Tückischer Reiz des Feuers

Hochsaison für Heißgetränke und Kerzen: Im Winter passieren vermehrt Kinderunfälle, die Verbrennungen und Verbrühungen nach sich ziehen. Kinderhaut ist empfindlich, oft sind stationäre Aufenthalte nötig.

Rund die Hälfte aller Brandverletzungen bei Kindern passiert in den Wintermonaten, vermehrt am späten Nachmittag und frühen Abend, wenn Kerzen entzündet werden, Tee gemacht und vor dem Schlafengehen noch ein Bad genommen wird. Kinder haben einen großen Entdeckerdrang. Feuer übt auf sie eine besonders große Anziehungskraft aus“, warnt Holger Till, Präsident des Vereines „Große schützen Kleine“ und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie.

Schmerzhaft

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Holger Till, Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Foto: kk

Bereits eine Tasse Tee kann ausreichen, um rund 30 Prozent der Hautoberfläche eines Babys beziehungsweise Kleinkindes zu verbrühen. „Da Kinderhaut um einiges dünner ist als die Haut von Erwachsenen, sind die Folgen von Verbrühungen oder Verbrennungen meist schwerwiegend: Kinderhaut wird etwa bei Kontakt mit rund 60 bis 70 Grad Celsius heißem Wasser bereits so sehr geschädigt, dass Brandblasen entstehen können. Verbrennungen und Verbrühungen zählen zu den schmerzhaftesten und behandlungsintensivsten Unfällen. Oft bleiben Narben, besonders häufig an Oberkörper, Händen und Gesicht“, betont Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am LKH Graz.

„Pro Jahr werden etwa 2700 Kinder mit Verbrühungen oder Verbrennungen in Spitäler eingeliefert“, berichtet Chefarzt Wolfgang Schreiber vom Österreichischen Roten Kreuz. „Besonders häufig sind Verbrühungen des Oberkörpers oder des Bauches bei Kindern im Alter bis zu drei Jahren. Meistens geschieht dies, indem Gefäße mit heißen Flüssigkeiten, etwa Tee oder Suppe, umgekippt werden oder Tischtücher und Kochtöpfe heruntergezogen werden“, so der Experte.

Stationär

Im Gegensatz zu anderen Unfällen, bei denen die Rate an stationären Aufnahmen relativ gering ist, müssen über 50 Prozent der brandverletzten Kinder stationär behandelt werden. „Uns ist es sehr wichtig, Eltern für das Thema zu sensibilisieren und ihnen zu verstehen zu geben, dass es nicht viel braucht, um Unfallquellen im Haushalt aus dem Weg zu schaffen“, betont Till.

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Gefahrenstelle Wasserkocher und heiße Flüssigkeiten: Folgen von Verbrühungen sind meist schwerwiegend. Foto: fotolia.com/photophonie

Das Team des Vereines „Große schützen Kleine“ rät zu folgenden Verhaltensregeln: Kinder nie mit brennenden Kerzen alleine lassen. Es ist ratsam, Feuerzeuge und Streichhölzer nicht frei herumliegen zu lassen. Schulkindern sollte man zeigen, wie man Kerzen – im Beisein von Erwachsenen – richtig anzündet und löscht. Die Montage von Rauchmeldern mit akustischem und optischem Alarm ist empfehlenswert. Erwachsene sollten Kinder und heiße Getränke oder Speisen nie gleichzeitig tragen. „Heiße Gegenstände oder Flüssigkeiten sollten nicht unbeaufsichtigt bleiben. Wenn Tischtücher fixiert sind, ein Herd über ein Schutzgitter verfügt und nur hintere Kochstellen benutzt werden, die Griffe der Töpfe nach hinten zeigen, dann können Unfälle vermieden werden“, gibt Schreiber vom Österreichischen Roten Kreuz zu bedenken.

Beim Wasserkocher sollte insbesondere darauf geachtet werden, dass Kinder ihn nicht am Kabel herunterziehen können. Heißes Wasser, das nicht benötigt wird, lieber immer sofort wegschütten. Auch im Bad lassen sich schmerzhafte Verbrühungen relativ leicht vermeiden. Kinder erst in die Badewanne lassen, wenn die Wassertemperatur mit Unterarm oder Thermometer überprüft wurde.

Erste Hilfe 

  • Wenn Kleidung zu brennen beginnt: Stop, Drop, Roll – sich fallen lassen, am Boden rollen.
  • Verbrühungen: Kleidung, die die Wunde bedeckt, rasch entfernen, da sie Hitze festhält.
  • Verbrennungen: Anheftende Kleidung nicht entfernen, da sie in die Haut mit eingebrannt sein könnte.
  • Kleinflächige Wunden: 15–20 Min. mit lauwarmem Wasser kühlen.
  • Größere Wunden: aufs Kühlen verzichten, Rettung anrufen.

Bild oben: Das Spiel mit dem Feuer ist für Kinder reizvoll. Verhaltensregeln zu vereinbaren, ist wichtig. Foto: fotolia.com/Hallgerd

 

 

 

 

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