremdpraxis

Nach Mariä Empfängnis durften zumindest die Burschen und Mädchen der Abschlussklassen in ihre Fachschulen zurückkehren. Vor allem für die Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse der land- und ernährungswirtschaftlichen Fachschulen war das besonders wichtig, denn hier zählt jeder „normale“ Schultag. Schließlich beginnt für sie schon im März die zwölfwöchige Praxis. Bis dahin sollen die Lernstoffvermittlung und Leistungsbeurteilung großteils abgeschlossen sein. Im Frühjahr war diese Fremdpraxis für zahlreiche Schüler nicht möglich. Sehr viele Praxiseinsätze werden nämlich in der Gastronomie, Hotellerie, in Alten- und Pflegeheimen absolviert. Aber im März, April und Mai ging nicht viel.  

Besser dran waren die Schüler der zweiten Jahrgänge an den land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen. Ihr normalerweise Ende Mai beginnendes 16-wöchiges Fremdpraktikum wurde zwar auch verkürzt, konnte aber weitgehend auf land- und forstwirtschaftlichen Betrieben absolviert werden. 

Tage der offenen Tür 

Werkstatt

Die praktische Ausbildung der Schüler erfolgt nicht nur in den Werkstätten, Küchen und sonstigen Praxisräumen der Schulen, sondern im Zuge der Fremdpraxis auch auf Bauernhöfen und in verschiedenen Betrieben.

Anders als sonst müssen in diesem Schuljahr die Schulinformationstage durchgeführt werden. Sie verlagern sich auch in den virtuellen Bereich. Das Interesse am Besuch der land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen sowie land- und ernährungswirtschaftlichen Fachschulen ist sehr groß. Aktuell befinden sich in allen 23 Schulen 2690 junge Menschen in Ausbildung. Neben der einschlägigen Facharbeiter-Ausbildung können in den landwirtschaftlichen Schulen verschiedene gewerbliche Berufsabschlüsse sowie Qualifikationen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Kinderbetreuung, Handel, Gewerbe, Ernährung, Tourismus und Büro erworben werden. Dazu kommt die an mehreren Schulstandorten angebotene berufsbegleitende landwirtschaftliche Ausbildung. Diese findet werktags jeweils an zwei Abenden sowie samstags statt, dauert ein Jahr und schließt mit der Facharbeiterprüfung ab. Meist haben die Teilnehmer eine Landwirtschaft geerbt oder gekauft. Aber auch praktizierende Landwirte nutzen diesen zweiten Bildungsweg. 

Der für die Landwirtschaftsschulen zuständige Landesrat Hans Seitinger bricht die Lanze für seine Schulen: „Die Absolventen und Absolventinnen sind im Berufsleben sehr gefragt!“ Und eine gute Ausbildung hat für ihn immer Vorrang, was er so beschreibt: „Die ertragreichsten Hektar sind die geistigen Hektar!“ 

 

Beitragsfotos: Gimpel

 

 

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